Maria trotzt Corona. Hat die Gottesmutter doch schon ganz andere Härten in ihrem Leben auf Erden erduldet. Sie ist auf jeden Fall gegenwärtig in Bamberg rund um ihren Feiertag "Mariä Himmelfahrt" am 15. August. Auch wenn sie nicht - wie seit über 300 Jahren - von 16 starken Männern durch die Stadt getragen wird. "Das traditionelle Muttergottes-Fest findet auch in diesem Jahr statt, allerdings unter anderen Vorzeichen und Rahmenbedingungen", erklärt Matthias Bambynek, Leitender Pfarrer im Seelsorgebereich Bamberger Westen und Hauptorganisator der Feierlichkeiten in der Oberen Pfarre.

"In enger Abstimmung und guter Kooperation" mit der Stadt Bamberg und dem Gesundheitsamt, mit vielen Ehrenamtlichen aus den Pfarreien sei es gelungen, den Höhepunkt des Muttergottes-Festes zu planen: Am Sonntag, 16. August, wird es um 10 Uhr auf dem Maxplatz eine Eucharistiefeier mit anschließendem Marienlob geben, musikalisch gestaltet von einem Bläserensemble, einer Schola und einem E-Piano. Unter Einhaltung der Abstandsregeln können etwa 500 Gläubige mitfeiern. Pfarrer Bambynek hofft nun, "auf der sicheren Seite zu sein, wenn alle die Hygienevorschriften und Hinweise der Ordner beachten". Doch er weiß auch, dass "es keine Garantie gibt" gegen diesen Virus.

Rege Nachfrage

Dass der Pfarrer überhaupt das Wagnis eingeht, ist der regen Nachfrage aus der Bevölkerung geschuldet, ob und wie das Fest in diesem Jahr begangen wird: "Das Bedürfnis ist groß, das Marienfest nicht ausfallen zu lassen", sagt Bambynek. Außerdem gebe es Klagen, dass sich die Kirche in der Corona-Pandemie weggeduckt habe. "Wir zeigen: Hier sind wir, wir feiern mitten in der Stadt!" Und ermöglichen ein "Mutmachfest", indem "wir uns mit und von den Gnadenbildern ermutigen lassen, unser eigenes Leben anzuschauen". Und zwar zwischen den Polen "schmerzhaft und freudenreich" - passend zur Situation in diesen Zeiten.

Den Spannungsbogen dokumentieren denn auch im Corona-Jahr 2020 die freudenreiche Madonna des Liebfrauenmünsters (Obere Pfarre) und die schmerzhafte Mutter (Pietà) aus der St. Martins-Kirche. Beide hoch verehrten Marienfiguren werden auf dem Maxplatz stehen, allerdings nicht im üblichen barocken Festkleid, sondern im schlichten Originalzustand. Dazu gesellt sich die Statue des heiligen Urban, denn auch die gewohnte Urbani-Prozession musste heuer ausfallen.

Wie die große Muttergottesprozession nun ausfallen muss, die sonst Menschen aus ganz Bamberg und dem Umland anlockt - und das seit dem Jahr 1702. Seit Jahrhunderten also bietet das fränkische Rom sehr emotionale und exemplarische Momente, wenn die Pilger mit der geschmückten Muttergottesfigur und dem Allerheiligsten in der Monstranz als Zentrum vom Kaulberg zum Grünen Markt ziehen. Wenn sich die beiden Gnadenbilder begegnen und grüßen.

Nur zwei Ausfälle

Nur zwei Mal in der Festgeschichte entfiel dieses Ereignis aus unterschiedlichen Gründen: 1914 und 1939. Darauf führte der Volksmund den jeweiligen Kriegsbeginn zurück. Und noch heute kursiert der Spruch: "Wenn die Prozession nicht auszieht, gibt es Krieg."

Diesem Orakel mögen die weiteren gottesdienstlichen Feiern und Gebete entgegenstehen, mit denen der Himmel um Frieden bestürmt wird. Am eigentlichen Hochfest "Mariä Aufnahme in den Himmel", Samstag, 15. August, gibt es in der Oberen Pfarre um 9, 11 und 18 Uhr Eucharistiefeiern sowie gestaltete Betstunden um 15, 16 und 17 Uhr. Die Betstunden am Sonntag laden um 15, 16 und 17 Uhr ein. Am Montag, 17. August, sind die Eucharistiefeiern um 9 und um 18 Uhr zum Abschluss des Muttergottes-Festes.

"Vor der Oberen Pfarre findet auch heuer der Kerzenverkauf statt", erklärt Pfarrer Bambynek. Das Gnadenbild sei im Altarraum der Kirche aufgestellt, so dass die Möglichkeit zum Aufstecken von Kerzen bestehe: "unter Wahrung der Abstandsvorgaben". Das Muttergottes-Café, der Krankengottesdienst, das Fränkische Mariensingen und die Nachtwachen können in diesem Jahr aber nicht sein.

Pfarrer Matthias Bambynek betont, dass die Feierlichkeiten in der Oberen Pfarre und auf dem Maxplatz "keine Konkurrenz zu St. Jakob ist, sondern ein paralleles Angebot, wir laden uns gegenseitig ein". Am Samstag, 15. August, wird Erzbischof Ludwig Schick um 9 Uhr in St. Jakob das Pontifikalamt feiern, um 10 Uhr startet die "Kleine Marienprozession" in reduzierter Form.

Bei Regenwetter findet die Feier auf dem Maxplatz nicht statt. Stattdessen wird in der Oberen Pfarre und in St. Martin um 10 und um 11.30 Uhr die Messe gefeiert. Aktuelle Informationen gibt es auf der Homepage www.sb-bamberger-westen.de. Darauf kann auch die Feier auf dem Maxplatz verfolgt werden, die per Livestream übertragen wird.