Wenn es so etwas wie grimmigen Humor gibt, dann haben die Bamberger Krippenbauer diesen allemal. Zum Beispiel Michael Lotter und Martin Schröder, die in den Abendstunden in der St.-Martins-Kirche werkeln. Die beiden Männer bereiten die letzte Bühnenkrippe Bambergs für die Advents- und Weihnachtszeit vor: Moos auslegen, den Boden mit Sand bestreuen, die fast 200 Jahre alten Figuren aus dem Depot holen - und diese im Corona-Modus auch aufstellen. Nämlich in einer "abgespeckten Version im bescheidenen Rahmen, damit wir überhaupt eine Krippe in diesem Jahr haben". Üblicherweise verläuft die biblische St.-Martins-Szenerie über drei Ebenen mit Seitenwänden und Himmel. 2020 ist alles anders.

"Erzengel Gabriel und Maria halten nicht den Mindestabstand", frotzelt Michael Lotter, als er zunächst die Szene "Verkündigung" stellt. "Aber sie bekommen eine Maske!", entgegnet Martin Schröder und beginnt, winzige Stoffteilchen um die hölzernen Köpfe zu drapieren. Es geht weiter! Denn Marias Bräutigam Josef bekommt ungebetenen Besuch von Soldaten sprich Polizisten, die die Kontaktbeschränkung auf Angehörige zweier Haushalte kontrollieren.

Dabei sind Polizeibeamte durchaus auch wahre Freunde und Helfer, wie sich in der Pfarrkirche Unsere Liebe Frau (Obere Pfarre) zeigt. Hauptkommissar Berengar Pawlik hat aus dem Aus- und Fortbildungszentrum der Bundespolizei acht Kollegen mitgebracht, die beim Aufbau der größten und ältesten Kirchenkrippe in Bamberg helfen. Das heißt: Die Männer schleppen das schwere Untergerüst, verschrauben das Gestänge, wuchten die Gebäude auf den Bretterboden. "Das macht Freude, ist ein schönes soziale Engagement", sagt der Hauptkommissar zu diesem ungewöhnlichen Einsatz.

Ungewohnter Anblick

Ungewohnt wird auch der Anblick dieser Krippe mit ihren etwa 300 Jahre alten Figuren: Diese bekommen Mund-Nasen-Bedeckungen verpasst. Selbst eine Covid-19-Teststation fehlt nicht als aktuelle Zeitansage, für die diese zauberhafte Krippe sonst weit über Bambergs Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. Doch in diesem Jahr gibt es die Krippe in erster Linie "für unsere Gläubigen, es werden wegen Corona deutlich weniger Touristen in Bamberg sein", erklärt Pfarrer Matthias Bambynek, Hausherr der Oberen Pfarre.

Tatsächlich fällt der traditionelle "Bamberger Krippenweg" jetzt reduzierter aus. Allein schon die sonst übliche offizielle Eröffnung des Krippenweges, die eigentlich am gestrigen Freitagabend in der St. Stephanskirche hätte stattfinden sollen, musste ausfallen.

Etliche beliebte und in all den Jahren gut besuchte Stationen fehlen in diesem Advent auf dem Weg. So verzichtet der Verein "Bamberger Krippenfreunde" auf seine Ausstellung in der Maternkapelle und beschränkt sich auf die Großkrippe am Maxplatz.

Das Historische Museum ,das Diözesanmuseum und das Missionsmuseum in Bug müssen geschlossen bleiben; folglich gibt es auch keine besonderen Krippenausstellungen darin.

Die Großkrippen am Dohlushaus (Frauenplatz) und an der Kunigundenschule fehlen. Auch in der Institutskirche am Holzmarkt wird heuer keine Krippe aufgestellt. Die anderen katholischen wie evangelischen Kirchen Bambergs bleiben ihrer Krippentradition treu, wenn auch teilweise im verkleinerten Umfang der Aufbauten. Für die Besucher jedweder Krippenstation gilt jedoch: Halten Sie Abstand von 1,5 Meter! Tragen Sie eine Alltagsmaske! Halten Sie sich an die Einbahnwegweisungen! Beachten Sie die Hygieneregeln!