In Gundelsheim, der flächenkleinsten Gemeinde Bambergs, fährt kein Schulbus zur Grundschule. Die Kinder laufen, fahren Fahrrad oder werden mit dem Auto zur Schule gebracht. Seit letztem Jahr besteht für die Erstklässler außerdem die Möglichkeit, mit dem "Laufbus" zur Schule zu gelangen. Auf drei unterschiedlichen Routen können sie sich mit gleichaltrigen treffen und zusammen zur Schule gehen.

Im vergangenen Monat wurden die Kinder noch von Erwachsenen auf ihrem Schulweg begleitet. Durch das "Laufbus"- Projekt sollen sie zusammen die Verkehrsregeln lernen, damit sie den Weg auch alleine sicher schaffen. In dieser Woche waren sie nun zum letzten Mal mit Begleitung unterwegs.

Von Partnerstadt inspiriert

Die Gruppe wurde auf der knapp 800 Meter langen Route vom Königsweg zur Schulstraße von Bürgermeister Jonas Merzbacher (SPD) begleitet. Er läuft ein paar Schritte hinter der Gruppe, damit die Kinder zeigen können, dass sie alle Verkehrsregeln kennen. Am Straßenrand bleiben sie von selbst stehen. Bevor sie die Straße überqueren, wird nach links und dann nach rechts geschaut.

"Meistens sind Eltern mitgelaufen, manchmal sind Freiwillige von der Gemeinde eingesprungen", sagt Katharina Hierl. Sie ist Quartiersmanagerin und hat das Projekt koordiniert. "Wir wollen dadurch verhindern, dass zu viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen", erklärt Hierl. Inspiriert wurde die Gemeinde von einem ähnlichen Projekt in der italienischen Partnerstadt Sarteano.

Oskar schafft's auch alleine

Anja Gotthardt findet es wichtig, dass ihr Sohn Oskar den Weg zur Schule auch alleine schafft. "Vor allem wenn der große Bruder mal krank ist oder wegen Corona wieder getrennter Unterricht stattfindet." Gotthardt oder ihr Mann haben die Gruppe auf dem Königsweg immer donnerstags begleitet.

An der Kreuzung zur Hirtenackerstraße kommt dann einer der anderen zwei "Laufbusse" von der westlichen Ringstraße auf die erste Gruppe zu. Elfriede Hohenadl-Bogner und ihre Gruppe schließen sich auf dem Weg mit an. Die Rentnerin ist eine der Freiwilligen im Auftrag der Gemeinde, die im letzten Monat die Erstklässler auf ihrem Schulweg betreut haben.

Hohenadl-Bogner ist schon länger Schulweghelferin, seit letztem Jahr macht sie auch beim Laufbus mit. "Ich bin sowieso Frühaufsteherin, und so habe ich einen Grund, früh auch rauszugehen", meint die Gundelsheimerin. Sie läuft hinter der Gruppe, der sich auf dem Weg auch Kinder aus höheren Jahrgangsstufen angeschlossen haben. Die 68-Jährige achtet aber besonders auf die drei Jüngsten. "Lasst die Kleine mal vor, sie darf heute bestimmen", sagt sie ihrer "Laufbus"-Gruppe. Später erklärt sie: "Die Kinder wissen schon alle Bescheid, aber in der Gruppe gehen sie dann oft einfach mit, ohne selbst noch 'mal zu gucken, ob alles sicher ist."

Unterwegs eingekauft

An der Hauptstraße sicher angekommen, bleibt den Schülern noch Zeit für einen kurzen Besuch der Metzgerei. Nachdem Gelbwurst und Hörnchen gekauft wurden, muss die Straße überquert werden. Hohenadl-Bogner und Merzbacher schauen ihren Schützlingen dabei genau zu. Sie sollen immer zu zweit über die Straße. Die letzte Dreiergruppe braucht allerdings ein bisschen länger. Selbst wenn es so aussieht, als ob ein Auto für sie anhält, müssen sie warten, das wissen die Kinder.

Selbstbewusste Erstklässler

Die Erstklässler sind selbstbewusst, sie fühlen sich bereit, den Schulweg jetzt alleine zu gehen. Oskar will von jetzt an mit seinem großen Bruder auf dem Roller zur Schule fahren.

"Die Kinder können selbst entscheiden, ob sie weiterhin in der Gruppe laufen. Die Gruppe, mit der ich letztes Jahr zur Schule gegangen bin, sehe ich immer noch gemeinsam laufen", sagt Elfriede Hohenadl-Bogner.