Ein Hochhaus in Bamberg, im achten Stockwerk eine heimelige Drei-Zimmer-Wohnung. Seit 27 Jahren wohnt Loni Regewski darin: Seit vier Jahren allein, nachdem ihr Ehemann nach 62-jähriger Ehe verstarb. Ihre beiden Söhne leben weit entfernt von Bamberg, die Kontakte zu Nachbarn sind nur spärlich. Freunde, die die 88-jährige alte Dame besuchen könnten, hat sie nicht: "Mein Mann und ich haben uns genügt", sagt Loni Regewski nüchtern.

Sie räumt ein, dass sie sich wohl gut allein beschäftigen kann. Volle Bücherregale künden von einem möglichen Zeitvertreib. Und ein PC: "Mit 80 habe ich noch Computer gelernt!", lacht die geistig hellwache und voll orientierte Frau auf. Dennoch nagte das bittere Gefühl der Einsamkeit, die Sehnsucht nach Zuwendung durch einen Menschen. Zumal Loni Regewski sich außer Haus nur im Rollstuhl fortbewegen kann und jemanden braucht, der diesen schiebt.

Im Telefonbuch suchte sie nach Organisationen, von denen sie sich Unterstützung erhoffte und entdeckte den Malteser-Hilfsdienst (MHD). Punktlandung! Denn der MHD bietet einen Besuchs- und Begleitdienst an, den Ehrenamtliche unter der Leitung von Anita Meisel leisten. "Gemeinsam ist man weniger allein" lautet das Motto, unter dem derzeit zwanzig Männer und Frauen alleinstehende Senioren besuchen - auch in Altenheimen.

Vertrauen zählt

Loni Regewski hat nun im Rentner Georg Paulus ihren Besuchspartner gefunden: "Er ist sehr angenehm im Umgang, zuverlässig, ich habe Vertrauen zu ihm", freut sich die Seniorin über die wöchentliche Begegnung, die heuer schon ein kleines Jubiläum feiern kann: Fünf Jahre kennen sich die beiden nun, "da machen wir so richtig einen drauf!", lächelt Loni Regewski spitzbübisch. Der ehrenamtliche Malteser Paulus nickt zustimmend: "Ich habe eine Aufgabe, die mich erfüllt. Ich bekomme so viel zurück", erklärt der 65-Jährige.

Mittwochs macht sich Georg Paulus auf den Weg zu Loni Regewski, um ihr einfach nur für zwei, drei Stunden Gesellschaft zu leisten, um mit ihr einen Spaziergang ins Grüne zu machen, ins Café zu gehen oder sie auch zur Apotheke zu begleiten oder Kleinigkeiten einzukaufen. Die Chemie stimmt einfach zwischen der Seniorin und dem Malteser: "Eine Harmonie muss da sein, darum suche ich genau aus, wer zu wem passt", betont Besuchsdienst-Leiterin Meisel.

Regelmäßig schaut Anita Meisel bei jedem "Paar" vorbei, "nicht zur Kontrolle, sondern um zu sehen, ob alles gut geht". Überhaupt überlässt sie ihre Ehrenamtlichen nicht dem Schicksal, sondern steht jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. So gibt es auch einmal im Monat Gruppenstunden für die Helfer, in denen sie sich austauschen oder durch Referenten weiteres Rüstzeug für ihren Einsatz erwerben können. Ein jährlicher Auffrischungskurs in Erster Hilfe steht ebenfalls auf der Agenda. Und Information über den Versicherungsschutz, den die Ehrenamtlichen durch den MHD genießen.

Anita Meisel weiß nur zu gut, dass die Not der Einsamkeit auch in Bamberg groß ist. Sie führt eine Warteliste mit Namen von alten Menschen, die auf einen Besuch hoffen. "Ich suche dringend weitere Ehrenamtliche, die mitmachen wollen", wirbt Meisel um Interessenten, die ihren zeitlichen Aufwand oder Wochentag für einen Dienst selbst bestimmen können: "Auch Samstage und Sonntage sind möglich", so Anita Meisel.

Termin
Anita Meisel, Leiterin des Besuchs- und Begleitdienstes des MHD, lädt Interessierte zu einem Infoabend am Mittwoch, 11. Februar, um 18 Uhr in die Diözesangeschäftsstelle des MHD ein, Moosstraße 91-97, in Bamberg. Anita Meisel ist auch telefonisch erreichbar unter 09505/ 804326.