Nach seiner Erstkommunion stand für den kleinen Albert fest, was er einmal werden möchte. Nicht etwa Lokomotivführer oder Feuerwehrmann wie seine Spielkameraden, sondern Pfarrer! Doch eingeengt in seiner Vorstellungswelt war der am 30. Oktober 1951 in Bamberg geborene Bub beileibe nicht: "Musiker oder Architekt waren auch eine Option", erinnert er sich als gestandenes Mannsbild in seinem Haus auf dem Stephansberg beim Durchblättern von Familienalben mit Schwarz-Weiß-Fotos aus der Kinder- und Jugendzeit.

Das Kreative, das Gestalterische, das fantasievolle Umsetzen von Ideen haben Albert Ultsch also schon früh gepackt. Pfarrer ist der bekennende Katholik letztlich doch nicht geworden. Aber ein Bildhauer und Restaurator, ein freischaffender bildender Künstler im christlichen Kontext, dessen zeitgenössische Werke den Betrachter einnehmen und zum Philosophieren über Gott und die Welt einladen. Zum Meditieren, Innehalten, ja beten. Jedoch auch zum Streiten, wie es im unterschiedlichen Geschmacksempfinden aufkommt.

Bevor aus Albert Ultsch wurde, was er aus Leidenschaft zur Kunst ist, war es gar nicht so ein weiter Weg. "Meine Eltern haben mich gelassen", sagt er dankbar beim Anblick des Hochzeitsfotos von Georg und Maria Ultsch, die mitten im Zweiten Weltkrieg 1943 geheiratet haben. Fünf Kinder wurden dem Ehepaar geschenkt: "Ich war der Mittlere", erzählt der 68-Jährige und lächelt bei den Erinnerungen an eine behütete Kindheit "und tolle Jugend".

Liebe zur Musik ist geblieben

Schon früh kam er zur Musik, lernte das Klavierspielen und wollte bereits als Neun-, Zehnjähriger eine Band gründen. Und zwar für die Aufführung eigener Kompositionen. Daraus wurde zwar nichts, wenn auch die Liebe zur Musik, zum Singen bis heute geblieben ist und sich in aktiver Mitgliedschaft in verschiedenen Chören niederschlägt. Und in Hausmusik an Feiertagen in der eigenen Familie, zu der Ehefrau Marianne und drei nunmehr erwachsene Kinder gehören. "Am 27. Juni 1981 haben wir geheiratet", vergisst Albert Ultsch nicht den Hochzeitstag. Kein Wunder: So verliebt schaut er auf dem Foto von seinem Hochzeitstanz aus! Da gab und gibt es offensichtlich kein "Kreuz zu tragen" in der Ehe.

Obwohl: "Das Kreuz steht als Zeichen und Form im Mittelpunkt meiner Arbeit als Künstler", betont Albert Ultsch, der von sich sagt, dass er "mehr Kunst als Latein im Blut hat".

Das Alte Gymnasium - jetzt Kaiser-Heinrich-Gymnasium - verließ er vorzeitig, weil er eine Lehre zum Steinmetz und Bildhauer bei Robert Bauer-Haderlein vorzog. "Mein Kunstlehrer Theo Seiffert hatte mir die Augen aufgemacht und mich im Unterricht gefördert", so Ultsch, der als Schüler gern mit Backsteinen und Ton werkelte. Aber auch mit Verve als Ministrant am Altar diente und als kaum zu bremsender Stürmer bei der DJK-Don Bosco auf dem Bolzplatz Fußball spielte.

Fotos zeugen von dieser Vergangenheit. Von Appetit am Mittagstisch mit den Geschwistern: "Ich habe schon immer gern gegessen!", lacht Ultsch und spinnt den Faden weiter zu Kloß mit Soß‘, die seine Mutter für ihn auf einem Extra-Teller servieren musste - "ein geteilter wie in der Gaststätte".

Auch schwärmt er von den Ferien mit der elterlichen Familie in Hundham, Obertrubach oder am Staffelberg. Das "Sommerhighlight schlechthin" waren für ihn die Zeltlager mit der katholischen Jugend: "Wir waren eine gute Clique, sind gewandert, haben Theater gespielt".

Nach der Steinmetzlehre besuchte Albert Ultsch für zehn Semester die Akademie der bildenden Künste in Nürnberg. Danach arbeitete er als Selbstständiger in der Restaurierung. Gleich ob Schloss Pommersfelden, die Basilika Vierzehnheiligen, Regensburger Dom, Jesuitenkirche im schweizerischen Bern, Hamburger Schauspielhaus oder Prinz-Regenten-Theater München und mehr: "Ich habe mich in der Restaurierung, in der Steinrekonstruktion wohl gefühlt", versichert Ultsch, wenn auch "meine Familie oft allein war". Und "ich den Faden zur Kunst nie verloren habe".

Heimatverbunden

Heimatverbunden wie er ist, freut ihn natürlich jeder Auftrag für Kunstobjekte aus Bamberg und der Region. Seine unverwechselbare Handschrift als Künstler ist an und in vielen Orten der Stadt präsent - vor allem in Kirchen wie etwa St. Urban, die Obere Pfarre oder St. Gangolf. Doch auch die farbigen Glasfenster in der Synagoge an der Willy-Lessing-Straße oder das Widerstands-Mahnmal im Harmoniegarten stammen von ihm. Derzeit zählen die Laurenzikapelle am Kaulberg und die Pfarrkirche in Weilersbach zu seinen gestalterischen Arbeiten. Doch diese Farbfotos von seinen Werken sind in einem anderen Album zu finden. Das schlägt Albert Ultsch nur kurz auf, schaut dann wieder die Bilder der Vergangenheit an. Sein Vater, der als Hausmeister und Mesner im Englischen Institut, in St. Gangolf und St. Martin bis zur Rente 1976 tätig war, wird förmlich lebendig. Die Freunde, mit denen er als junger Mann kreuz und quer durch Europa reiste. Der Wehrersatzdienst beim Katastrophenschutz der Stadt Bamberg.

Und weiter richtig spannend wird es in Albert Ultschs Atelier in der Hohmannstraße zwischen Entwürfen, Modellen, Bildhauerwerkzeug. Doch das ist eine andere Geschichte, die sich zu erzählen lohnen würde.