"Die klassische Lehre der Wirtschaft ist Profitmaximierung - also die Kosten so weit es geht zu senken, um den größtmöglichen Gewinn zu erzielen. Das ist eigentlich ein Widerspruch zum Gedanken der Nachhaltigkeit ", sagt Otto Brandstetter, der an der Uni Bamberg Wirtschaftswissenschaften studiert hat.

Trotzdem will er es versuchen: Gemeinsam mit seinem Freund David Stumpp sammelt der Bamberger ab Anfang Februar Geld über eine Crowdfunding-Plattform, um sein Olivenöl "Pouli" (griechisch für Vogel) herstellen und importieren zu können. "Uns ist sehr wichtig, dass die Bauern fair entlohnt werden", hebt Brandstatter hervor. Außerdem wollen die jungen Unternehmer etwa fünf Prozent des Umsatzes an "Medical Volunteers International" spenden. Die Organisation ermöglicht Geflüchteten in griechischen Lagern eine medizinische Grundversorgung .

Idee auf Griechenland-Reisen entstanden

Die Idee kam den beiden Reiseenthusiasten und Olivenöl-Fans 2019 bei einem sechsmonatigen Aufenthalt auf Lesbos. "Dort haben wir die überfüllten Lager gesehen, wie immer neue Schlauchboote voller Familien gelandet sind, und haben überlegt: Was können wir tun, um die Situation ein wenig zu verbessern?", erklärt Brandstetter. Bei einer weiteren Griechenland-Reise lernten die beiden viel von Bauern aus der Region über den Oliven-Anbau und die Öl-Herstellung. Brandstetter glaubt an die Idee, denn: "In der Bevölkerung steigt das Bewusstsein für ökologische und soziale Themen. Die Leute sind dazu bereit, mehr für faire Produkte zu bezahlen. Deshalb sind Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit kein Widerspruch."

Das sieht auch die Industrie- und Handelskammer für Oberfranken (IHK) so. An ihrem Standort Bayreuth führte sie bereits im Jahr 1986 das Referat "Energie und Umwelt " ein. "Damals war das absolutes Neuland", erzählt Referatsleiter Frank Lechner. Sein Ressort berät Firmen vor allem bei Energieeffizienz und dem Umstieg auf erneuerbare Energien . Zudem wurde vor zwei Jahren der Kreis "Corporate Social Responsibility" eingerichtet, "um Unternehmen Gelegenheit zu geben, sich über Themen wie unternehmerisch verantwortliches Handeln in einer zunehmend globalisierten Welt auszutauschen", fügt Ursula Krauß, Referatsleiterin für Arbeits- und Wettbewerbsrecht, hinzu.

Shampoo ohne Plastik

Firmensprecherin Mirjam Kraus hält nachhaltiges Wirtschaften mittlerweile gar für "unabdingbar, um am Markt zu bestehen". Mit der Tochterfirma "Dein Duschdate" bringt der Bamberger Arzneimittelhersteller Dr. Pfleger künftig plastikfreie Hygiene-Produkte heraus. Das erste wird ein festes Shampoo. "Wir planen noch mehr nachhaltige Produkte auf den Markt zu bringen, mit welchen wir die Welt beziehungsweise das Bad etwas plastikfreier und besser machen wollen", kündigt die Konzernsprecherin an.

Kunststoff auf Zuckerrohr-Basis

Wobei "Kunststoff nicht per se schlecht für die Umwelt ist", betont Luis Homann, Juniorchef der Firma Dom Polymer aus Schlüsselfeld. So sind etwa auch die erdölbasierten Produkt-Verpackungen, Kaffeebecher oder Brotzeitboxen, die das Unternehmen herstellt, so konzipiert, dass sie zu 100 Prozent recycelt werden können - im Gelben Sack. "Denn wichtig ist, dass der Kreislauf funktioniert", sagt Homann.

Weil Erdöl aber eine begrenzte Ressource ist, hat Dom Polymer nach Alternativen gesucht und stellt nun seit 2016 auch Produkte aus Bio-Kunststoff her, auf Zuckerrohr-Basis. Kunden würden in den vergangenen Jahren auch verstärkt nach umweltfreundlichen Produkten fragen. Zuletzt hat die Firma etwa Becher aus Bio-Kunststoff für eine Kaffee-Maschine in einer öffentlichen Einrichtung hergestellt, die in der Kantine gereinigt werden können. Die Bio-Becher sind in den meisten Maschinen einsetzbar. Ein wirtschaftlicher Nachteil sei das nachhaltige Produzieren nicht. "Nur sind durch Nachforschungen Kosten entstanden", erzählt Homann. Und man lerne auch nie aus. So verarbeite die Firma immer mehr Material, das bei der Produktion übrig bleibt, weiter.

Für mehr Fairness in der Textilbranche

Unter anderem eine Gastro-Schürze, die teils aus wiederverwertetem Polyester besteht, stellt die Bamberger Berufskleidungsfirma Greiff her. Die Geschäftsführer sind Gründungsmitglieder der Vereinigung "Maxtex", die für Transparenz in der Textilbranche eintritt. In jedem Etikett ist ein Code zu finden, mit dem man im Internet die Lieferkette nachvollziehen kann. Zudem sind Produkte der Firma für mehrere Fairtrade- und Öko-Labels zertifiziert, etwa " Fairtrade Baumwolle" und "Grüner Knopf".

"Wobei Fairtrade-Baumwolle leider noch nicht in jeder Qualität ausreichend vorhanden ist", räumt Geschäftsführer Jens Möller ein. Derzeit sei etwa ein Drittel der Wolle Fair-Trade. Die Firma sei aber bestrebt, den Anteil zu erhöhen. Zwar entstehen durch die Zertifizierung für die erwähnten Labels und die 2014 eingerichtete Stelle "Umweltverantwortung" Mehrkosten für das nachhaltige Wirtschaften. Doch "ich lebe ja auch auf dieser Welt und will künftig nicht in Gummistiefeln durch Bamberg waten müssen", begründet Möller. Außerdem würde sich der Markt verändern: Während zu Beginn nur etwa Öko-Hotels auf nachhaltige Kleidung wertgelegt hätten, wird dies nun für immer mehr Kunden wichtig.

IHK: Thema Nachhaltigkeit wird immer wichtiger

Und auch Frank Lechner von der IHK schätzt, "dass das Thema Nachhaltigkeit in den kommenden Jahren enorm an Fahrt aufnehmen wird. Weil bis 2030 der Ausstoß an Treibhausgasen um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 sinken und bis 2050 Klimaneutralität erreicht werden soll. Das wird weitreichende Auswirkungen auf die Wirtschaft haben."

 

Kommentar: Bewusst weniger konsumieren