Vier Frauen und sechs Männer stehen am Mittwochmorgen auf dem Parkplatz der Scheßlitzer Corona-Teststelle. Es ist halb neun und 30 weitere haben sich bereits einen Rachenabstrich machen lassen. Einer erzählt, dass ein Kollege, mit dem er aber keinen direkten Kontakt hatte, coronainfiziert sei. "Aber man weiß ja nie, ob nicht vielleicht in den Gängen noch was rumgeschwirrt ist." Ein anderer will auf Nummer sicher gehen, weil auch in seinem Heimatort zuletzt die Fallzahlen hochgegangen sind. Die Landkreisbürger, die hier anstehen, kommen symptomfrei für einen freiwilligen Test. Nach vier Tagen können sie über einen QR-Code ihr Ergebnis auf der Homepage des Labors erfragen, das ihnen außerdem noch per Post übermittelt wird.

Solche freiwilligen Tests sollen eher zur Ausnahme werden, wenn es nach Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und Landrat Johann Kalb (CSU) geht. "Die Nachverfolgung positiv getesteter Personen und deren Kontakte verzögert sich aktuell immens, weil die Labore überlastet sind", haben die beiden zu Wochenbeginn dem Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und Gesundheitsministerin Melanie Huml (beide CSU) mitgeteilt. "Die Mitarbeiter unserer Gesundheitsbehörden warten zum Teil mehrere Tage auf Testergebnisse."

Pflicht vor der Kür

Nachdem ein Teil der Testkapazitäten für freiwillige Corona-Tests gebunden ist, schlugen Kalb und Starke vor, "in der aktuellen Hochphase der Infektionswelle vorübergehend auf freiwillige Tests zu verzichten". Denn die Pflicht müsse derzeit vor der Kür kommen. Sicher hätten die Menschen Verständnis dafür, dass zunächst Personen, bei denen ein Corona-Verdacht vorliege, Vorrang bekommen.

Kündigt sich damit bereits das Ende der freiwilligen Tests in Stadt und Landkreis an? Nein, sagt Pressesprecherin Thea Schellakowsky vom Landratsamt Bamberg: "Die bayerische Teststrategie sieht nach wie vor Wunschtestungen vor." OB und Landrat hätten nur darauf verwiesen, dass die Laborkapazitäten extrem belastet sind - was nicht zuletzt an den optionalen Testungen liege. "Daher ist der Wunsch geäußert worden, diese Testungen auf freiwilliger Basis zu überdenken, um die wichtigen Testungen von vulnerablen Personengruppen und deren zeitnahe Ergebnisse sicherzustellen."

Eigenes Labor der Sozialstiftung

Unterschiedlichste Labors sind laut Schellakowsky mit der Auswertung der Bamberger Corona-Tests betraut: Das Gesundheitsamt nutze das "eigene" Labor des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, die GKG-Abstrichstelle in Scheßlitz schickt ihre Tests nach Heidelberg, die von der Sozialstiftung getragene Bamberger Teststelle in der Galgenfuhr arbeitet mit einem Labor in Plauen zusammen. Das Klinikum nutzt das eigene Labor, um die Tests an allen Patienten und Mitarbeitern auszuwerten. Niedergelassene Ärzte haben die freie Wahl, an welches Labor sie ihre Tests schicken.

Fast 100 000 Tests Rückstau

Auf eine dauerhafte Überlastung weist der Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) schon seit einigen Wochen hin.

Die Auslastung der Labore liege im Durchschnitt bei 100 Prozent und in vielen Regionen bereits deutlich darüber. "Das hinterlässt Frust und Symptome der Überlastung bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, und auch bei den eingesetzten Geräten steigt durch die Dauerbeanspruchung die Anfälligkeit für Ausfälle und Reparaturen", sagt Michael Müller, der Vorsitzende des Verbandes. "Bei weiterer Überlastung wird es schwer, leistungsfähig zu bleiben."

Den Ernst der Lage zeigen für den ALM auch die aktuellen Zahlen: Die jetzt 162 an der wöchentlichen Datenerhebung teilnehmenden Labore aus dem ambulanten und stationären Bereich in ganz Deutschland übermittelten eine weiter deutlich steigende Positivrate von nun 7,3 Prozent. Das entsprach in der vorletzten Woche insgesamt 104 663 positiven Tests. Mit insgesamt 1,44 Millionen Tests sei die Kapazität bundesweit erstmalig zu 100 Prozent ausgereizt worden. Entsprechend sei auch der Rückstau an Proben aus der Vorwoche, die noch ohne Befund waren, auf fast 100 000 geschnellt (plus 44 Prozent). Die Reserven seien erschöpft.

"Die Labore sind sehr beschäftigt"

Liegt in Stadt oder Landkreis ein positives Testergebnis vor, wird der Infizierte vom Gesundheitsamt Bamberg angerufen. Bei möglichen Kontaktpersonen melden sich "weitere Kräfte des Gesundheitsamtes", die dabei mittlerweile auch von besonders geschulten Kollegen der Polizei unterstützt werden. Bei Schulen und Kindergärten werden die Kontaktpersonen durch die Einrichtungsleitung informiert. Und wie lange dauert es derzeit, bis man in Bamberg ein Ergebnis mitgeteilt bekommt? "Die Labore sind sehr beschäftigt, und es kommt naturgemäß zu längeren Wartezeiten", teilt dazu die Pressestelle des Landratsamtes mit.

Nicht immer, wie ein am Mittwoch in Scheßlitz Getesteter berichtet: Er erfuhr schon am Samstag per Post, dass er corona-negativ ist. Seit mittlerweile elf Tagen wartet hingegen Eva Förtsch auf ein Ergebnis des Corona-Tests ihrer Tochter. Die hatte sich seit Montag vergangener Woche in Quarantäne befunden. Ein Kind, das mit ihr die Mittagsbetreuung der Wunderburgschule besucht, war zuvor positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Aber auch nach dem Ende der Quarantänezeit wusste Förtsch nicht, ob ihre symptomfreie Tochter sich angesteckt hatte. "Das kann ich mir aber eigentlich nicht vorstellen, da die beiden noch nicht einmal im selben Zimmer waren."

Eva Förtsch hat Verständnis dafür, dass die Auswertung der zahlreichen Tests dauert. Sie hätte sich jedoch zumindest gewünscht, dass auch die Bamberger Testergebnisse über einen QR-Code abrufbar gewesen wären - so wie es in Scheßlitz der Fall ist. Denn dann hätte sie schon lange vor dem Postversand Gewissheit gehabt. Diese Option biete jedoch nicht jedes Labor an, erklärt dazu das Landratsamt. Auch nicht das Plauener Labor, das die Bamberger Tests auswertet.

Nicht nur für Eva Förtsch geht damit das Warten weiter: "Aber wenn man erst nach Ende der Quarantäne ein Ergebnis bekommt, bringt der Test ja eigentlich auch nichts mehr."