"Sankt Martin fällt nicht aus - wir machen viele Laternen an!" Diese Botschaft erreicht Bamberg im Corona-Lockdown, der die großen Martinsumzüge im Stadtbereich verhindert. "Ein Zeichen der Verbundenheit setzen, das geht immer! Wir dürfen nicht mit Laternen laufen, können aber Licht schenken!", sagt Anja Münzel, die das Caritas-Stadtviertelbüro Babenberger Viertel/Südwest leitet.

Die Sozialpädagogin ist Initiatorin einer Aktion, die zunächst für dieses Stadtviertel gedacht war. Doch ihre Idee könnte ganz Bamberg erfassen: Am Mittwoch, 11. November, um 17 Uhr sind alle, ob klein oder groß, im Babenberger Viertel/Südwest eingeladen, Martinslaternen oder Windlichter ins Fenster, auf den Balkon oder in den Garten zu stellen, und so viele Lichter leuchten zu lassen: "Ich hänge meine Laterne in meinem Fenster auf und teile mein Licht mit meiner Nachbarschaft und allen, die daran vorbeilaufen."

Matthias Bambynek, Leitender Pfarrer des Seelsorgebereiches Bamberger Westen, bezeichnet diese Initiative als "eine gute Idee für alle, die diese Zeilen lesen, ganz gleich, wo sie wohnen!" Und rät lachend dazu, darauf zu achten, dass bei dieser Lichteraktion "an den Fenstern nicht die Vorhänge abbrennen".

Für Matthias Bambynek, auch Pfarrer der Innenstadtgemeinde St. Martin, ist ihr Namenspatron immer wieder ein willkommener Anstoß zur Reflextion: "Die Martinslegende ist eine Geschichte der besonderen Achtsamkeit, Martin schaut hin, hält sein Pferd an, steigt als römischer Offizier vom hohen Ross und teilt seinen Mantel mit einem Bettler." Martin tue, "was angesagt ist". Er bringe "Licht gegen die Finsternis und Erbärmlichkeit", so der Pfarrer. Und könne so Vorbild sein gerade in diesen Corona-Zeiten: "Teilen wir Mitgefühl, Verständnis, Bedauern, Achtsamkeit, Empfindsamkeit für den Nächsten!"

Diese Gedanken wird Pfarrer Bambynek auch in seiner Predigt am Sonntag, 8. November, entfalten: Anlässlich des Patronatsfestes feiert er um 11 Uhr in der St.-Martins-Kirche den Gottesdienst. Der sonst übliche Stehempfang an diesem Fest muss heuer allerdings coronabedingt ausfallen.

Ein besonderer Tag

Dennoch bleibt der Gedenktag des heiligen Martin für die "St. Martiner" ein besonderer, auf den sich gerade die jüngsten Gemeindemitglieder freuen können. In der Kindertagesstätte St. Martin mit ihren drei Standorten Kleberstraße, Mußstraße, Don-Bosco-Straße wird seit Wochen gebastelt, erzählt, werden Liedtexte gelernt - nur gesprochen, nicht gesungen - und vieles mehr, um den Sankt-Martinstag so richtig vorzubereiten.

Die 50 Kinder in der Kita an der Kleberstraße haben zum Beispiel aus Bastelkarton und -papier Häuschen mit bunten Fenstern produziert. Eine Kerze hinter der Fassade lässt dieses Häuschen leuchten: "Vom 11. bis 13. November sollen sie in die Fenster der Wohnungen unserer Martins-Kinder gestellt werden", erzählt Maria Lankil, stellvertretende Leiterin dieser Kita. Und damit auch die kleinen Schützlinge wissen, warum es so leuchten soll, haben sie die Martinslegende mit Holzfiguren nachgespielt und sich in Kleingruppen mit dem Thema "teilen" beschäftigt.

"Ich habe allergrößten Respekt vor dem, was in den Kitas zur Gestaltung des Martinsfestes geschieht", lobt Pfarrer Bambynek die Kreativität der Erzieherinnen, aber auch die Unterstützung durch die Eltern der Kinder. So hofft er, dass rund um den 11. November "viel Licht in die Welt und nach Bamberg kommt".