Der braucht einen festen Platz! Klaus Homann lässt seinen Blick im Festsaal des Schlosses schweifen, "vielleicht da vorne", schlägt er vor. Schäfer nickt zustimmend. Herr Karl hingegen, dessen Platz die Überlegungen gelten, äußert sich - ganz der Diplomat - erst einmal nicht. Kein Wunder. Seine Probezeit läuft noch bis Ende des Jahres und das Ziel "Festanstellung" beim Markt Hirschaid will er offenbar nicht gefährden. Museumsleiterin Schäfer hat er jedenfalls vollkommen um den Finger, das heißt in seinem Fall, um die Pfote gewickelt. Denn Herr Karl ist ein Kater. Der Stubentiger, der zum Schlosskater geadelt werden soll.

Herr Karl wohnt gleich in der Nähe. Wie etliche weitere Katzen. Doch unter ihnen hat der Braungetigerte seine Ansprüche aufs Schloss am entschiedensten vertreten. Irgendwann war er so präsent, dass er über Nacht versehentlich in die Scheune eingesperrt wurde. Die Tochter der Besitzerin suchte ihn. Seitdem weiß die Museumsverwaltung des Marktes, "dass er Karl heißt."

Vor etwa einem halben Jahr hat "Herr Karl", wie Annette Schäfer ihren Kollegen respektvoll nennt, Interesse an einem Job im Schloss signalisiert. "Normalerweise bin ich ja eher der Hundetyp", sagt die Museumsleiterin. Aber Herr Karl hat eben einen unvergleichlichen Charme und sich einfach mit ins Büro begeben. Da ist Platz für Zwei. Weil im Sommer oft die Tür offen war, kam er einfach immer öfter, immer länger, immer regelmäßiger. "Und jetzt passt er mich regelrecht ab."

In der Zwischenzeit hat Herr Karl schon sein eigenes Körbchen und zwar auf dem Schreibtisch gegenüber von Annette Schäfer. "Anfangs hat es ihn gestört, wenn ich telefonierte, dann ist er verschwunden." Das ist mittlerweile kein Thema mehr. Dass der Stubentiger ab und zu die Maus vom Tisch fegt, sieht die Kreisheimatpflegerin der Natur des Kollegen geschuldet. Dafür bietet der ihr doch einen Komfort, den sonst kaum ein Arbeitsplatz aufweist: Ein Katzenfell im Nacken. "Dafür braucht man die Katze nicht zuvor entfernen ", betont Schäfer, "denn sonst geht auch die Massagefunktion verloren."

Und was sagt der Chef zu dem tierischen Treiben in der Amtsstube? Bürgermeister Homann lacht und findet das ganz in Ordnung. Ihm selbst wurde von Herrn Karl schon bei einer Trauung assistiert. Bei Veranstaltungen im Schlossbereich ist Herr Karl mittlerweile ganz selbstverständlich mit von der Partie.

Bei einer Aufführung des Fränkischen Theatersommers etwa hat es ihn nicht mehr im Publikum gehalten: Er ist zielstrebig zur Bühne und mir nichts dir nichts war er ins Stück integriert. Nach der Aufführung blieb er noch und ließ sich von Theaterchef Jan Burdinski dann ganz privat kraulen. "Das ist doch der Kater, der bei uns mitgespielt hat", habe der dann nur gemeint, so Schäfer.

Herr Karl taucht mittlerweile regelmäßig und selbstverständlich bei allen Veranstaltungen rund ums Schloss auf. Dem tierlieben Bürgermeister gefällt das nicht nur. Er möchte das zum Alleinstellungsmerkmal ausbauen: "So wie Bamberg lange Zeit seinen Burgbären Poldi hatte, haben wir dann eben den Sassanfahrter Schlosskater Herr Karl." Ein weiterer Grund, warum Homann gerne im Schloss nach dem Rechten sieht und Herrn Karl den Pelz krault.


Ein Menschenfreund

"Herr Karl mag Menschen", weiß die Museumsleiterin und er leistet hier auf emotionaler Ebene bedeutende Arbeit - als Fell gewordener Wohlfühlfaktor.

Damit Herr Karl sich seinerseits wohl fühlt, dafür sorgt Katzenspielzeug (ein Wollknäul) und das wahlweise mit Trocken- oder Nassfutter gefüllte Schälchen. Freilich sieht der stattliche Kater großzügig darüber hinweg, dass auf seinem Trinknapf "für Hunde" steht. Wie gesagt, wenn im Schlosssaal eine Veranstaltung stattfindet, ist auch Herr Karl zugegen. "Wir fragen immer, ob es den Leuten Recht ist und ob jemand eine Katzenallergie hat", führt Annette Schäfer dazu aus.

Die Haare verraten, wo Herr Karl zuletzt im Publikum gesessen hatte. "Wir sollten ihm einen eigenen, festen Platz geben", schlägt der Bürgermeister für seinen tierisch geschätzten Mitarbeiter vor. Wer Herrn Karl persönlich treffen möchte, muss nur einmal zu den Arbeitszeiten der Museumsleiterin oder besonderen Veranstaltungen vorbeikommen.