Es sind widersprüchliche Signale, die im Bausenat an einem verregneten Oktobertag ausgesendet werden. Vor dem Sitzungssaal reckt Roland Nowak, Anwohner in der Gaustadter Jungkreutstraße, ein Plakat "gegen den Flächenfraß im Jungkreut" in die Höhe. Er ist sich sicher: Käme es zu 230 Wohneinheiten "auf naturbelassenen Feldern", wird das eine neue Verkehrslawine in dem Stadtteil auslösen und die Emissionen in die Höhe treiben.   "Wir sind für den Erhalt einer Landschaft, die einen erheblichen Erholungswert darstellt."

Drinnen übergibt Daniela Reinfelder, Stadträtin der BuB und Bürgervereinsvorsitzende, derweil eine Liste mit 225 Unterschriften an OB Andreas Starke (SPD). Sie sieht vor allem die Chancen, die mit Bambergs größtem neuen Baugebiet verbunden wären. "Das sind die Namen von 225 Familien, die im Jungkreut bauen wollen. Der Bedarf ist enorm: Jede Woche stehen drei Familien im Immobilienmanagement auf der Matte, die nach einem Grundstück fragen. "

Eine Stunde später gibt es schlechte Nachrichten für die vielen Bauwilligen in Bamberg. Die Hürden, die sich vor dem 2018 aus der Taufe gehoben Rahmenplan auftürmen, sind an diesem Tag noch einmal gewachsen. Das hat vor allem mit einem Gutachten zu tun, das die Stadtwerke in Auftrag gegeben haben. Warum raten die Stadtwerke vom Baugebiet ab?

Der städtische Trinkwasserversorger entnimmt aus dem mitten in einem Wohngebiet gelegenen Gaustadter Brunnen II derzeit 38 000 Kubikmeter Wasser im Jahr. 96 000 Kubikmeter könnten es dank Wasserrecht maximal sein. Das sind zwar nur zwei Prozent des Bamberger Wasserbedarfs. Dennoch senkt diese Menge die Kosten der Bamberger Wasserversorgung um einige Cent pro Kubikmeter. Die Qualität des Wassers, das aus den Schichten des Burgsandsteins kommt, ist hervorragend und muss technisch nicht mehr aufbereitet werden. Gibt es wirklich keinen Ersatz für den Brunnen?

Michael Fiedeldey, Geschäftsführer der Stadtwerke, stützt sich auf ein hydrogeologisches Gutachten, wenn er sich gegen das Baugebiet und für ein neues, deutlich größeres Wasserschutzgebiet ausspricht. So soll die Ertüchtigung zweier Brunnen im Michelsberger Wald 1,5 Millionen Euro kosten. Aus seiner Sicht keine Alternative. Auch die zurückliegenden Trockensommer spielen eine Rolle: "Die Pegelstände können sich im Winter nicht mehr erholen. Das Grundwasser wird weniger." Was sagt die größte Fraktion zu Jungkreut?

Die neuen Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat lassen die Wahrscheinlichkeit schrumpfen, dass es tatsächlich dazu kommt und Gaustadt Richtung Michelsberger Wald wachsen wird. Christian Hader von Grünes Bamberg-ÖDP-Volt spricht sich auch mit Blick auf den Verkehrsentwicklungsplan und die gewollte Reduktion der Autofahrten für eine "ressourcenschonende Nutzung der Flächen" in Bamberg aus. Im Klartext heißt das: "Ein Baugebiet an dieser Stelle in dieser Dimension ist nicht sinnvoll." Welche Argumente haben die Befürworter?

Nicht nur Bambergs unabhängige Bürger, auch die SPD-Fraktion will im Unterschied zu Oberbürgermeister Andreas Starke die Baupläne für das Jungkreut nicht so schnell aufgeben. Sie verweisen auf den bestehenden hohen Bedarf und die Anstrengungen, die die Stadt bereits unternommen habe. Laut Daniela Reinfelder (BuB) hat die Stadt viel Geld in den Rahmenplan investiert und Grundstücke gekauft. "Wieso kostet die Sanierung benachbarter Brunnen eineinhalb Millionen, während der hier vorhandene Brunnen für deutlich weniger saniert werden konnte?", fragt Reinfelder. Hört man Heinz Kuntke (SPD), sind die betriebswirtschaftlichen Argumente der Stadtwerke nicht die einzigen Gesichtspunkte, die entscheiden. SPD und BuB wollen zumindest prüfen, ob Wasser und Baugebiet unter einen Hut zu bekommen sind. Etwa durch eine Verkleinerung. Welche Folgen hat ein neues Wasserschutzgebiet für die Nachbarn? Wird das neue Schutzgebiet in der geplanten Größe ausgewiesen, hat sich laut Stadtwerken nicht nur das neue Baugebiet erledigt. Auch eine große Zahl von Anwohnern muss mit ungewohnten Einschränkungen leben. So liegen künftig deutlich mehr Immobilien in der vergrößerten Schutzzone 2. Ihre Besitzer dürften künftig keine baulichen Anlagen errichten oder erweitern und keine chemischen Pflanzenschutzmittel mehr anwenden. Mit Auflagen muss auch die Vielzahl von Grundstückseigentümern rechnen, deren Immobilien in der ebenfalls stark vergrößerten Schutzzone 3 liegen. "Das wird einige noch sehr verwundern", prophezeit SPD-Stadtrat Heinz Kuntke. Wie geht es jetzt weiter?

Bambergs OB Andreas Starke (SPD) macht keinen Hehl aus seiner Meinung. Für ihn genießt die Trinkwasserversorgung "absolute Priorität". Dennoch will das Stadtoberhaupt der Entscheidung im Stadtrat nicht vorgreifen. Um eine Grundlage zu schaffen, soll es am 29. Oktober eine Bürgerinformationsveranstaltung vor Ort geben.