Es ist nie von Nachteil, die Namen seiner Feinde zu kennen. Also, wie heißt das Ding! "Scheiß"? Nie hätte eine Bezeichnung besser zum Objekt gepasst.

Der musik- und instrumentenkundige Kollege am Telefon bemüht sich um deutliche Aussprache. "Scheims. Tscheims. Mit M hinten drin. C-h-i-m-e-s geschrieben!""Das Metallstäbchen-an-Fäden-Klingelringeldingeling, dieses Geklimper, das Feenstaub und Wunscherfüllung oder weiß der Kuckuck was noch, symbolisieren soll" war gefragt.

Nun denn. Chimes. Korrekt: Wind Chimes. Ein an sich sympathisches Percussion-Instrument. Federleicht im Klang, geheimnisvoll. In der Adventszeit mutiert es zum Monster, das seine Klauen in jeden Gehörgang schlägt.


Werbung ohne Ton anschauen

Der Verchimesung seines Alltags in der Zeit von Ende November bis 26. Dezember aktiv etwas entgegenzusetzen hat nur derjenige, der im Radio ausschließlich Kultur- und Informationssender hört, beim Fernsehen in den Werbepausen den Ton stumm schaltet und alle Kaufhäuser und Supermärkte meidet, in denen konzerneigener Dudelfunk die Kundschaft in Konsumlaune bringen soll.

Jeder andere leidet spätestens zwei Wochen vor Weihnachten üble Ohrenqualen. Was bringt Radio-Programmgestalter dazu, Moderatoren jede auch nur entfernt mit dem Thema Weihnachten in Verbindung zu bringende Ansage mit metallischem Geklimper garnieren zu lassen?

Als ob es nicht reichte, dass die Musikauswahl fast nur noch aus verklingeltem und vergongtem Weihnachts-Pop besteht.

Was können die Chimes dafür, dass sie so nerven? Genauso wenig wie die Schlittenglöckchen. Die gibt es - als Musikinstrument - am Halbring oder am Stiel. Und als Grundzutat in fast jeder modernen Weihnachtsmelodie.
Fährt heutzutage noch jemand mit dem Pferdeschlitten durch den Schnee? Was also soll das Gebimmel! Einen Jetski oder ein Quad könnte man mal knattern lassen in "All I want for christmas" ...


Die "nervigen Fünf"

Die "nervige Fünf" komplett machen Röhrenglocken und Glockenspiel. Und die Orchesterpeitsche (man kennt sie unter anderem aus der "Petersburger Schlittenfahrt"). Sie sieht aus wie Dachlatten am Scharnier. Mit Griffen.

Um "Fahndungsfotos" von den Ohrenfeinden liefern zu können, haben wir den Musikverein Gundelsheim um Unterstützung gebeten. Josef Gentil, künstlerischer Leiter der Kreismusikschule, Kreisdirigent und Dirigent in Gundelsheim, hat sie für uns im Probenheim spielfertig hingestellt.

Alle recht manierlich, so ganz ohne den weihnachtlichen Kontext. Hören Sie selbst!