Bei einem Spaziergang durch das Bamberg des Jahres 1300 schlendern oder von oben auf die Dächer der historischen Altstadt herabblicken - was sich unmöglich anhört: Das "4D-Stadtmodell: Bamberg um 1300" macht es möglich. Das Modell ist eines von 38 Exponaten, die derzeit auf der MS Wissenschaft ausgestellt sind. Die Ausstellung auf dem Schiff legt von Freitag, 29. August, bis Sonntag, 31. August, an der Bamberger Schleuse an und soll die Besucher von der Vielfalt der technischen Möglichkeiten begeistern.

Ob laufende Roboter, Datensicherheit oder das Aufspüren von schwarzen Löchern - die technische Vielfalt steht in diesem Jahr unter dem Motto "Wissenschaft im Dialog". Der Dialog verschiedener Forschungsdisziplinen wird vor allen Dingen im Bamberger Beitrag deutlich. Hier arbeiteten Archäologie, Denkmalschutz und Informatik zusammen. Herausgekommen ist ein 4D-Stadtmodell.
Das digitale Modell erlaubt den Besuchern der Ausstellung, mit Hilfe eines Computerterminals einen Spaziergang durch die Stadt zu machen und die moderne technische Umsetzung eines Stadtmodells zu bestaunen.

"Die Besucher können einen virtuellen 3D-Rundgang durch die Stadt machen. Außerdem wurde hier eine vierte Dimension ergänzt - die der Zeit", erklärte Bürgermeister Christian Lange (CSU) bei der Vorstellung.

Und zwar um die Zeit um 1300. In diese Zeit fällt der Schwerpunkt des Bamberger Weltkulturerbe. Um diese Epoche Touristen und Einheimischen sichtbar und besser greifbar zu machen, wurde jetzt ein Modell entwickelt. Seine Umsetzung erfolgte in Zusammenarbeit zwischen der Stadt Bamberg und der Otto-Friedrich-Universität. Im Jahr 2008 wurde der Plan gefasst, einen Stadtplan in digitaler Form umzusetzen. Bislang wurden drei Zeitebenen umgesetzt. Neben der Zeit des 14. Jahrhunderts wurde ein Stadtplan aus dem Jahr 1602 dreidimensional nachgestellt, ebenso wie das aktuelle Stadtbild.

Gerade die Zeit um 1300 war eine Herausforderung. "Aus dieser Zeit ist vieles unbekannt, aber trotzdem haben wir es ganz gut umgesetzt", erklärt Prof. Stefan Breitling von der Otto-Friedrich-Universität. Um den Besuchern deutlich zu machen, was als sicher bekannt gilt und was noch als hypothetisch gilt, wurden verschiedene Genauigkeitsstufen eingeführt und im Modell sichtbar gemacht. Bei der Umsetzung wurden originale Grabungspläne verwendet, die auch einen Blick ins unterirdische Bamberg erlauben.

Wer sich genau mit dem Modell beschäftigt, wird nicht nur auf die architektonischen Besonderheiten der Zeit aufmerksam, sondern auch auf soziale und kulturelle Zusammenhänge des Mittelalters.

Aber nicht nur für einen Blick in die Vergangenheit ist das Modell nützlich. Das aktuelle Modell bietet viel Potenzial. Neben touristischen Rundgängen und wissenschaftlichen Möglichkeiten im Bereich Archäologie und Geschichte profitiert auch die Stadtplanung davon.

"Eine ganze Stadt als Weltkulturerbe ist zwar schön, bietet aber auch Herausforderungen", weiß Regierungspräsident Wilhelm Wenning (CSU). "Sie kann nicht als Museum genutzt werden, sondern muss zum Leben da sein."

"Unsere Pflicht und Aufgabe ist es nicht nur das bestehende Weltkulturerbe zu erhalten, sondern es in die Zukunft zu entwickeln", ergänzt Bürgermeister Lange. Der Wandel stelle aber gerade die Stadtentwicklung immer wieder vor Herausforderungen. Hier könne das Modell helfen, zukünftige Bauprojekte durch das Modell zu erleichtern und besser in das gesamte Stadtbild einzupassen.

Das Modell ist nicht nur auf der MS Wissenschaft zu sehen, sondern soll auch in Zukunft den Touristen der Stadt Bamberg dauerhaft zugänglich sein.