Dass bei der Fortschreibung des Landesentwicklungsplans Burgebrach und Scheßlitz zu Mittelzentren höhergestuft werden sollen, Hirschaid aber unberücksichtigt bleibt, hat im Regnitztal ungläubiges Staunen bis hin zur Verärgerung ausgelöst.

Der sonst eher gutmütige Bürgermeister Klaus Homann (CSU) berichtete dem Hirschaider Marktgemeinderat ziemlich aufgebracht, dass er von der Vorentscheidung der Staatsregierung zuerst aus Facebook erfahren habe und nicht über einen offiziellen Kanal. Dabei hätte sich Hirschaid, die immerhin größte Gemeinde im Landkreis Bamberg, viel Mühe gegeben, sich mit einer ausführlichen Expertise für die Einstufung als Mittelzentrum zu bewerben, erinnerte Homann.

Er habe sich sofort mit dem Landtagsabgeordneten Heinrich Rudrof (CSU) in Verbindung gesetzt, um seine Verärgerung zum Ausdruck zu bringen und sich nach den Gründen für die Ablehnung des Hirschaider Antrags zu erkundigen. Die Antwort Rudrofs, die Kriterien, nach denen die Weichen gestellt worden seien, könne man nicht so recht nachvollziehen, befriedigt Homann ganz und gar nicht. Laut Rudrof gebe in dieser Runde der zentralörtlichen Gliederung "keinen strengen Kriterienkatalog."

In einer ersten Stellungnahme Rudrofs gegenüber unserer Zeitung (Ausgabe vom 13. Mai) hatte der CSU-Landtagsabgeordnete zwar seine Freude über die Aufstufung von Burgebrach und Scheßlitz geäußert, aber kein Wort des Mitgefühls oder der Enttäuschung darüber, dass Hirschaid (neben anderen Aspiranten aus dem Landkreis Bamberg) sein Ziel verfehlt hat. Auf seiner eigenen Homepage geht MdL Rudrof davon aus, dass sich "nun am Entwurf im Kabinett und in der Anhörung nichts mehr ändert und das fortgeschriebene LEP somit rechtskräftig wird".

Telefonisch präzisierte der Parlamentarier gegenüber unserer Zeitung, dass das Verfahren nach der Vorstellung des Planentwurfs durch das Finanzministerium nun erst anlaufe. Zwischen zwei nun folgenden Beratungen im Kabinett werde es ein Anhörungsverfahren geben; schließlich werde die Fortschreibung des LEP durch den Landtag beschlossen.


Erheblicher Prestigegewinn

Dass es im Raum Bamberg fünf bis sechs Mittelzentren geben werde, hält der Abgeordnete freilich für nicht wahrscheinlich. Es sei schon ein Erfolg, dass im Umfeld des Oberzentrums Bamberg auf Anhieb die Kleinzentren Burgebrach und Scheßlitz statt Grund- nun tatsächlich Mittelzentren werden sollen. Als solche hätten sie mit höheren Förderungen beispielsweise für Projekte mit überregionaler Bedeutung zu rechnen. Auch spricht Rudrof von einem "erheblichen Prestigegewinn".

Diese Vorteile möchte freilich auch Hirschaid genießen, zum Beispiel wenn es doch einmal zur Einrichtung eines Gymnasiums im Landkreis komme. MdL Rudrof erklärte unserer Zeitung, dass es sich möglicherweise als nachteilig für Hirschaid erwiesen habe, sich gemeinsam mit Strullendorf um das Mittelzentrum zu bemühen.

Aus Münchner Sicht mache es möglicherweise keinen Sinn, an den Stadtgrenzen eines Oberzentrums gleich mit einem Mittelzentrum fortzufahren. Trotzdem gebe es "gute Gründe" für eine Ausweisung Hirschaids als Mittelzentrum. Rudrof: "Wenn man einen Blick für Strukturpolitik hat, muss man zugestehen, dass es fach- und sachgerecht ist, Burgebrach und Scheßlitz zu Mittelzentren auszugestalten."


Doch noch Chance ausloten

Im gleichen Maße träfe dies allerdings auch auf Hirschaid zu, bestätigt der Abgeordnete. Er will sich deshalb baldigst mit Bürgermeister Homann zusammentun, um doch noch eine Chance auszuloten. Grundsätzlich gibt Rudrof zu bedenken, dass man die Bildung von zentralen Orten weder über- noch unterschätzen solle. Homann berichtete dem Marktgemeinderat, dass Strullendorf keine große Ambitionen mehr aufs Mittelzentrum habe.

Hirschaid will sich die "Nichtbeachtung" nach Worten von Bürgermeister Homann jedenfalls nicht gefallen lassen. Er hat sich unterdessen schriftlich an Finanz- und Heimatminister Markus Söder (CSU) gewandt und um Informationen über die Ablehnung des Hirschaider Antrags gebeten. Die Geschäftsführerin des Marktes Hirschaid, Ulrike Piontek, bedauerte, dass "wir noch im Nebel herumstochern, weil sich die Entscheidungskriterien offenbar ständig ändern".


Andere Gründe maßgeblich?

"Man sollte von einem Landtagsabgeordneten schon erwarten können, dass er 1a informiert ist", räsonierte daraufhin Kurt Barthelmes von der WG Regnitzau. Horst Auer (SPD) äußerte den Verdacht, dass bei solchen Entscheidungen wohl andere Gründe maßgeblich seien als jene, die bekannt werden.

Einem etwaigen Verdacht parteipolitischer Spezl-Wirtschaft tritt MdL Rudrof gleich mal entgegen: Er arbeite sowohl mit dem Hirschaider wie auch mit dem Burgebracher und Scheßlitzer Bürgermeister "sehr gut" zusammen, versicherte er dem FT. Sie haben immerhin das gleiche Parteibuch, das der CSU. Dessen ungeachtet scheut Hirschaid keinen Vergleich mit Burgebrach und Scheßlitz.