Das endgültige Wahlergebnis lag erst am späten Sonntagabend vor, weil in Frensdorf noch ein letzter Briefwahlbezirk ausgezählt werden musste. Doch zu diesem Zeitpunkt lag der Amtsinhaber Johann Kalb (CSU) bereits uneinholbar vorne, am Ende kam er auf 58,63 Prozent der Wählerstimmen.

Einmalige Situation

Entsprechend konnte sich der 60-Jährige auch über eine von Mitarbeitern gebackene Schoko-Nuss-Torte freuen. "Wahlparty wird es aus verständlichen Gründen aber keine geben", erklärte er am Telefon. Und das Ergebnis der Stichwahl, entspricht das seinen Erwartungen? "Ich habe überhaupt nicht gewusst, was dabei rauskommt, wenn jeder Wahlberechtigte Briefwahlunterlagen bekommt. So eine Situation hatten wir ja noch nie", sagte Kalb, der nun für weitere sechs Jahre Bamberger Landrat bleibt. Bei knapp 69 Prozent Wahlbeteiligung lag er in den meisten Wahllokalen vorn und riss in Buttenheim, Wattendorf, Königsfeld und Schlüsselfeld sogar die 70-Prozent-Hürde. SPD-Herausforderer Andreas Schwarz konnte zwar gegenüber dem ersten Wahlgang (22,9 Prozent) noch einmal deutlich zulegen, erzielte aber nur in Gundelsheim, Stegaurach, Walsdorf und Strullendorf Mehrheiten für sich.

Dennoch zeigte er sich über sein Ergebnis von vorläufig 41,37 Prozent "überhaupt nicht enttäuscht. Wann musste ein CSUler jemals in die Stichwahl, wann hat ein SPD-Bewerber so gut abgeschnitten?" Sein Dank galt nicht zuletzt den Wahlhelfern und Rathaus-Mitarbeitern, die in der gegenwärtigen Situation so eine Wahl überhaupt ermöglicht hätten.

Gleich wieder im Krisenstab

Dem neuen und alten Landrat wünschte Schwarz "Gesundheit und gute Ideen". Nach der Corona-Krise werde die Welt vielleicht eine andere sein, aber die wesentlichen Herausforderungen blieben. "Am Ende müssen wir jetzt alle zusammenlangen, ich nun wieder von Berlin aus im Haushaltsausschuss und er weiterhin im Landratsamt", sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete.

Da wird auch Johann Kalb nicht widersprechen. Heute früh werde er sich vielleicht noch ein Stückchen Torte gönnen, bevor ab 8 Uhr schon wieder das nächste Treffen des Corona-Krisenstabs vorbereitet wird. "Natürlich stehen wir gerade vor großen Herausforderungen. Aber ich bin ja kein Landrat geworden, weil ich davor Angst habe. Wir gehen das an", sagt Kalb und wünscht sich von seinen Landkreisbürgern, dass sie "gesund und vernünftig bleiben, es kommt auf jeden Einzelnen an".

KOMMENTAR von Stefan Fößel

Mehrheit für Kontinuität

Wer damit gerechnet hatte, dass sich Johann Kalb zumindest in der Stichwahl noch deutlicher würde absetzen können, wurde ein weiteres Mal überrascht.

58,63 Prozent reichen für den Wahlsieg, aber angesichts Kalbs Corona-Krisenmanagement der vergangenen Wochen hatten einige CSU-Anhänger sicher noch mehr erwartet.

Kalb übertrifft nur knapp das Ergebnis, das er 2014 im ersten Wahlgang gegen vier Mitbewerber hatte. Aber die Zeiten, in denen ein CSU-Bewerber noch 70-Plus-Ergebnisse im Landkreis erzielen konnte, sind ohnehin schon eine Weile vorbei.

41,37 Prozent sind für Andreas Schwarz ein achtbares Ergebnis und weit über dem, was seine SPD zuletzt bei vielen anderen Wahlen erreicht hat. Nichtsdestotrotz hat sich eine Mehrheit der Landkreis-Bürger für Johann Kalb entschieden, für Kontinuität in Zeiten der Pandemie und allem, was sie noch nach sich ziehen wird. Der Landkreis steht in mancherlei Hinsicht gut da, das haben viele Wähler honoriert. Sie setzen nun ihr Vertrauen in einen Amtsinhaber, der sich wohl auch in den folgenden Monaten im Krisenmanagement beweisen muss. Zu den aktuellen Herausforderungen für unsere Gesundheitssysteme werden weitere wirtschaftliche, ökologische und soziale hinzukommen. Insofern bleibt dem neuen und alten Landrat wenig Zeit, seinen Wahlsieg zu feiern. Die Arbeit geht gleich weiter, dessen ist er sich bewusst.