Des einen Freud ist des anderen Leid: "Für die Bauern auf dem Land ist der Regen gut, für die Städter schlecht", fasst Kathrin Heil in einem Telefongespräch die derzeitige Situation in Bambergs senegalesischem Partnerbistum Thiès zusammen. Die gebürtige Kirchaicherin, die seit einiger Zeit als Fachkraft für die Partnerschaft in Thiès lebt, berichtet in dieser sintflutartig eingetretenen Regenzeit in dem westafrikanischen Land aber nicht nur von überlasteter Kanalisation, überschwemmten Stadtvierteln oder in Schlammmassen versunkenen Autos: "Die Leute sind jetzt in Zwangsquarantäne und müssen naturgegeben zu Hause bleiben", sagt Kathrin Heil. Zu Hause, das bedeute dicht an dicht ohne Abstand, wie es die Corona-Hygieneregeln eigentlich vorsehen. Das bedeutet Verschärfung der wirtschaftlich katastrophalen Lage: "Die meisten haben kein Einkommen mehr, weil es wegen Beschränkungen keine Arbeitsplätze mehr gibt." Ohne Verdienst fehlt das Geld für Nahrungsmittel. Für Medikamente. Für so vieles, was der Mensch zum Überleben braucht. Und die Zahl der mit Covid-19 Infizierten "steigt kontinuierlich", beklagt Heil.

Ruf nach Solidarität

Nach Informationen der Johns Hopkins University gibt es im Senegal 13 948 Infizierte, 290 an Corona Verstorbene (Stand: 6. September 2020). Berühren diese Leidtragenden und Opfer auch hierzulande? Bestehen die Menschen in Deutschland die globale Krise und bewältigen diese?

"Die Grundantwort ist die Nächstenliebe, die Solidarität, die Jesus Christus uns aufträgt, und die sich immer auf die ganze Welt und alle Menschen beziehen", erklärte Erzbischof Ludwig Schick in seiner Predigt im Dom. Er feierte einen gestalterisch schlichten Gottesdienst an diesem gestrigen "Weltkirchlichen Sonntag des Gebets und der Solidarität", zu dem die Deutsche Bischofskonferenz gemeinsam mit den katholischen Hilfswerken und Ordensgemeinschaften aufgerufen hatten. Gerade die Kirche dürfe das Leiden in Lateinamerika, Afrika, Asien und Osteuropa nicht ignorieren, hieß es in dem Aufruf der Bischöfe zur "Corona-Kollekte" und zum Gebet für die Betroffenen.

Als "Außenminister" der Bischofskonferenz ist Erzbischof Schick in regem Kontakt mit Priestern und Laien in aller Welt. Die Nachrichten, die sie ihm in diesen Corona-Zeiten übermitteln, sind alarmierend: "Der Hunger nimmt weltweit zu, die Versorgung mit Medikamenten ab. Die Krankheiten wie Typhus, Malaria, Aids vermehren sich wieder, und die Krankenversorgung wird weniger", beleuchtete Schick die Lage in den ärmeren Ländern.

Der Prediger bat um ein "Wahrnehmen im Beten und Teilen durch Spenden": "Die weltweite Solidarität und Nächstenliebe ist auch Selbstliebe. Enge, Egoismus und Nationalismen sind Selbstmord und verlängern und verstärken diese Krise", resümierte der Erzbischof.

Er räumte ein, dass die Corona-Pandemie auch das Leben in Deutschland beeinträchtige, jedoch nicht so gravierend wie in den Ländern des globalen Südens. Schick bat mit dem erneuten Hinweis auf Nächstenliebe: "Passt aufeinander auf, auf Euch und Eure Nächsten. Hütet Euch vor Infektionen, unterbrecht die Infektionsketten. Haltet den Abstand und tragt Mundschutz, wo es nötig ist."

Eine Haltungsfrage

Solidarität heiße jedoch auch, familiäre, nachbarschaftliche, soziale Kontakte zu pflegen: "Niemand darf vereinsamen und allein gelassen werden!", betonte Erzbischof Schick. Er plädierte ebenso für Solidarität mit dem wirtschaftlichen und kulturellen Leben, mit Kindern in den Kindergärten und Schulen, mit den alten und kranken Mitmenschen.

Solidarisches Tun für die Nächsten und Fernsten ist eine Haltungsfrage. Und eine Reaktion auf Jesu Wille: "dass wir alle das Leben haben und es in Fülle haben, heute und in Zukunft", so Erzbischof Schick.