Die Bestandsaufnahme ist gemacht, der Bedarf ermittelt, das Konzept erstellt und ein Maßnahmenkatalog erarbeitet. Von nun an geht es um die konkrete Umsetzung der künftigen Politik für ältere Menschen im Landkreis Bamberg. Oder, wie Uta von Plettenberg, Leiterin des Fachbereichs Soziales, Familie, Jugend, Gesundheit im Landratsamt, es formulierte: "Der Weg ist das Ziel."

Nach gut zweijähriger Vorarbeit und auf einstimmige Empfehlung des Kreisausschusses hat der Kreistag am Montag - bei einer Gegenstimme - sein seniorenpolitisches Gesamtkonzept gebilligt. Alle Landkreise und kreisfreien Städte sind nach Artikel 69 des Gesetzes zur Ausführung der Sozialgesetze (AGSG) verpflichtet, ein solches Konzept zu erstellen. Soweit die Grundlage. Herausgekommen ist dabei allerdings alles andere als ein Bürokratiemonster. Darüber waren sich Redner aller Fraktionen im Kreistag einig. Sie sehen in dem Gesamtkonzept vielmehr eine wertvolle Hilfestellung und praktische Handlungsanleitung für ihre zukünftigen Entscheidungen.

"Jetzt geht es um die Verstetigung", sagte etwa Jonas Merzbacher (SPD) - und nannte als Beispiel gleich zwei "sofort umsetzbare" Punkte aus dem 109-Punkte umfassenden Maßnahmenkatalog, den vom Hirschaider Bürgermeister Klaus Homann (CSU) moderierte Expertenrunden im vergangenen Jahr erstellt haben. Zum ersten gelte es, so Merzbacher, eine dringend benötigte Pflegeplatzbörse. Das zweite sei eine Beratungsstelle für den ebenso dringenden seniorengerechten Umbau und Neubau von Wohnungen und Häuser. Merzbacher brachte dafür eine Personalie ins Spiel, zu der die Freien Wähler (FW-ÜWG) einen entsprechenden Antrag gestellt hatten: Die Kreisbaumeister-Stelle, seit dem Ausscheiden von Gabriele Pfeff-Schmidt vakant, sei die ideale Lösung.

Bruno Kellner (FW-ÜWG) zeigte sich zwar etwas überrascht, dass die Kreisbaumeister-Thematik hier mit der Seniorenpolitik verknüpft wurde, stand dem aber positiv gegenüber - ebenso wie dem Gesamtkonzept an sich. Keller monierte nur zum wiederholten Mal, dass das mit der für das Konzept grundlegenden Bevölkerungsprojektion beauftragte Modus-Institut als Zahlenbasis das Jahr 2013 hergenommen habe und nicht zwischenzeitlich aktualisierte Daten der Gemeinden.


Umsetzung kostet extra

Vollumfänglich begrüßt wurde das Konzept vom Wolfgang Möhrlein (CSU), der von einer "pragmatischen Entscheidungshilfe" sprach. Sigrid Reinfelder (BBL) nannte es gar ein "visionäres Konzept", das es nun mit Leben zu erfüllen gelte. Barbara Müllich (Grüne/AL), wie Reinfelder selbst Mitglied der Expertenrunden, äußerte sich "überzeugt, dass wir mit diesem Konzept die Aufgaben meistern".

Gekostet hat die Erstellung des seniorenpolitischen Gesamtkonzepts den Landkreis bislang rund 80 000 Euro. Das große Engagement der vielen Ehrenamtlichen, der Mitarbeiter im Landratsamt - wie etwa der Generationenbeauftragten Sina Wicht - und das Engagement von Gemeindeseite sind da nicht mit eingerechnet. Und wenn die Umsetzung einzelner der notwendigen Maßnahmen Geld kostet wird, was in den meisten Fällen zutreffen wird, müssen erneut die jeweiligen Kreisgremien.

Zwölf vordringliche Aufgaben - acht davon mit Kosten verbunden, vier weiterer nicht - nannte Klaus Homann gleich als Beispiel. Da sind etwa die Beibehaltung des Investitionskostenzuschusses für ambulante Dienste und die Förderung der offenen Seniorenarbeit, deren Fortsetzung der Kreisausschuss bereits beschlossen hat. Weiter soll die Pflegebedarfsplanung regelmäßig aktualisiert und eine Online-Pflegeplatzbörse eingerichtet werden. Als äußerst dringend wurde in den Expertenrunden die Einrichtung einer Pflegeberatungsstelle zur Unterstützung pflegender Angehöriger erachtet, ebenso wie eine Wohnungsanpassungsberatung. Letztere erscheint angesichts des Modus ermittelten großen Defizits an seniorengerechtem Wohnraum ebenfalls vordringlich.