Die Bamberger Gastronomen sind in der Corona-Krise weiter im Hintertreffen. Aus Sicht von Florian Müller, Geschäftsführer Ahörnla und Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands, gibt es zu einer Öffnung kaum eine Alternative: Ein Lieferdienst lohne sich oftmals nicht. Und Beschäftigten fehle der variable Teil des Lohns in Form von Trinkgeld, was auch nicht vom Staat unterstützt werden könne.

Und auch die jetzt getroffenen Lockerungen gehen an den Gastronomen vorbei: Ab dem 27. April werden wieder kleinere Geschäfte mit bis zu 800 Quadratmetern Größe unter Auflagen öffnen, bereits ab 20. April Garten- und Baumärkte. Friseure starten ab Mai. Sie können wieder auf Kunden und Einnahmen hoffen. Doch gibt es auch einige, die leer ausgehen.

Müller stellt sich darauf ein, dass die Phase jetzt noch länger andauert. "Es wurden jegliche Hoffnungen zerschlagen, dass die Nutzung von Freischankflächen gelockert wird." Wenn die Beschränkungen noch bis Ende August dauern sollten und auch die Tourismussaison ausbleibe, könnten manche Gastronomiebetriebe es nicht überleben. "Es ist eine traurige Situation. Die Gastronomie braucht mehr finanzielle Unterstützung durch den Staat", fordert er.

Ein weiterer Verlierer findet sich in Hallstadt: Das familiengeführte Einkaufszentrum Ertl kann weiter nicht voll öffnen. "Dass eine Begrenzung nach Ladengröße erfolgt, diese Logik können wir nicht ganz nachvollziehen", sagte Mitinhaber Karl-Heinrich Ertl in einer Telefonkonferenz des Wirtschaftsclubs Bamberg am Donnerstag. Gerade auf größerer Fläche könne man die Abstandsregeln und Hygienevorschriften besser Handhaben als auf kleineren Flächen. "Ich fürchte, dass wir noch länger unter der Schließung zu leiden haben."

Wilfried Kämper, Vorsitzender des Wirtschaftsclubs betonte, dass es auch bei den Soforthilfen Verbesserungen geben müsse: Es komme derzeit zu langsam und zu wenig Geld an, so die Rückmeldung aus den Reihen der Mitglieder.

Soforthilfe hat auch Sarah Lehnert für den gleichnamigen Friseursalon am Heumarkt gestellt, dass es nun aber ab Anfang Mai wieder losgehen kann, freut sie. Allerdings muss sie sich wie andere Geschäftsinhaber auch um den Schutz der Kunden und Mitarbeiterinnen kümmern: So soll der Wartebereich abgeschafft und auf zwei Schichten mit je zwei Mitarbeiterinnen und einem Kunden pro Mitarbeiterin umgestellt werden. Termine gibt es nur noch nach Voranmeldung. Sollte ein Kunde zu früh dran sein, muss dieser vor dem Eingang warten. Lehnert überlegt, in der Anfangsphase die Öffnungszeiten zu verlängern, um allen Kunden gerecht zu werden. Außerdem werden weiterhin Hygienespender und Einweghandtücher zur Verfügung stehen und die Sitzplätze nach jedem Kunden desinfiziert. So soll man wieder unbesorgt zum Friseur gehen können.

Dass er erst ab 27. April öffnen kann, sieht Thomas Zölch-Buba von der Buchhandlung Colibri nicht als Problem: Es verschaffe Zeit, um die Abläufe neu zu strukturieren. Einerseits müssen Auslagen umgeräumt werden, um mehr Platz zu schaffen. Plexiglasscheiben an der Theke sollen kommen. Mitarbeiter erhalten Mundschutz. Der Lieferservice funktioniere außerdem sehr gut: "Über mangelnde Arbeit können wir nicht klagen." Er hat zwar Kurzarbeit beantragt, wird sie aber nicht in Anspruch nehmen müssen.

Das sagen Dienstleister, Gastronomen und Einzelhändler in Bamberg:

Michaela Hohlstein, Physiotherapeutin:

Ihre Praxis war wochenlang nur für Notfälle geöffnet, ab 27. April kann die Bamberger Physiotherapeutin Michaela Hohlstein wohl wieder regulär Kunden empfangen. "Ich gehe aber davon aus, dass die Leute erstmal zurückhaltend reagieren", bleibt sie skeptisch. "Wir sind auf Verschreibungen angewiesen, und viele scheuen sich wohl noch, zum Arzt zu gehen." Die für Unternehmer nötige Planungssicherheit gebe es also weiterhin nicht. "Doch ich bin zuversichtlich, die Krise zu überstehen." Dafür sei aber ein Miteinander von Inhabern, Kunden und Kreditgebern wichtig, sagt sie

Ambros Mahr, Ambräusianum:

Im Ambräusianum wird derzeit mit Rücklagen und Kurzarbeit gearbeitet. "Meine Mitarbeiter sind mir in guten Zeiten treu geblieben und sind es auch jetzt", sagt Ambros Mahr. Er hat studentische Arbeitskräfte an Gärtnereien und Einzelhändler vermitteln können. Die Studierenden seien bereit, nach der Krise wieder im Wirtshaus zu arbeiten. Mit einer Lockerung rechnet er nicht vor Juni. Mahr fürchtet auch, dass es noch viel länger dauern wird, bis sich Gäste wieder wie vor der Krise unter Menschen trauen werden. "Die momentane Situation macht wirklich keinen Spaß."

Michael Minnich, Schuhhändler:

Michael Minnich, Inhaber zweier Schuhhäuser in Zeil und Bamberg, ist vorbereitet. "Wir haben Mundschutz, Desinfektionsmittel für die Hände, Kassenschutz- und Abstandsschilder." Dass es langsam losgehe, sei "dringend notwendig." Überhaupt "wenn die Mitbewerber im Internet zu 20 Prozent reduzieren". Jeden Tag ein paar Schuhe ausliefern, das bringe keinen Umsatz. Bezahlt werden müssen schließlich Personal, Wareneinkauf und Miete. Wobei Minnich froh ist, in seinem Bamberger Vermieter Limberg einen verständigen Partner zu haben, der die Miete bislang stundete.

Sarah Lenhart, Friseurin:

Dank Onlineshop konnten wir die erste Zeit überbrücken", sagt Sarah Lenhart vom gleichnamigen Friseursalon am Heumarkt. Stylingprodukte und Shampoo sind dabei über die virtuelle Ladentheke gewandert. Zwar fiel das für gewöhnlich starke Ostergeschäft flach, aber die Kunden haben sich noch vor der Schließung mit entsprechenden Produkten eingedeckt. Die vorübergehende Schließung sei somit machbar gewesen. Lenhart findet die neuen Regeln für Anfang Mai gut. Wie sie Mitarbeiter und Kunden schützen will, lesen Sie im Text oben.

Ursula Bieber, Werkladen-Betreiberin:

Der Werkladen in der Geyerswörthstraße hat die Kunden in der Krise mit einem Lieferservice versorgt. So konnte die Miete gedeckt werden. Ursula Bieber hat eine Homepage aufgebaut, Unterstützung und Kurzarbeit für Mitarbeiter beantragt. "Wir bekamen viel Solidarität von Kunden, die bei uns anriefen und Mut machten." Freunde und Verwandte boten an, finanziell zu helfen. Ab 27. April öffnet der Laden wieder, mit Mund-Nasen-Schutz für Mitarbeiter und Kunden. Es dürfen nur zwei Kunden gleichzeitig in den Laden. Auch der Lieferservice geht weiter.