Doch, doch: spannend erzählen kann Andreas Englisch. Er plaudert mit dem Fränkischen Tag am Telefon so flüssig über die Untiefen des Vatikans, als ob er direkt im Nähkästchen von Papst Franziskus hocken würde. Nun, schließlich gilt der ehemalige "Bild"-Reporter in einschlägigen Kreisen als Vatikan-Experte. So manche große Schlagzeile verdankte des Deutschen liebstes Revolverblatt der flotten Feder dieses Wahl-Römers. Und Bestseller-Autor ist Andreas Englisch obendrein: Seine Biografien der Päpste Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus sowie seine Romane erreichen hohe Auflagen.

Ein ehrfürchtiger Kotau vor diesem etwas eitlen Zeitgenossen ist dennoch nicht nötig. Denn wer sich im Kirchenstaat auch nur ein wenig auskennt, weiß nur zu gut, dass der Kennerschaft von angeblich intimen Details offene Geheimnisse zugrunde liegen, die gern an Hotelbars kolportiert und zusammengelauscht werden.


Doch auch wenn Andreas Englisch sicher keinen Zugang zum innersten Zirkel des Vatikans hat, verspricht seine Mitwirkung an einem bayernweit einmaligen Ereignis ein an Pointen reicher Genuss zu werden: Der Journalist moderiert das Konzert, das Chor und Orchester der römischen Diözese des Papstes - Franziskus ist ja auch Bischof von Rom - am 24. Juli 2015 in der Brose-Arena geben. Kapellmeister Monsignore Marco Frisina hatte die Idee zu diesem besonderen Unterfangen. Denn nur selten dürfen der Chor und das Orchester Konzerte geben, dessen Karten frei verkäuflich sind.

Nur vier Konzerte in Deutschland

Doch anlässlich des 30-jährigen Bestehens dieses hochkarätigen Klangkörpers geht der Monsignore mit über einhundert Musikern, Chorsängern und Solisten auf Tournee. Die Aufführung in Bamberg ist eines von vier Konzerten in Deutschland. Die Musik alter Meister wie Mozart, Bach oder Beethoven soll das Publikum verzaubern. Aber auch Eigenkompositionen Frisinas wird das Ensemble vortragen: kirchliche Lieder und Oratorien, die der Theologe und studierte Musiker für Johannes Paul II. und Benedikt XVI. komponierte. Für seine Filmmusik zu "Joseph of Nazareth" gewann Frisina den internationalen Musikpreis Grammy.

Üblicherweise treten der Chor und das Orchester bei den Generalaudienzen des Heiligen Vaters auf dem Petersplatz in Erscheinung, bei Gottesdiensten mit dem Papst, auf dessen Reisen und bei den Weltjugendtagen. Auch am Heiligen Abend haben die Musiker um 24 Uhr die Christmette in der Lateranbasilika gestaltet, also in dem offiziellen Sitz des Papstes in seiner Funktion als Bischof von Rom.

Zuvor machte es sich Andreas Englisch mit Kollegen auf einem der sieben Hügel Roms bequem, von dem er einen direkten Blick auf den Apostolischen Palast hatte. Da Papst Franziskus nicht darin wohnt, wurden wohl Erinnerungen an Johannes Paul II. wach, der am Heiligen Abend einen Brauch seiner polnischen Heimat pflegte: "Wenn der erste Stern am Himmel stand, hat er eine brennende Kerze ins Fenster gestellt. Ich sehe noch seine weiße Hand!", erzählt Andreas Englisch hörbar ergriffen.

Franziskus und die Stadtstreicher

Mit Benedikt XVI. seien dann bayerische Weihnachtstraditionen in den Vatikan eingezogen. Und was hat der Argentinier Jorge Mario Bergoglio am Heiligen Abend gemacht? "Papst Franziskus hätte am liebsten Stadtstreicher eingeladen oder in einem Slum gefeiert, wo er seinen Platz sieht", kommt prompt die Antwort von Englisch. Franziskus sei "kein Weihnachtspapst, ihm geht es um Frieden und nicht um Konsumorgien".

Ja, gibt es denn Weihnachtsfrieden im Vatikan? Singt die Kurie einstimmig "O du fröhlicher Vatikan"? Wo doch so viel ventiliert wird über Kardinäle und sonstige Größen, die Papst Franziskus wenig gesonnen sind und seine Reformbestrebungen konterkarieren.

"Das Hauen und Stechen geht weiter", will Andreas Englisch wissen, "der Druck der konservativen Fraktion schwelt und ist nicht vom Tisch". Gerade "einzelne Seiten sind unversöhnlicher denn je", wie etwa der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, oder Kardinal Walter Brandmüller und "ein paar Italiener".


Ratzingers Einfluss

Ganz "Vatikan-Experte", reichen die Ohren von Andreas Englisch auch bis zu Papst emeritus Benedikt, "der Gegenpapst mit seinen Verbündeten". Der Theologe Joseph Ratzinger "übt Einfluss aus und zieht seine Strippen", wie das in dessen jüngst revidierten Standpunkt bei der Zulassung geschiedener Wiederverheirateter zur Kommunion deutlich geworden sei oder im Umgang mit dem Limburger Bischof Tebartz-van Elst. Gleichwohl "wird sich im nächsten Jahr etwas tun in den Brandthemen wiederverheiratete Geschiedene, Homosexuelle, Verhütung, Papst Franziskus hat ja schon eine Revolution mit seinem einfachen Lebensstil bewirkt", ist sich Englisch sicher.

Ebenso zuversichtlich gibt er sich, dass "in der Ökumene etwas geht, weil Papst Franziskus ein lockeres Verhältnis zu anderen Konfessionen am Herzen liegt". So hält es Englisch für denkbar, dass Papst Franziskus zum 500. Reformationsgedenken im Jahr 2017 nach Deutschland reist, "obwohl er nicht gern reist und nicht einmal eine Reise in sein Heimatland plant".

Die Feiertage verbrachte Englisch mit seiner Familie in Rom. Die Ewige Stadt erstrahlt weiterhin im weihnachtlichen Lichterglanz, wie er sagt. Glaubt man auch hier dem Experten, dann steht aber Bamberg in dieser Hinsicht Rom in nichts nach: "Sie wohnen in so einer wunderschönen Stadt, ich habe einen Freund in Bamberg", flötet es aus dem Telefonhörer. "Genießen Sie Bamberg und die Weihnachtszeit!", verabschiedet sich Andreas Englisch. Bis zum Konzertereignis im Juli in der Brose Arena ...

Veranstalter des Jubiläumskonzerts in Bamberg von Chor und Orchester der römischen Diözese des Papstes ist Thomann Management (Burgebrach), Tel. 09546 / 9449-0.

Tickets für das Konzert gibt es ab sofort dort und in den Geschäftsstellen des Fränkischen Tages oder im Internet unter www.eventim.de.