Anfang der Woche hat die Bundesregierung entschieden, besonders schutzbedürftige Kinder und Jugendliche aus den überfüllten griechischen Flüchtlingslagern im Rahmen einer europäischen Lösung aufnehmen zu wollen. Inzwischen haben Städte in Deutschland ihre Bereitschaft zur Aufnahme signalisiert. So zuletzt am Montag Würzburg.

Auch Bamberg gehört bereits zu den "Sicherer-Hafen"-Städten und engagiert sich damit gegen das Sterben im Mittelmeer und gegen die Kriminalisierung der Seenotretter. Aufgrund der aktuellen Situation an der griechischen Grenze sind sich die Oberbürgermeister-Kandidaten aller Parteien einig, dass Bamberg in der aktuellen Situation helfen sollte.

(Die meisten) Kandidaten sind sich einig

Auf unsere Frage, ob die Stadt nun auch die Bereitschaft signalisieren sollte, Flüchtlinge bzw. Flüchtlingskinder aufzunehmen, antworteten die Kandidaten eindeutig. Das Ankerzentrum (AEO) halten die Bewerber jedoch nicht für den richtigen Ort dafür.

Andreas Starke (SPD):

"Die Bilder von frierenden und hungernden Kindern berühren uns alle. Deswegen müssen wir unbedingt hilfsbereit sein und jetzt handeln, auch mit einer Aufnahme in Bamberg. Klar ist auch, dass es eine Solidarität in der kommunalen Familie geben muss, schon um die gerechte Verteilung zu organisieren. Der Schutz des Lebens der Kinder hat absolute Priorität, politisches Geschachere ist verantwortungslos und hilft niemandem."

Christian Lange (CSU):

"[...] Eine Unterbringung von unbegleiteten Kindern und minderjährigen Flüchtlingen im Ankerzentrum in Bamberg lehnen die CSU und ich ab. Kinder - und unbegleitete minderjährige Flüchtlinge - bedürfen einer besonderen Betreuung und brauchen eine geschützte Umgebung. Deshalb gibt es spezielle Einrichtungen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge - wie die ehemalige Jugendherberge Wolfsschlucht oder andere betreute Wohngruppen. Dort könnte ich mir eine temporäre Unterbringung einer kleinen Zahl von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen grundsätzlich vorstellen."

Jonas Glüsenkamp (Grüne):

"Ja, es ist ein Gebot der Menschlichkeit, jetzt zu handeln. Bamberg muss sich an einer Aufnahme beteiligen, es würde derzeit um eine zweistellige Zahl von Minderjährigen gehen. Unbegleitete können nicht einfach so und ohne Unterstützung in ein Zentrallager wie der AEO untergebracht werden. Bezirksregierung, Wohlfahrtsverbände und Kirchen sind gefordert, andere Lösungen zu finden."

Ursula Redler (Bamberger Allianz): "Kinder sind die Leidtragenden und können gar nichts dafür, was die Wirtschaft, die Politik und die Umwelt mit den Menschen anstellt. Daher gilt meine uneingeschränkte Solidarität den Kindern. Ich halte das Ankerzentrum allerdings für einen schlechten Ort für Kinder, wohl aber besser als griechische Lager. Zudem haben Kinder das höchste Integrationspotenzial."

Daniela Reinfelder (BuB):

"Flüchtlingskinder sollten wir immer und aus jedem Land der Welt aufnehmen, denn Kinder können für diese Situation nichts. Wer seine Eltern verloren hat, hat es sowie so sehr schwer und jedes Kind hat es verdient, dass man ihm hilft."

Claudia John (Freie Wähler):

"Der noch amtierende Stadtrat wurde in die Entscheidungen des Bundes und des Landes hinsichtlich der AEO eingebunden. So wie wir von Bund und Land Vertragstreue hinsichtlich des Laufzeitendes erwarten, muss dies ein künftiger OB auch dem Bund und dem Land gegenüber tun. Von daher muss ein OB jeglichen Couleurs die Entscheidungen der übergeordneten Behörden akzeptieren und mittragen. Hinsichtlich der momentanen Situation, die besonders Kinder betrifft, halte ich die AEO nicht für geeignet. Hier wäre die Wolfsschlucht besser geeignet. Die Situation an der türkisch-griechischen Grenze ist untragbar, hier muss eine Lösung gefunden werden."

Hans-Günter Brünker (Volt):

"Volt Bamberg und auch ich würden es befürworten, wenn sich die Stadt kurzfristig bereit erklärte, unbegleitete oder kranke Flüchtlingskinder aufzunehmen. Das Ankerzentrum ist für die Aufnahme solcher Kinder absolut ungeeignet. Kranke oder unbegleitete Kinder müssen dezentral aufgenommen und versorgt werden [...]. Um die kurzfristig eskalierte Situation zu erleichtern, würden wir es begrüßen, wenn Bamberg sich freiwillig bereit erklärte, auch andere Flüchtlinge aus griechischen Lagern aufzunehmen [..]"

Thomas Kellermann (Bamb. Mitte):

"Für Kinder, die entweder krank/behandlungsbedürftig oder jünger als 14 und unbegleitet sind, soll unsere humanitäre Hilfe zur Verfügung stehen. Wir können den Schwächsten, die am wenigsten für ihre Situation können, Hilfe anbieten. Verlust der Eltern, schwere Erkrankung im Kindesalter ist ein Schicksalsschlag, der uns das gebietet!"

Martin Pöhner (FDP):

"Ich halte es für sehr wichtig, dass auch Deutschland seiner humanitären Verantwortung gerecht wird, Flüchtlingskinder aus griechischen Lagern in der aktuellen konkreten Situation aufzunehmen. Selbstverständlich sollte dazu auch Bamberg beitragen und Flüchtlingskinder aufnehmen. Was ich nicht für sinnvoll halte, ist, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Ankerzentrum unterzubringen. Das ist der falsche Ort. Hier ist eine dezentrale Unterbringung in Kleingruppen gefragt. Unabhängig davon braucht es dringend eine gesamteuropäische Lösung. [...]."

Fabian Dörner (Die Partei):

"[...] Wenn man sich die Situation vor Augen führt, was gerade auf Lesbos und an der türkisch-griechischen Grenze passiert, ist eine Schande für Europa und für Deutschland. Dass wir uns vom Irren vom Bosporus so an der Nase herum führen lassen ist unglaublich und dass wir überhaupt die Frage stellen, ob man diesen Menschen helfen sollte treibt mir die Schamesröte ins Gesicht. Ja - Bamberg sollte Bereitschaft signalisieren."

Eine andere Meinung vertritt die AfD um ihren Vorsitzenden Jan Schiffers (MdL): "Nach Auffassung der AfD Bamberg wäre es falsch, wenn die Stadt Bamberg sich bereit erklärt, Migranten bzw. Migrantenkinder, die sich derzeit in einem griechischen Lager aufhalten, aufzunehmen. Dass die Lager in Griechenland überfüllt sind liegt maßgeblich an der Politik Erdogans, der einen völkerrechtswidrigen Krieg in Syrien führt und Migranten rücksichtslos als Spielball missbraucht. Wir dürfen uns von dem türkischen Despoten nicht erpressen lassen. Darüber hinaus halten wir es für falsch und verantwortungslos, Kinder von ihren Eltern zu trennen und in einem anderen Land unterzubringen."