Das Bamberger Literaturfestival ist zwar vorbei, aber die Autorenlesungen in der Domstadt und im Umkreis gehen natürlich weiter. So auch die traditionelle "Gefängnislesung", die am 11. Februar in der Justizvollzugsanstalt für Jugendliche in Ebrach stattfand.

Erstmalig 1999 von der Villa Concordia durchgeführt, erfreuen sich die Lesungen mit jährlich wechselnden Künstlern an regem Interesse in der Anstalt. Die ausgewählten Kunstschaffenden können, nachdem sie vom Freistaat Bayern mit dem Stipendium in der Villa Concordia ausgezeichnet werden, einer kostenlosen Lesung für die jugendlichen Straftäter zustimmen.

So machte sich dieses Jahr der Autor Christoph Poschenrieder in Begleitung der Lyrikerin und Direktorin der Villa Concordia Nora-Eugenie Gomringer auf den Weg nach Ebrach, um Ausschnitte aus seinem Werk "Das Sandkorn" vorzutragen.


Geschichten eines Kommissars

"Es ist eine wirklich gute Sache. Ich war zwar schon öfter für Lesungen zu Besuch in der JVA in Bamberg, aber in Ebrach ist es für mich heute das erste Mal", so der Autor.

Der gebürtige Amerikaner Christoph Poschenrieder stellte in der Villa Concordia seinen jüngsten Roman "Mauersegler" erstmalig vor und engagierte sich für das Tandemprojekt von "Bamberg liest". Doch an diesem Abend las er für 20 Minuten aus seinem bereits 2014 erschienenem "Sandkorn": "Im Mauersegler geht es um ein paar alte Männer, das interessiert die Jugendlichen eher weniger, denke ich", lacht der Schriftsteller. Im "Sandkorn" stattdessen gäbe es einige Stellen, die einen Kommissar bei seiner Arbeit beschreiben, das sei seiner Meinung doch interessanter und stoße vielleicht auf Assoziationen. Nora-Eugenie Gomringer fügt an: "Ich habe das Gefühl, man freut sich in Ebrach immer wieder über Abwechslung vom regelmäßigen Haftalltag."


Der Kontakt zur Außenwelt

Um die Lesung zu ermöglichen, steht die Direktorin der Villa Concordia im ständigen Kontakt mit Anstaltslehrer Jörg Hinney. Dieser engagiert sich vor allem für die Bibliothek der Anstalt, in der Häftlinge die Möglichkeit haben, sich Bücher auf Empfehlung auszuleihen und in der auch die alljährlichen Autorenlesungen stattfinden. Er freut sich jedes Jahr auf die Lesungen: "Wir möchten hier so viele kulturelle Angebote wie möglich bereitstellen.

Leider hält sich das Interesse nach wie vor in Grenzen, da viele der Häftlinge bisher noch gar nicht wirklich mit dieser Art von Kultur in Berührung kamen." Dies bedauere er zwar, allerdings seien die Leute, die von sich aus kämen, wirklich interessiert. "Ich würde beinahe sagen, der Austausch mit den Autoren, der immer nach den Lesungen stattfindet, ist wichtiger als der Vortrag an sich. Der Kontakt zur Außenwelt ist nunmal extrem gering", berichtet der Lehrer.

Während des Vortrags herrscht Schweigen im Raum, hin und wieder wird in den Reihen der Zuhörenden getuschelt. Im an die Lesung anschließenden Gespräch können die Jugendlichen dem anwesenden Künstler, in diesem Fall Christoph Poschenrieder, verschiedene Fragen zum Handwerk stellen. So kommen unter vielen anderen Fragen auf: "Wie viel verdient man als Autor?", "Wie kommen Sie auf die Handlungen ihrer Bücher?", "Kann ein Autor das Cover für sein Buch selbst bestimmen?" Besonders oft wurde allerdings nachgefragt, ob "Das Sandkorn" in Zukunft auch in der Bibliothek der Anstalt zum Ausleihen bereit stehen würde. Bei der Lesung war der Leiter der JVA Ebrach anwesend, auch konnten andere Bedienstete aus dem Haus den Vortrag besuchen.


Möglichkeit zur Entfaltung

Um den Jugendlichen Kultur auf mehreren Wegen näher zu bringen, wird es den Häftlingen auf verschiedene Art und Weise ermöglicht, sich künstlerisch in Ebrach zu entfalten. Rap-Workshops oder eine Schreibwerkstatt bieten Möglichkeiten, Gefühle und Gedanken zu verarbeiten und mit dem Aufenthalt in Ebrach zurecht zu kommen. So gab es unter den Insassen schon mehrere Preisträger, ein Buch wurde vor ein paar Jahren sogar veröffentlicht, in dem ein Gefangener seine Zeit in Ebrach beschreibt.