Brauereigaststätten sind für Franken nicht nur Orte, wo saftige Braten und süffiges Bier genossen werden. Die etwa 80 Brauereigastsätten in Stadt und Landkreis Bamberg sind "ein essenzieller Bestandteil des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens", wie Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) betont. "Die bringen die Garnituren zum Kindergartenfest, die Vereine nutzen sie als Treffpunkt. Dazu wird halt Bier verkauft", beschreibt Georg Rittmayer. Deshalb ist der Hallerndorfer Brauer und Präsident des Verbandes der privaten Brauereien in Bayern auch "stinksauer, dass die Politik uns am langem Arm verhungern lässt. Das ist eine Riesensauerei!"

Denn weil die Brauereigaststätten im Außerhaus-Verkauf Nebeneinnahmen generieren, blieben sie trotz geschlossener Wirtshäuser bei den Überbrückungshilfen des Bundes für diesen Winter oft außen vor (wir berichteten). Der Verband regte seine Mitglieder an, ihren Bundes- und Landtagsabgeordneten zu schreiben. Einige Politiker verschiedener Couleur aus der Region, darunter die Bundestagsabgeordneten Lisa Badum (Grüne), Andreas Schwarz (SPD) und Thomas Silberhorn (CSU), setzten sich daraufhin beim Finanzministerium in Berlin dafür ein, die besondere Situation der fränkischen Brauereigaststätten bei den Corona-Hilfen zu berücksichtigen. OB Andreas Starke bedankte sich jüngst für deren Engagement.

Finanzministerium lenkt ein

Denn nun scheint ein Erfolg errungen - zumindest lassen dies Pressemitteilungen von Badum und Schwarz vermuten. Badum habe vom Finanzministerium die Nachricht erhalten, dass Braugaststätten, die keine sogenannte Überbrückungshilfe II erhalten, diese bei "erheblichen Umsatzausfällen" nun trotzdem beantragen und rückwirkend bis September gültig machen könnten. "Sollten die Einbußen im November und Dezember mindestens 40 Prozent gegenüber den Vorjahresmonaten betragen, ist im Rahmen der ab Januar geltenden Überbrückungshilfe III auch eine rückwirkende Bezuschussung der förderfähigen Kosten für diese Monate, in Höhe von bis zu 200 000 Euro pro Monat möglich."

Aus der Mitteilung von Schwarz geht zudem hervor, dass Betriebe nur außerordentliche Hilfen beantragen können, wenn die Umsätze aus dem Gaststätten-Betrieb und dem Verkauf etwa an Restaurants und Kneipen 80 Prozent des Gesamtumsatzes übersteigen. Mit anderen Worten darf der Verkauf an den Einzelhandel nicht mehr als 20 Prozent betragen.

Eine frohe Botschaft zum Jahreswechsel? Rittmayer bleibt skeptisch: "Kaum wird darüber in den Medien berichtet, erwachen ein paar Politiker aus dem Winterschlaf und schreiben Briefe. Aber da wird gar nichts kommen aus Berlin", zeigt sich der Verbandspräsident pessimistisch. Gerade in der Region Oberfranken mit der größten Brauereidichte weltweit seien viele Betriebe dabei, "die liegen bei 77 oder 78 Prozent", also knapp unter der Grenze. "Aber bei denen geht's ums Überleben! Ich verstehe das nicht, das ist unsere Kultur, die die Politik vor die Hunde gehen lässt!" Der Verband sammle derzeit Daten und hoffe auf eine bayerische Lösung.

Auch Josef Lindner, Leiter der Brauereigaststätte Drei Kronen in Scheßlitz, hat sich an die lokalen Polit-Größen gewandt. Er ist ebenfalls skeptisch. Welchen Anteil der Außerhaus-Verkauf an seinem Geschäft hat, könne er derzeit nicht sagen. "Aber das bissl Bier, dass die Leute abholen, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Für November und Dezember brauchen wir nicht von Einnahmen reden."

Die neuen Anträge seien bürokratisch extrem aufwendig, was er nicht verstehen könne. Bei den ersten Hilfen im Frühjahr sei das noch ganz anders gewesen. "Da habe ich bei der Regierung in Bayreuth angerufen und bin in ein paar Minuten mit der Frau am Telefon das Online-Formular durchgegangen", erzählt er. "Einen Tag später war das Geld auf dem Konto." Nun habe Lindner gehört, dass selbst Steuerberater drei bis vier Stunden für die Formalitäten bräuchten - "und das muss auch erstmal bezahlt werden". Entsprechend wolle er diesmal nur einen Antrag stellen, wenn er sicher ist, dass er auch durchgeht.

Ziel: Personal möglichst halten

Lindner schätzt, dass in Berlin nicht verstanden werde, dass es in Bayern eine ganz andere Brauerei-Struktur gibt. "So eine norddeutsche Großbrauerei schleppt das Gasthaus halt mit durch. Aber wir leben davon. Wir haben investiert, damit die Maßnahmen eingehalten werden können. Jetzt ist alles dicht, und wir stehen mit dem Rücken zur Wand."

Um sein Personal halten zu können, hat Lindner es in Kurzarbeit geschickt - "obwohl es im Dezember eigentlich absolut nichts zu arbeiten gab". Das Personal ist der wichtigste Faktor für einen anderen Brauereigaststätten-Inhaber, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Wie er es verstanden hat, gehören Personalausgaben nicht zu den "förderfähigen Kosten", die laut den Mitteilungen aus dem Finanzministerium erstattet werden können. Der Brauer habe bisher noch niemanden "in Kurzarbeit oder noch schlimmer in die Arbeitslosigkeit" geschickt. Denn er wolle sein Personal unbedingt halten, "so lange es irgendwie geht". Manche Mitarbeiter seien seit Jahrzehnten bei ihm. "Für die ist der Gasthof wie eine zweite Familie." Das merke man dem Personal ebenso wie der Gaststätte an. "Wer will freiwillig auf solche Leute verzichten?" So bleibt auch er pessimistisch, was Hilfen vom Bund angeht.

Auch Bundestagsabgeordneter Schwarz, der den Erfolg vermeldete, gibt zu Bedenken: "Die wirtschaftliche Situation unserer Brauereigaststätten bleibt weiterhin kritisch. Wir müssen die Entwicklungen der Branche deshalb im Blick behalten." Rittmayer vom Brauer-Verband schätzt indes: "Der richtige Hammer kommt noch - im März." Denn bis dahin sind Insolvenzen ausgesetzt.