Bamberg
Historie

Erinnerung an das Kloster der Klarissen

Ein Männerverein, die Kaiser-Heinrich-Gilde, würdigt heilige Bamberger Frauen und stiftet eine Gedenktafel.
+2 Bilder
} }
Streng genommen hat Norbert Ruß recht: "Es ist noch gar nicht so lange her, dass das Klarissenkloster niedergemacht wurde", meint der Erste Vorsitzende des Historischen Vereins Bamberg lakonisch. Tatsächlich haben erst 1991 archäologische Grabungen auf dem Klostergelände am Schillerplatz das Schiff der Klosterkirche mit vielen Gräbern freigelegt. Das war's dann. Ein Parkplatz prangt heute auf den historischen Gemäuern.
Überhaupt erinnert so gut wie nichts an das ehrwürdige Klarissenkloster (1340-1803), dessen Kirchenruine 1939 abgerissen wurde. Außer den Straßennamen "Nonnenbrücke", "Nonnengraben" und "Clarissenweg" gemahnt nur der 1956 von Robert Haderlein geschaffene Klara-Gedenkbrunnen auf dem alten Klostergelände vor dem Gebäude des Landwirtschaftsamtes an die Klarissen.

Die Kaiser-Heinrich-Gilde macht es sich nun zur Aufgabe, dem Bamberger Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen. In seinem 60. Gründungsjahr stiftet der katholische Männerverein eine Gedenktafel, die am letzten noch verbliebenen Gebäude des Klosters, das ehemalige Gesindehaus am Schillerplatz 13, angebracht wird. Norbert Ruß, der auch Mitglied in der Kaiser-Heinrich-Gilde ist, sorgte für die Genehmigungen der Denkmalpflege und des Eigentümers, der Landwirtschaftsschule.

"Geistliche Institution"


Bibliotheksdirektor i.R. Werner Zeißner, Vorsitzender der Kaiser-Heinrich-Gilde, spricht vom Klarissenkloster als "geistliche Institution der Vergangenheit". Die Gedenktafel solle die Verwurzelung seines Vereins in der christlichen Tradition zum Ausdruck bringen. Vielmehr jedoch solle darauf hingewiesen werden, dass in dem ehemaligen Kloster zwei Nonnen gelebt haben, die im Rufe der Heiligkeit starben und über Jahrhunderte hinweg auch als Heilige in Bamberg verehrt wurden: nämlich die Klosterstifterin Katharina Zollner und die Äbtissin Dorothea von Brandenburg.

Historiker wie Professor Franz Machilek, früherer Direktor des Staatsarchivs in Bamberg, oder die Bambergerin Elke Tkocz haben sich in wissenschaftlichen Publikationen und in einer Dissertation ausgiebig diesen beiden Nonnen gewidmet. Doch es ist das Verdienst von Professor Franz Kohlschein, in akribischer Erforschung unterschiedlicher Quellen wie dem "Martyrologium Franciscanum" die Verehrung von Katharina Zollner und Dorothea von Brandenburg als Heilige bis 1954 nachgewiesen zu haben. "Das Andenken an die beiden Frauen muss wiederhergestellt werden", sagt Kohlschein, der ebenfalls zur Kaiser-Heinrich-Gilde gehört. Da die Verehrung an den Klosterkonvent als Träger und die Gräber als Ort gebunden waren, und das Wissen um die beiden Heiligen in der Bischofsstadt Bamberg fehlte, "sind sie aus dem Gedächtnis verschwunden".

Franz Kohlschein, langjähriger Liturgiewissenschaftler an der Bamberger Universität, hat seine Vereinsmitglieder mit seiner Leidenschaft für zwei heilige Bambergerinnen angesteckt. Erste Frucht ist die Gedenktafel. Und dann kommt der nächste Schritt. Erzbischof Ludwig Schick soll davon überzeugt werden, Katharina Zollner und Dorothea von Brandenburg in das Diözesanproprium aufzunehmen, in den regionalen Heiligenkalender. Mit einer gewissen Spitzfindigkeit könnte das als diözesane Wiedergutmachung gelten. Das Diözesanmuseum hat lange Zeit im Depot zwei Schädel mit weiteren Gebeinen ohne Vermerk der Herkunft und Zugehörigkeit aufbewahrt. Sie wurden um 1991 im Innenhof des Domkreuzgangs mit anderen im Dom und in der Nagelkapelle gefundenen Gebeinen mit bestattet. Franz Kohlschein vermutet, dass es sich bei diesen anonym beigesetzten Gebeinen um die Funde aus der Ausgrabung an den freigelegten Fundamenten der Klarissenkirche im Jahr 1958 gehandelt hat. "Wenn dies so ist, führte die vermutliche Wiederauffindung der Gebeine der beiden Seligen durch die mangelnde Kennzeichnung im Depot des Diözesanmuseums statt zu einer würdigen Beisetzung zum endgültigen Verlust", bedauert Kohlschein.

1958 sind die Skelette auf Veranlassung des Erzbischöflichen Generalvikariates in Anwesenheit des damaligen Kaplans von St. Martin, des späteren Professors und heutigen Kardinals Walter Brandmüller, aus der Mitte des Chorraumes geborgen worden. Sie sollten mit entsprechenden Beurkundungen in einem gekennzeichneten Grab auf dem Bamberger Friedhof beigesetzt werden. "Doch ich habe weder Unterlagen zum Verbleib der Gebeine noch zu einem entsprechenden Grab ausfindig gemacht", erklärt Professor Kohlschein.
Immerhin ist die Tumba des einstigen Grabes von Katharina Zollner no ch erhalten. Vom Historischen Verein Bamberg aufwendig restauriert, schlummert die Grabplatte im Depot des Historischen Museums. Norbert Ruß nennt dieses Faktum zwar "idealer Depotzustand". Doch Franz Kohlschein würde das wertvolle Stück lieber in die Pfarrkirche St. Martin verbringen. Auf dem Pfarrgebiet war einst das Klarissenkloster be heimatet. Museumschefin Regina Hanemann meint dazu nur: "Wir führen nicht alles zurück, nur in den seltensten Fällen wie die Nofretete."
Lesen Sie auch