Chris Dippold ist mit seinen 28 Jahren schon ein alter Hase im Digitalgeschäft. Seit 2012 liegt sein Arbeitsschwerpunkt auf Facebook-Marketing. Er schaltet unter anderem Werbekampagnen für Online-Shops oder kleine und mittlere Unternehmen. "Viele Gründer und Agenturen in Bamberg haben sich in den letzten Jahren entwickelt, sind erwachsen geworden und tragen auch heute einen Teil zur digitalen Gründerszene in Bamberg bei", sagt der langjährige Vorsitzende des Vereins Bamberg Startups.

Mit großem Interesse verfolgt Dippold die Smart-City-Bemühungen der Stadt, die vom Bundesinnenministerium in den kommenden sieben Jahren mit 15,75 Millionen Euro gefördert werden. Das eröffnet aus Dippolds Sicht "eine super Möglichkeit, neue Wege zu gehen und ein Vorbild im Bereich der Digitalisierung zu werden". Über eine umfassende Bürgerbeteiligung ließen sich zahlreiche Ideen sammeln, und das Engagement der Universität "wird dafür sorgen, dass wir in den nächsten Jahren viele kluge und engagierte Menschen in der Weltkulturerbestadt willkommen heißen dürfen".

Noch bevor die Stadt ihr neues Leuchtturm-Projekt richtig anlaufen lässt, schneidet sie schon überraschend gut in einem bundesweiten Smart-City-Vergleich ab: Bamberg landet nach einer von der Unternehmensberatung Haselhorst Associates in Auftrag gegebenen Studie auf dem 23. von insgesamt 403 Plätzen und erzielt einen Digitalisierungsgrad von 27 Prozent. Und so landet zum Beispiel auch Berlin in der Gesamtwertung einen Rang hinter den Bambergern. Die lagen in den meisten Bereichen deutlich über dem Bundesdurchschnitt und gingen nur im Bereich Energie und Umwelt leer aus. "Das bezieht sich allerdings nur auf den Grad der Digitalisierung entsprechender Initiativen", macht Lucia Wright, eine Co-Autorin der Studie, deutlich.

Für den Vergleich wurden mehr als 20 000 Datensätze aus Statistiken und Erhebungen sowie Umsetzungsaktivitäten in allen Städten ausgewertet und gewichtet. In der Rangliste aller Städte ab 30 000 Einwohnern steigert sich Bamberg gegenüber Platz 50 im Vorjahr und Rang 123 im Jahr 2018. Den zweiten Platz hinter Gesamtsieger Hamburg belegt Bamberg sogar in der Kategorie "Digitale Gesundheit". Hier wirft unter anderem das Medical Valley Centre seine Schatten voraus.

Positiv ausgewirkt hat sich auch die Aufnahme ins Smart-City-Programm - allerdings nur indirekt. "Wir waren gerade mit der Studie fertig, als Bamberg ausgewählt wurde", sagt Wright. Doch die dem Bundesinnenministerium mit der Bewerbung vorgelegte Strategie hat die Autoren der Smart-City-Studie beeindruckt. Entsprechend bekommt Bamberg stolze 80 Prozent in der Kategorie Strategie/Basis.

Auch die Infrastruktur, die sich hauptsächlich auf den Glasfaser-Ausbau bezieht, ist laut Haselhorst-Studie in Bamberg deutlich besser als in den meisten anderen Städten. "Wir haben früh angefangen und bauen unser Glasfasernetz seit Jahren kontinuierlich aus", sagt Jan Giersberg, Pressesprecher der Stadtwerke Bamberg. "Insgesamt sind 50 284 Wohneinheiten in Bamberg an das Glasfasernetz der Stadtwerke angeschlossen - das entspricht rund 98 Prozent aller Wohneinheiten." Nur im Bamberger Osten, kurz vor dem Ortsausgang an der Memmelsdorfer Straße, gebe es aktuell "einen kleinen weißen Fleck auf der Landkarte, den wir technisch nicht erschließen können". Bei gut der Hälfte der Haushalte reicht das Glasfasernetz bis in den Keller des Gebäudes bzw. sogar bis in die Wohnung. Bei den anderen werde auf dem letzten Stück zwischen Glasfasernetz und Haushalt das Kupferkabel der Telekom genutzt. "Das bremst die Surfgeschwindigkeiten, dennoch sind auch hier Geschwindigkeiten von bis zu 200 Mbit machbar", sagt Giersberg.

Für den städtischen Digitalreferenten Stefan Goller war die Top-Platzierung in der Smart-City-Studie ein unerwarteter Grund zur Freude: "Platz 23 ist ein großartiger Erfolg, aber wir stehen erst am Anfang unserer Bemühungen." Denn die Fördermillionen aus dem Smart-City-Programm sollen unter breiter Beteiligung der Bürgerschaft konkrete Verbesserungen in den Bereichen Verwaltung, Gesundheitswesen und Welterbe für Bamberg bringen. "Das soll kein Selbstzweck sein, sondern die Lebensqualität nachhaltig verbessern."

Chris Dippold erwartet für die nächsten Jahre im Rahmen der Smart-City-Bemühungen "einen Schwung an frischer Energie und neuen Gesichtern, die dabei unterstützen werden, den Standort Bamberg für Gründer noch attraktiver zu gestalten". Bamberg solle auf dem Weg zur Smart City "einen Fokus finden, sich auf wenige Ideen beschränken und diese effizient umsetzen". Denn es sei schade, wenn Ideen zu lange in der Umsetzung steckenbleiben und dann scheitern.

Zwei Jahre Zeit für Strategie

"Neben einer digitalen Stadt-Verwaltung wünsche ich mir persönlich auch eine Möglichkeit der Bürgerbeteiligung, bei der sich Bürger intensiver an aktuellen Stadtthemen beteiligen können, indem sie Ideen und Feedback geben und einen Teil zum Stadtleben beitragen können." Dies passiere laut Dippold bisher oft nur über Facebook und finde entsprechend im Stadtrat nur wenig Gehör.

Die Förderung des Bundes ist mit der Verpflichtung verbunden, binnen zwei Jahren eine umfassende und nachhaltige Strategie für die Digitalisierung der Stadt zu entwickeln sowie diese in weiteren fünf Jahren umzusetzen. "Damit eine Smart City ihr volles Potenzial entfalten kann, müssen alle Bevölkerungsgruppen mit eingebunden werden", sagt Wright. Sie kann sich gut vorstellen, dass Bamberg 2021 zu den besten 20 Städten gehören wird.

Freilich muss dem in den kommenden Jahren eine angemessene Umsetzung folgen, sonst ist es auch mit den Spitzenplatzierungen im Städtevergleich wieder vorbei. In jedem Fall gibt es für Digitalreferent Goller "noch vieles, was wir anpacken müssen, wollen und können".

KOMMENTAR von Stefan Fößel

Digitale Vorschusslorbeeren

Ist Bamberg wirklich schon so weit in Sachen Digitalisierung? Platz 23 von 403 Städten liest sich hervorragend, doch im Alltag merkt man davon nicht ganz so viel. Klar, das Glasfasernetz wächst stetig. Und nur wer schnelles Internet hat, kann die Möglichkeiten voll ausschöpfen, die eine Smart City bieten soll.

In der Verwaltung und in vielen anderen Bereichen sind die Online-Angebote noch überschaubar. Das soll sich dank satter Millionen-Zuschüsse vom Bund in den kommenden Jahren ändern. Virtuelles Welterbe, datengestütztes Mobilitätsmanagement und verbesserte Bürgerdienste sind Ziele für die Zukunft, mit denen die Stadt Bamberg beim Innenministerium und auch in der Haselhorst-Studie punkten konnte. Und doch sind es reichlich Vorschusslorbeeren, die aber auch von einer Umsetzung der großen Pläne ausgehen. Denn den Bürgern reichen weder schicke Titel noch theoretische Spitzenplätze. Sie wollen mitgenommen werden, ihre Daten in Sicherheit wissen und digitale Möglichkeiten, die ihnen konkret etwas bringen.