Da ist sie selbst überrascht: "Ich bin schon verwundert, dass derart viel Interesse besteht", sagt Melanie Nüßlein (37), Streifenbeamtin der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt. Gemeinsam mit Kollege Jens Dinkel (30) ist sie auf Streife in der Bamberger Innenstadt, führt sozusagen die neue Test-Uniform aus.

Sofort ist klar: Man wird beobachtet. "Heute vielleicht noch mehr, weil ein Fotograf und jemand von der Presse dabei ist", vermutet die Polizistin. Egal, wo wir hinlaufen, die Leute schauen - und kommentieren. "Ach, des is doch die die erste in Blau! Schee!", ruft eine Frau im Vorbeigehen.

Genau, die erste in Blau. Vorerst allerdings nur zur Probe: Von 1. August bis 31. März tragen bayernweit 500 Polizisten die Dienstkleidung, 35 in Oberfranken. Auf den Eindrücken der Probeträger soll dann das endgültige Aussehen der Uniformen beruhen, wie sie für alle bayerischen Polizisten ab 2016 eingeführt werden.

"Wir füllen alle zwei Monate einen Fragebogen aus. Darin geben wir zum Beispiel an, wie sich die Kleidung trägt. Ganz am Ende wird es noch einmal eine Umfrage geben, ob eher die blaue oder die grüne gewünscht wird", erklärt Melanie Nüßlein.


Meinungen der Bamberger geteilt
Was wünschen sich die Bamberger? Kommt die blaue Uniform, wie sie in Österreich üblich ist, an? Wolfgang Leiber schaut schon so interessiert, als die beiden Streifenbeamten am Maxplatz vorbeilaufen. Gleich mal nachgefragt: "Ich finde, die grüne würde der Dame besser stehen", sagt er. Den Herren kann er sich allerdings gut in Blau vorstellen. Aber: "Blau schmutzt mehr beim Waschen, das weiß ich von meiner Frau."

Ganz begeistert von der blauen Dienstkleidung ist dagegen Alfons Neumer. Er findet, dass die neue Uniform eleganter wirkt und der Dame gut steht. Außerdem: "Blau, das erinnert doch an den Sheriff! Der schwarze Sheriff stellt was dar, der grüne nicht."

Eher modisch argumentiert Henriette Leitherer. Sie ist selbst in khakifarbener Hose unterwegs. Für sie ist klar: "Die grün-gelbe Uniform ist besser. Allein die Hose hat ja Ähnlichkeit mit meiner", sagt sie und lacht. Etwas ernster meint sie dann, dass die alte Dienstkleidung freundlicher wirke, da sie heller sei. Ob ihr denn zur dunkelblauen Hose ein steingraues Hemd eher zusagen würde, will Polizistin Melanie Nüßlein wissen. Sie spielt mit der Frage auf das hellere Hemd der österreichischen Uniform an, das ebenfalls zur dunkelblauen Hose getragen werden kann. "Ja, das wäre besser", findet Henriette Leitherer.

Dann geht die Passantin weiter, das grün-blaue Beamtenteam auch. Am Zentralen Omnibus Bahnhof (ZOB) ist es gestartet, gerade am Maxplatz vorbei gelaufen und nun in Richtung Gabelmann unterwegs - immer unter Beobachtung. "Schau mal, des is die neue Uniform", sagt eine Mutter, bückt sich zum Nachwuchs im Kinderwagen und zeigt auf Melanie Nüßlein. Die lächelt zurück.

An der Abzweigung zur Franz-Ludwig-Straße ist Lea Krane unterwegs. Welches Modell ist denn der Favorit der jungen Passantin? "Ganz klar das blaue. Die blaue Kleidung ist schöner, einfach freundlicher. Viel besser, als das schmutzige Grün" - sagt sie und lächelt entschuldigend in Richtung Jens Dinkel, der genau dieses "schmutzige Grün" trägt.

Die Meinungen der Bamberger sind geteilt. Doch am wichtigsten: Die Polizisten werden als solche erkannt. So kommt der Betreuer einer Behinderten-Gruppe aus Schweinfurt auf die Beamten zu und meldet, dass "einer verloren gegangen ist". Sofort nimmt Jens Dinkel die Daten auf. Es stellt sich heraus: Möglicherweise ist das verlorene Gruppenmitglied vom P+R Platz Kronacher Straße mit dem Bus zum ZOB gefahren. Also bewegen wir uns dorthin.

Auf dem Weg die Frage nach dem Tragekomfort der neuen Uniform. "Die Hose ist auf jeden Fall wärmer, weil der Stoff dicker ist. Und vermutlich, weil sie enger anliegt und taillierter geschnitten ist", sagt Melanie Nüßlein. Bei der bisherigen Dienstkleidung habe sie als Frau immer die Herrenhose getragen - "weil der Damenschnitt nicht besonders vorteilhaft ist." Das würden auch andere Kolleginnen so handhaben.

Ob sie die blaue oder grüne Dienstkleidung besser findet, kann sie selbst noch nicht sagen. "Vielleicht in einem halben Jahr, wenn ich die neue häufiger getragen habe", sagt Melanie Nüßlein. Welche es letztendlich wird, wird das Bayerische Innenministerium entscheiden.

Dann ist unser Vierer-Trupp aus Polizisten, Fotograf und Reporterin am ZOB angekommen. Ein Streifenwagen fährt vorbei, man grüßt sich. Jens Dinkel zückt das Funkgerät und gibt eine Personenbeschreibung der vermissten Mannes aus der Behinderten-Gruppe weiter. Sie werden ihn suchen. Egal, ob in Blau oder Grün.

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