Das war eine aufregende Nacht für die Forscher: An Stellen, wo in den Nächten zuvor besonders viele Rufe der "Nymphenfledermaus" (Myotis alcathoe) zu hören waren, hatten Biologen feinmaschige Netze aufgestellt. Die fünf bis sieben Meter breiten und etwa drei Meter hohen Netze werden in die Flugschneisen der nachtaktiven Tiere gespannt, meist über Waldwege und Bachläufe.

Die Fledermäuse verfangen sich darin, ohne verletzt zu werden. Dann lassen sie sich vermessen, wiegen, fotografieren und bestimmen. Anschließend werden sie wieder freigelassen.

Bei dem Fang an einer Furt am Sendelbach wurden innerhalb von drei Stunden über zwanzig Tiere bestimmt, darunter acht verschiedene Arten. Wie Bernd-Ulrich Rudolph vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) und Burkard Pfeiffer, Mitarbeiter der Koordinationsstelle für Fledermausschutz Nordbayern (Universität Erlangen), die die Aktion leiteten, einhellig äußerten, sei eine solche Fangquote selten. Der Hauptsmoorwald sei für Fledermäuse offenbar außergewöhnlich attraktiv.

Dass auch die Nymphenfledermaus darunter war, hat die Experten ganz besonders gefreut. Die nur vier Zentimeter lange und vier Gramm leichte Art ist erst vor 13 Jahren anhand von Exemplaren aus Griechenland wissenschaftlich beschrieben worden.

Erstnachweis in Forchheim

Der Erstnachweis in Bayern gelang 2012 in Forchheim. Daraufhin startete das LfU im Jahr 2013 das Forschungsprojekt "Suche nach der Nymphenfledermaus in Bayern". Vergangenes Jahr nahmen ehrenamtliche Kartierer in über 100 geeigneten Lebensräumen Fledermausrufe mit speziellen Ultraschall-Aufnahmegeräten auf.

An zwanzig Orten fanden sich darunter auch Aufnahmen der Nymphe, schwerpunktmäßig in Unter- und Oberfranken, und eben auch am östlichen Rand des Hauptsmoorwaldes.

Für 2014 wurde der Biologe Gerhard Hübner aus Coburg beauftragt, diese Orte genauer unter die Lupe zu nehmen - und in besonders aussichtsreichen Lebensräumen nicht nur Rufaufnahmen, sondern auch Lebendfänge durchzuführen. Dass diese nicht immer einfach gelingen, zeigten Versuche in den Eierbergen und im Banzer Wald im Landkreis Lichtenfels.

Jungtiere und Erwachsene

Trotz häufiger Rufe, gelang es dort bisher nicht, die Nymphenfledermaus mit Netzen zu fangen. Umso beeindruckender, dass die Art im Hauptsmoorwald mehrfach ins Netz ging, sowohl Jungtiere als auch Erwachsene.
Da die Ultraschallrufe nah verwandter Arten oft ziemlich ähnlich sind, ist es für die Artbestimmung sehr hilfreich, die Tiere auch wiegen, vermessen und ihre Flughäute genau untersuchen zu können. Mit zunehmendem Wissen der Forscher über diese Fledermausart wird die Identifikation immer sicherer, auch ohne, dass Gewebeproben entnommen und genetisch analysiert werden müssten.

Der Bamberger Hauptsmoorwald bietet der Nymphenfledermaus offenbar alles, was sie braucht: eine hinreichend große Fläche (über 50 Hektar), Bestand an Feuchtbiotopen mit einem guten Nahrungsangebot und Reviere mit alten Bäumen, die genug Höhlen als Unterschlupf bieten. Die Sendelbachaue ist von der Geisfelder Flur bis in die Muna relativ naturnah erhalten. Und genauso soll es auch bleiben, wünschen sich Biologen und Fledermausforscher.

Wie die Nymphenfledermaus zu ihrem Namen kam

Seit Ende der 1970er Jahre fand Prof. Dr. Otto von Helversen († 2. März 2009) in schattigen und feuchten Waldtälern Griechenlands Fledermäuse, die sehr unseren beiden einheimischen Bartfledermausarten ähnelten. Da sie sich in ihrer Gestalt nur sehr gering unterschieden, konnte erst mit molekulargenetischen Methoden zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass es sich um eine eigenständige Art handelt Mayer & Helversen, 2001). Das Gelände, in dem Otto von Helversen mit befreundeten Forschern diese kleinen Fledermäuse fing, ähnelte dem Schauplatz einer griechischen Sage, der zufolge einst der Weingott Dionysos zu einem Fest in eine einsame Schlucht einlud. Die drei Töchter des Minyas lehnten sich gegen den orgiastischen Dionysoskult auf und weigerten sich, an den Feiern teilzunehmen. Erzürnt verwandelte daraufhin Dionysos die eine in eine Eule, die zweite in eine Krähe und die Nymphe Alcathoe in eine Fledermaus Otto von Helversen und andere verliehen in ihrer Erstbeschreibung der neuen Fledermausart den wissenschaftlichen und deutschen Namen dieser Figur aus der griechischen Mythologie: Myotis alcathoe, die Nymphenfledermaus.