Die Leidensgeschichte Jesu im Spätsommer, also völlig außerhalb der vorösterlichen Fasten- und Passionszeit? Domkapellmeister Werner Pees geht mit der eindringlichen Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach am Sonntag, 13. September, um 17 Uhr im Dom dieses Wagnis ein.

Zum einen ist es für ihn "ein Paukenschlag, ein wichtiges Zeichen zu zeigen: Die Kirchenmusik gibt es auch in Corona-Zeiten". Und zum anderen bietet das Kirchenjahr einen "würdigen Platz": nämlich das ökumenische Fest Kreuzerhöhung, das an die Auffindung des Kreuzes Jesu durch die heilige Helena im 4. Jahrhundert erinnert und traditionell am 14. September begangen wird. Außerdem bilden die im Bamberger Dom verehrten Kreuzreliquien wie der "Heilige Nagel" in der gleichnamigen Seitenkapelle einen unmittelbaren Bezug zu diesem Festtag.

Erzbischof Ludwig Schick wird am Vorabend des Festes Kreuzerhöhung, also vor dem Beginn des Konzertes, einen spirituellen Impuls geben. Im Gespräch mit unserer Zeitung macht er klar, dass die Matthäuspassion zu jedem Tag des Kirchenjahres passt. Denn "in jeder heiligen Messe spricht die gläubige Gemeinde: ‚Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bist du kommst in Herrlichkeit‘". Das heilbringende Leiden und Sterben Jesu Christi, der den Tod überwindet, sei der eigentliche Inhalt der Leidensgeschichte, die Bach "auf wunderbare Weise in seiner Matthäuspassion den Menschen zu Gehör und zu Herzen bringt", sagt der Erzbischof. Dieses Werk sei "Verkündigung des liebenden Gottes, der in seinem Sohn sein Leben hingibt, um seine geliebten Menschen aus Leid und Tod zu retten". So lasse Bach vor allem in den Chorälen die Auferstehung durchklingen, auch wenn die Passion Jesu besungen werde, sagt Erzbischof Schick.

Das "Riesenwerk Matthäuspassion", so Werner Pees, ist deutschlandweit das nahezu erste geistliche Konzert nach dem Lockdown. Dem fiel bekanntlich die am 15. März vorgesehene Aufführung in der Oberen Pfarre zum Opfer. In jenem Monat war der Dom wegen der Innenrenovierung noch eingerüstet. Jetzt kommt das große Konzert trotz der Corona bedingten Einschränkungen zu Gehör, "um damit Hoffnung und Ermutigung zu geben", sagt der Domkapellmeister, der die knapp dreistündige Aufführung leitet.

Höchste Ansprüche

"Es ist für mich eine Premiere", erklärt Pees fast ehrfürchtig vor dem Werk Bachs, das an alle Beteiligten höchste Ansprüche stelle. Ohne Beteiligung der Dommusik sei die Matthäuspassion vor etwa zwanzig Jahren schon einmal im Dom zu hören gewesen. Doch er selbst wage sich erst "im reifen Alter" und mit einiger Bach-Erfahrung an dieses größtbesetzte Werk des barocken Komponisten: "Die Wahl der musikalischen und dramaturgischen Mittel sowie die unglaubliche Dichte der Komposition ziehen Musiker und Zuhörer seit der ersten Aufführung nach Bachs Tod im Jahre 1827 durch Felix Mendelssohn-Bartholdy in ihren Bann", weiß Kirchenmusiker Pees. Er zitiert Friedrich Nietzsche, der beeindruckt resümiert habe: "Wer das Christentum völlig verlernt hat, der hört es hier wirklich wie ein Evangelium."

Ausführende sind Georg Drake (Tenor, Evangelist), Christian M. Schmidt (Bass, Christus), Claudia Böhme (Sopran), Birgit Rolla (Alt) und Andreas Burkhart (Bass) sowie die Schola Bamberg und das Barockorchester La Banda. Und zwar direkt links, rechts und vor dem Kaisergrab am Fuße des Ostchores "in direktem Kontakt zum Publikum".

Um möglichst vielen Musikfreunden das Zuhören zu ermöglichen, wird ein Livestream geschaltet. Das Konzert kann in Bild und Stereo-Ton ab 17 Uhr unter dieser Adresse ins eigene Wohnzimmer geholt werden: www.youtube.com/erzbistumbamberg.

Der Veranstalter legt ein umfangreiches Sicherheitskonzept vor. Hierzu gehören die Einhaltung der Personenabstände, Hygieneregeln und Lüftungspausen, Zuweisung der Sitzplätze sowie die Limitierung des Zuhörerkreises auf maximal 120 Personen (150 bei Familienangehörigen) nach den geltenden Richtlinien. Ebenso gilt für den Ticketerwerb eine bindende Regelung.

Im März erworbene Karten behalten ihre Gültigkeit, müssen aber bis Donnerstag, 10. September, (bevorzugt) per E-Mail oder (in Ausnahmen) telefonisch im Sekretariat der Bamberger Dommusik umgetauscht werden. Auch Restkarten sind ausschließlich im Sekretariat auf demselben Weg erhältlich. E-Mail: dommusik@erzbistum-bamberg.de, Telefon 0951/502-1901.