Der "Wumms" um 12.30 Uhr war ein dumpfes Grollen im Boden. Es passt zur "geringen Sprengwirkung", von der Einsatzleiter und Polizeihauptkommissar Michael Aumüller vorher gesprochen hat. Aber: trotzdem gefährlich.



Das weiß Markus Schölzel um halb sieben Uhr morgens noch nicht, als er auf seinem Bagger sitzt und den Hang umgräbt. Er ist Mitarbeiter einer Baugesellschaft. "Wir machen da Erdarbeiten für ein Einfamilienhaus", sagt er und zieht an seiner Zigarette. Die braucht er, jetzt, als er hinter dem rot-weißen Absperrband steht und etliche Polizisten das Areal um die Handgranate absichern.

Am Morgen lag sie plötzlich in der Baugrube. "Da zuckt man schon zam. Heutzutage weiß man ja nicht, ob das eine Attrappe ist, ein Spielzeug oder was echtes." Also ist er ausgestiegen, hat sie angeschaut - und gleich die Polizei angerufen.

Als kurze Zeit eine Streife eintrifft, wird klar: Der sogenannte Kampfmittelräumdienst muss kommen, um zu klären, was mit der Handgranate aus dem Zweiten Weltkrieg passieren soll. Kann sie abtransportiert werden oder muss sie kontrolliert gesprengt werden? Letzteres.

Amerikanische Splittergranate aus dem Zweiten Weltkrieg
Um halb zwölf kommen die Kampfmittelbeseitiger Michael Weiß und Martin Radons an und untersuchen die Granate. Die Entscheidung fällt schnell. "Es handelt sich um eine amerikanische Splitterhandgranate aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie ist einem schlechtem Zustand und nicht mehr sicherungsfähig", erklärt Martin Radons, angehender Sprengmeister.

Also wird die Sperrung im unmittelbaren Bereich um die Fundstelle auf der Baustelle aufrechterhalten. Die Polizei redet noch mal mit den Anwohnern in der Nähe, die an diesem Freitagmittag zuhause sind.

Wegen der geringen Sprengwirkung der Handgranate müssen sie laut Polizeihauptkommissar Michael Aumüller nicht evakuiert werden. Aber: "Wir haben sie aufgefordert, sich im hinteren Teil ihrer Häuser aufzuhalten. Der Teil, der der Fundstelle abgewandt ist."

Allerdings verzögert sich die kontrollierte Sprengung etwas, da "nicht alle Anwohner von der Gefahr überzeugt sind und beim sonnigen Wetter noch auf der Terrasse sitzen bleiben wollen", wie es Aumüller formuliert. Doch nach weiteren Gesprächen mit Ordnungsamt und Polizei lassen sich auch die letzten der rund 25 betroffenen Anwohner überzeugen.

Ladung an der Granate angebracht
Die zwei Männer vom Kampfmittelräumdienst schreiten direkt an der Baugrube zur Tat. Nach dem "Wumms" erklärt Martin Radons, wie bei so einer kontrollierten Sprengung vorgegangen wird. "An der Handgranate wird eine Ladung angebracht, die dann zur Zündung gebracht wird." Den Knopf hat Sprengmeister Michael Weiß gedrückt.

Dann dauert es nicht mehr lange, und die Polizeisperre am Laurenziplatz wird aufgelöst. Die Anwohner, die Freitagmittag von Arbeit und Schule kommen, dürfen in ihre Häuser.

Zu Verkehrsbehinderungen ist es wegen der etwas abgelegeneren Fundstelle der Handgranate nicht gekommen, nur ein Rad- und Fußweg in direkter Nähe zur Baustelle musste laut Polizei gesperrt werden.

Nun ist es 13 Uhr und Bauarbeiter Markus Schölzel stapft mit seinen beiden Kollegen zurück auf die Baustelle. Seit 30 Jahren arbeitet er in seinem Beruf, zwei bis drei Mal ist er bei der Arbeit bereits auf Munitionsreste gestoßen. Das kommt vor, vor allem an Bach- und Flußläufen. Aber eine Handgranate mitten im Bamberger Berggebiet, das war neu.

Er verabschiedet sich und drückt die Zigarette aus. "Wir arbeiten jetzt ganz normal weiter - bis zum Feierabend", sagt er.