Während des Johannisfeuers ist mir ein Licht aufgegangen. Im Grunde nicht nur ein Lagerfeuerschein, sondern eine regelrechte Eruption der Erkenntnis: Pubertät ist nur für Eltern gemacht!
Gut, es bedarf einer Erklärung, wie ich zu dieser Schlussfolgerung komme. Ganz einfach: Am Wochenende nach der echten Sonnenwende veranstaltet die DLRG Dechsendorf eine solche Feier. Das große Johannisfeuer ist der Höhepunkt der zweitägigen Veranstaltung, die weit über die Grenzen Dechsendorfs bekannt ist. Und was hat meine 13-jährige pubertierende Nicola damit zu tun? Sie ist Mitglied in der DLRG.
Und was hat das mit der Pubertät und der oben beschriebenen Erkenntnis zu tun? Eine Menge. Denn ab Mittwochabend habe ich meine Tochter im Grunde nicht mehr gesehen. "Ich muss aufbauen helfen!", "Ich werde dringend gebraucht!" Und: "Ich weiß nicht genau, wann ich heimkomme, aber Ihr wisst ja, wo ich bin". Das waren die einzigen Sätze, die meine Frau und ich kurz vor dem Zuschlagen der Wohnungstüre noch vernehmen durften. Dass ich mit meiner Frau darüber diskutieren musste, dass Nicola dieses "Ich muss zu meinem Verein" von mir hätte, ist ein anderes Thema, das an dieser Stelle abzuhandeln den Rahmen der Kolumne sprengen würde.


Frage der "Nestflucht"

Zurück zu Nicola, denn die Frage der "Nestflucht" war zunächst einmal ein Fakt, der mit der Pubertät wenig zu tun hat. Es war etwas anderes: Es war der Moment, als ich am Samstag (mehr oder weniger nach zwei Tagen Aufbau und einem Abend "Schlachtschüssel am Weiher" sowie einer Übernachtung) auf dem Festgelände die Schlafsachen schnell abholen wollte.
Da stehen doch die DLRGlerinnen Christa und Dagmar da - beide Mütter - und erklären mir, was für eine tolle Tochter ich habe. "Sie hat die Obatztenbrote klaglos geschmiert", "Die Tische wurden ordentlich von ihr abgewischt", "Ach so was bräuchte ich auch zu Hause!" Echt? Ich auch! Mir wurde ein fremdes Mädchen beschrieben. Der Gipfel war dann allerdings die Bemerkung des Grillmeisters: "Und Du kannst Dich mit ihr richtig toll unterhalten!" Wann? Wo? Ich wäre gerne dabei. Zu Hause schweigt sie und ist in ihrem Zimmer verschwunden. Helfen? Das ist ein Fremdwort.
Bevor jemand fragt: Natürlich bin ich stolz auf Nicola. Wer hört nicht gerne solch ein Lob. Aber dennoch: Warum ist sie zu Hause so ganz anders? Ist Pubertät vielleicht doch nur für die Eltern gemacht? Dann bleibe ich dabei: Scheiß Pubertät!

Und was sagt Nicola?
Hallo? Natürlich kann man mit mir reden. Auch Papa. Aber wenn ich reden will, schickt er mich in der Regel ins Bett!