Wäre es nach dem Schläger und seinem Opfer gegangen, der Vorfall aus dem Oktober 2019 wäre nie vor das Schöffengericht am Amtsgericht Bamberg gekommen. Dabei hatte es bei dem Gewaltausbruch unterhalb der Löwenbrücke in Bamberg eine gebrochene Nase, einen ausgerenkten Unterkiefer und einen Bruch in der Augenhöhle gegeben.

Es dauert nur wenige Minuten, dann muss Bertram Marsch den Gerichtssaal verlassen. Sein Mandant Ralf N. (Name geändert) möchte nicht mehr von dem Rechtsanwalt aus Erlangen vertreten werden. Dabei ist der 22-jährige Ralf N. das Opfer einer Attacke, die ihm drei Faustschläge ins Gesicht und einen Tritt in die Magengrube eingebracht hat. Dadurch ist auch die Brille des Opfers zu Bruch gegangen.

Am Ende des Tages werden der Vorsitzende Richter Florian Kratzer und sein Schöffengericht dies als gefährliche Körperverletzung und Sachbeschädigung bewerten. Genau zwei Jahre Gefängnis ist die Eifersuchtstat unter Alkohol- und Drogeneinfluss für den Angeklagten wert. Für den 28-Jährigen, der "eine klassische Suchtmittelkarriere" mit Haschisch und Marihuana, Extasy und Speed bis hin zu Crystal Meth hinter sich hat, wie sein Rechtsanwalt Christian Barthelmes berichtet, ist es nicht der erste unfreiwillige Aufenthalt auf Staatskosten.

Mitte Oktober letzten Jahres hatte man sich des Abends unter der Löwenbrücke getroffen. Die Wodka-Mischgetränke gingen reihum. Dann sollte etwas geklärt werden. "Der Streit ging um mich". Auf diese kurze Formel bringt es ein 20-jähriges Mädchen aus dem Landkreis Bamberg, das Ralf N. geküsst und dafür vom Angeklagten die Prügel kassiert hat. Allerdings ist sie inzwischen weder mit dem einen noch mit dem anderen zusammen, sondern erwartet von einem unsichtbaren Dritten ein Kind. Jedenfalls kann sich der Angeklagte nicht beherrschen und greift Ralf N. an. Nach mehreren Fausthieben und einem Kinnhaken sowie mindestens einem Fußtritt in den Magenraum wird Ralf N. mit gebrochener Nase, einer angebrochenen Augenhöhle und einem ausgerenkten Unterkiefer am Boden liegen und sich vor Schmerzen krümmen. Ein 25-jähriger Bekannter, der auch zur Gruppe gehört und den Angreifer wegschubst, hört noch: "Wehe, du zeigst mich an, dann setzt es noch mal Schläge".

Vater sorgt für Anzeige

Erst Ralf N.s Vater wird mit einer Anzeige den Stein ins Rollen bringen. Der Sohnemann möchte seinen langjährigen Freund nicht in Bedrängnis bringen. Der hat ein Vorstrafenregister, das eine halbe Armlänge erreicht. Neben Eigentumsdelikten wie Diebstählen und Sachbeschädigungen finden sich auch vorsätzliche und gefährliche Körperverletzung, Hausfriedensbruch und versuchte Nötigung. Während des Geschehens im Schatten der Löwenbrücke steht der Angeklagte unter laufender Bewährung. Deshalb erzählt das Opfer im Krankenhaus wohl auch, es sei die Treppe hinuntergefallen.

Im Gerichtssaal spielt Ralf N. die brutale Tat zudem herunter. Nur ein Schlag und ein Tritt hätten ihn ereilt. "Ich hätte in seiner Situation genauso gehandelt." Was Staatsanwältin Julia Pfeufer aufregt: "Ich verstehe gar nicht, warum Sie das Ganze hier verharmlosen". Später wird sie drei Jahre Haft fordern. Auch weil sie davon ausgeht, dass Ralf N. nicht nur aus Freundschaft zum Angeklagten versucht hat, die Geschichte für sich zu behalten. "Er wurde von Kumpanen des Angeklagten eingeschüchtert".

Geständnis

Dafür allerdings sahen Richter Kratzer und seine beiden Schöffen keine Anhaltspunkte, auch nicht für die Version des Angeklagten, Ralf N. sei nach dem Vorfall unter der Löwenbrücke durch einen bekannten Dritten geschlagen worden. Die Verletzungen kommen nach Ansicht des Schöffengerichts eindeutig vom Angeklagten.

Es lag nur am Geständnis des Angeklagten und der Tatsache, dass er seit November 2019 im Knast sitzt, dass die Freiheitsstrafe nicht noch höher ausfiel. Allerdings wurde eine weitere Straftat mit einbezogen. Während seiner letzten Strafhaft hatte er mit zwei weiteren Häftlingen auf dem Flur Schmiere gestanden, während ein Mitgefangener eine Abreibung abbekam: eine Beihilfe zur vorsätzlichen Körperverletzung in der JVA Bamberg.

Die Festlegung des Strafmaßes folgte einer speziellen Regelung: Denn w enn jemand wegen einer Straftat verurteilt wurde, die er als Drogenabhängiger und unter Drogeneinfluss begangen hat, und die Straferwartung zwei Jahre nicht übersteigt (wie in diesem Fall), dann kann die Freiheitsstrafe nach Paragraf 35 Betäubungsmittel-Gesetz zurückgestellt werden. Er kommt dann nicht ins Gefängnis, sondern für ein halbes Jahr in eine therapeutische Einrichtung.

Sollte die Therapie erfolgreich verlaufen, dann kann der Strafrest von eineinhalb Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden. Nur wenn die Therapie nicht zum Ziel führt, dann muss die gesamte Freiheitsstrafe (ohne Abzüge) abgesessen werden. Dieser Strafrahmen erwartet nun auch den 28-jährigen Angeklagten.