Es sind zwei Züge, die mit Hochgeschwindigkeit aufeinanderzurasen. Auf der einen Seite die Stadt, die vergangene Woche ihr Ratsbegehren beschlossen hat. Mit der Abstimmungsalternative will die Mehrheit im Rathaus erreichen, einen ca. 47 Hektar großen Teil der heute bewaldeten Flächen des ehemaligen Munitionsdepots zu einem Gewerbegebiet umzuwandeln. Auf der anderen Seite rollen die Wagen der Bürgerinitiative "Für den Hauptsmoorwald" (BI), die mit einem Sieg am 18. November jede Bebauung auf der ehemaligen Militärfläche torpedieren könnte. Vor allem für die Stadt ist das Risiko hoch. Verliert sie, dann ist der Bebauungsplanentwurf 429 Makulatur, Bambergs größtes Gewerbeprojekt wäre politisch auf absehbare Zeit erledigt.

Doch auch mit über 13 000 gesammelten Unterschriften im Rücken ist der Bürgerentscheid kein Selbstläufer. Verfehlen beide Abstimmungsvarianten die nötige Mindestzahl von 8 800 Ja-Stimmen oder erhielte das Ratsbegehren die Mehrheit, dann müsste sich die Bürgerinitiative mit den jetzt erreichten Zugeständnissen zufrieden geben: die Verlegung des geplanten Polizeigebäudes und der Verzicht auf die Gewerbeflächen nördlich der Geisfelder Straße. Zusammen umfasst das etwa sechs Hektar Fläche. "Ein mageres Ergebnis, eher symbolisch", findet Martin Bücker von der BI.

Dass es zwischen der Rodung von über 60 Fußballfeldern Waldfläche und dem kategorischen Nein zu jeder Gewerbebebauung noch weitere Denkmodelle gibt, Kompromisse, die beide Positionen miteinander versöhnen könnten, das liegt auf der Hand. Voraussetzung ist allerdings, dass Stadt und Bürgerinitiative "Für den Hauptsmoorwald" wieder ins Gespräch kommen.

Doch noch sind die Fronten verhärtet. Zwar hat Bambergs OB Andreas Starke (SPD) die Bürgerinitiative am Freitag in einem Schreiben darum gebeten, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Doch Starke machte auch klar, dass es von der Stadt nicht zu weiteren "Vorleistungen" kommen werde. Gegenüber dem FT spricht er von einer kritikwürdigen Blockadehaltung der BI. "Die Stadt hat zwei Mal die Größe des Gewerbegebiets verringert. Das wurde bislang nicht honoriert."

Doch umgekehrt wirft auch die Bürgerinitiative der Stadt Versäumnisse vor. Das Ratsbegehren habe die Chance verpasst, substanzielle Verbesserungen anzubieten, bisher seien die Flächenreduzierungen marginal, sagt Volker Braun.

Dennoch schlägt die BI das Gesprächsangebot nicht aus. Martin Bücker und Volker Braun wollen nicht ausschließen, dass doch noch Kompromisslinien gefunden werden, die die Mehrheit in der BI überzeugen könnten. Doch es müsste "überraschend mehr an Entgegenkommen" als bisher erkennbar sein, um über eine Rücknahme des Entscheids nachzudenken, sagt Bücker. "Eine Halbierung der Gewerbefläche wäre ein solches klares Signal."