Puderzuckerfein wirbelt die hellbraune Erde auf. "Das hat hier aber schon bissl was von Namibia", sagt Fotograf Matthias Hoch und steuert das Auto nah an das neue Flussbett.

Dass es staubt und schmiert (bei Regen) erleben Anwohner und Landwirte rund um die Großbaustellen im Zusammenhang mit dem Ausbau der ICE- Trasse fast täglich. Gestern wurde der Baufortschritt bei der Verlegung des Mains erneut Vertretern der Medien vorgestellt.

Es dauert nicht mehr lange, bis auf rund 1100 Metern der größte Fluss in Oberfranken einen neuen Weg nimmt. Am 1. September wird auf der neuen Bahntrasse der Strom angeschaltet, ab 5. September fahren wieder Züge. Auf Anfang des nächsten Monats ist auch das Fluten des neuen Flussbetts terminiert.

Das Wasser wird in den vorgegebenen Bahnen fließen, sich in den Randbereichen aber seinen Weg selbst suchen, denn auf dem mit Baggern und anderem schweren Gerät bearbeiteten Areal entstehen Altarme und Stillgewässer: dort wo seit vielen Jahren ein befestigter Fluss war.

"In drei oder vier Jahren wird es garantiert nicht mehr so aussehen wie jetzt ", sagt Hartmut Meier, der für diesen Abschnitt zuständige Bauleiter. Soll es auch gar nicht, hatte zuvor schon der Projekt-Ingenieur für Umweltschutz, Helge Gork, erläutert.


Renaturierung einmalige Chance

Naturschützer, Landschaftspfleger und Wasserwirtschaftsamt sehen in der Main-Verlegung eine einmalige Chance, in diesem Abschnitt den einst für die Flößerei begradigten Fluss zu renaturieren. Auch den Belangen des Hochwasserschutzes muss Rechnung getragen werden: Für Ebing und Breitengüßbach sollen keine Verschlechterungen eintreten. Etwa 80 Prozent der künftigen Flusslandschaft sind schon hergestellt. Teile der Landfläche zwischen dem alten und dem neuen Flussarm bleiben als Inseln bestehen, auf und zwischen denen Auwaldbereiche entstehen sollen. Dazu werden dort neben Totholz unter anderem Wurzelstöcke gefällter heimischer Laubbäume eingebracht, die wieder ausschlagen sollen. Weidenstecklinge sollen helfen, die Ufer zu befestigen.

"Umgesiedelt" wurden auch Grassoden, in denen der seltene Wiesenknopf-Ameisenbläuling, beziehungsweise die Ameisen, die sich um den Nachwuchs dieses Schmetterlings kümmern müssen. Eine von vielen Maßnahmen, um verlorengegangene Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu ersetzen und neue Biotopstrukturen zu schaffen.


Kinderstube für Fische

Beispielsweise wird der Kiesabbausee "Ochsenanger" mit Flachwasserzonen ausgestattet und später per Durchstich mit dem Main verbunden - eine Kinderstube für Jungfische, die dann in den Fluss zurückkehren können.

"All das hat an anderer Stelle wunderbar funktioniert," sagt Frank Kniestedt, Presseprecher für das Bahnrojekt VDE 8. "Wir bauen ja auf 500 Kilometern."