Nicht nur über dem Jugendzentrum haben sich - wie dieser Tage berichtet - dunkle Wolken zusammengebraut, auch über andere Einrichtungen, die der "Netzwerk e. V. für Kinder und Jugendliche" in den zurückliegenden drei Jahrzehnten aufgebaut hat, schweben Fragezeichen: Der langjährige Vorsitzende Klaus Busch ist am 19. Januar zurückgetreten und zwar im Zusammenhang mit seinen Aktivitäten an der Spitze eines im Vorjahr von ihm und dem vormaligen Bürgermeister Andreas Schlund neu gegründeten "Netzwerk e. V. Hirschaid". Aus diesem Verein wiederum formierte sich die "Netzwerk soziale Dienste - gemeinnützige GmbH", geleitet von Klaus Busch. Diese gGmbH trat bereits in wichtigen Aufgabenbereichen in Konkurrenz zum Altverein.

Weitere Kalamitäten: Auch der bisherige Zweite Vorsitzende Heinz Rotermund und Kassier Thomas Henning hatten ihren Rücktritt erklärt. Erst im August 2014 waren Vorstand und Aufsichtsrat des Netzwerk e. V. neu gewählt worden. Damals hat Klaus Busch - was er heute bedauert - nicht auf die Existenz des neuen Vereins und seines gemeinnützig operierenden Ablegers aufmerksam gemacht. Auch nicht, dass er ebenfalls dessen Vorsitzender und zum damaligen Zeitpunkt auch dessen Geschäftsführer war.

Busch behauptet, dass die Abspaltung mit dem von 2011 bis 2014 amtierenden Vorstand und Aufsichtsrat des Netzwerk e. V. besprochen war. Kurios ist dabei noch, dass der neue Verein am 11. Januar 2014 gegründet worden war. Busch wurde damals Erster und der damalige Bürgermeister von Hirschaid, Andreas Schlund, stellvertretender Vorsitzender. Diese Entwicklung blieb in der Marktgemeinde verborgen. Selbst das Personal wusste lange nicht, wer gerade sein Arbeitgeber sei.

So saß denn am Montagabend eine außerordentlich einberufene Hauptversammlung vor einem Scherbenhaufen. Dennoch gelang es unter Leitung des einzig noch amtierenden Funktionärs, des Schriftführers Rico Hellebrandt, einen neuen Vorstand zu wählen und den Aufsichtsrat zu ergänzen. Der jedem Hirschaider vertraute Netzwerk e. V. wird also weiterhin bestehen. Was er künftig leisten will und kann, das wird sich zeigen, wenn der neue Vorstand Kassensturz gemacht und die Scherben beseitigt hat. Der Versammlung wurde weder ein Jahresbericht des alten Vorstands noch ein Kassenbericht vorgelegt; somit konnte auch keine Entlastung erteilt werden.

Das Mitglied Markus Reichelt nannte die Aufsplitterung des Vereins "eine Sauerei" und forderte, reinen Tisch zu machen, eine saubere Lösung zu suchen. Der Netzwerk-Beauftragte des Marktgemeinderats, Udo Wüst (Freie Wähler), bestätigte der Versammlung, dass die jüngste Vereinsgeschichte mit einem "Gschmäckle" behaftet ist. Der Gemeinderat wolle aber weiterhin den Netzwerk e. V. unterstützen, versicherte er.

Weiter wurde bekannt, dass sich der Aufsichtsrat des Netzwerk e. V. unlängst entschloss, dem bisherigen Geschäftsführer des Vereins, Christoph Busch (Sohn des langjährigen Vorsitzenden), einen Aufhebungsvertrag anzubieten, den dieser auch annahm. Nach Informationen unserer Zeitung war das Vertrauen in den Geschäftsführer zerstört, weil er angeblich auch für den von seinem Vater und gegründeten Verein tätig war. Busch senior bestreitet das; er selbst übe die Geschäftsführung ehrenamtlich aus, sagte er dem FT.

Christoph Busch tritt am 1. April seine neue Teilzeitstelle als Geschäftsführer der "Netzwerk soziale Dienste gGmbH" an. Und der neue Vorstand des Netzwerk e. V. bemüht sich derweil um die Neubesetzung der vakanten Geschäftsleitung. Ohne hauptberufliche, qualifizierte Kraft an der Spitze kann ein Verein wie das Netzwerk, der in mehreren Kindertagesstätten, Jugendzentrum, Familien- und Jugendzentrum usw. 43 Mitarbeiter beschäftigt, nicht geleitet werden. Immerhin wird jährlich ein Budget von rund 1,4 Millionen Euro verwaltet. Es setzt sich aus Elternbeiträgen, in hohem Maße aber aus Zuwendungen des Staates und der Marktgemeinde sowie aus Sponsorengeldern zusammen.

Schriftführer Rico Hellebrandt wies darauf hin, dass der Netzwerk e. V. in den letzten fünf Jahren einen Mitgliederschwund von 349 auf 258 hinnehmen musste. Bei 40 anwesenden Mitgliedern war dennoch satzungsgemäß die erforderliche Beschlussfähigkeit gegeben.

Hellebrandt informierte, dass ohne Beschlussfassung des Netzwerk e. V. die Betreuung der gebundenen Ganztagsklasse sowie der offenen Ganztagsklasse und ferner die Mensa der Mittelschule Hirschaid an den im letzten Jahr neu gegründeten Verein abgegeben worden seien.

Das Gleiche gelte für die Mittagsbetreuung der Schüler in Sassanfahrt und Hirschaid, für die Jugendsozialarbeit in Hirschaid und Strullendorf sowie die offene und gebundene Ganztagsschule mit ihrer Hausaufgabenbetreuung in der Realschule Hirschaid. Dazu konnte es kommen, weil diese Dienstleistungen jährlich neu vergeben werden. Zuletzt hat sich offenbar allein die gGmbH um diese Aufgaben beworben. Ob allen Auftrag- und Zuschussgebern wussten, dass eine neu gegründete Organisation im Spiel war, bedarf der Aufarbeitung auf der kommunalpolitischen Bühne Hirschaids. Die Frage einer Teilnehmerin der Hauptversammlung, auf welchem Wege denn nun ihr Elternbeitrag für die Mittagsbetreuung ihres Kindes an den richtigen Adressaten gelange, konnte ad hoc nicht beantwortet werden. Aber es festigte sich die Ansicht, dass bei all den Unwägbarkeiten die Kinder, Jugendlichen und Familien, die vom Netzwerk betreut werden, nicht benachteiligt werden dürfen.

Es gilt laut Hellebrand auch, den Anbau des Waldkindergartens in Röbersdorf fertigzustellen und Pläne für die Generalsanierung des denkmalgeschützten Kindergarten-Altbaus sowie für die Erneuerung des vor 35 Jahren entstandenen Kinderhauses zu beginnen.

An die Arbeit macht sich nun der neue Vorstand: Zum Ersten Vorsitzenden wurde bei nur einer Enthaltung der Ingenieur Rüdiger Herzog gewählt. Als Stellvertreter erhielt der Rechtsanwalt Ralf Kämmer einen überzeugenden Vertrauensbeweis. Und Thomas Henning, ebenfalls Anwalt, stellte sich wieder als Kassier zur Verfügung; er wurde mit 35 Stimmen bei vier Enthaltungen bestätigt. Da Kämmer vom Aufsichtsrat in den Vorstand wechselte, war eine Nachwahl erforderlich. Neu in den Aufsichtsrat rückt die Verwaltungsjuristin Nadja Kulpa-Goppert ein. Weitere Aufsichtsratsmitglieder sind Margit Lerch, Reiner Hofmann und als Vertreter der Marktgemeinde Udo Wüst.

Klaus Busch, der krank und dienstunfähig nicht an der außerordentlichen Hauptversammlung teilnehmen konnte, äußerte sich gegenüber dem FT zu der Entwicklung, die nach seinem 28-jährigen Engagement für Netzwerk e. V. zu dem Bruch führte. Quintessenz: Busch war es leid, den Geldern nachzulaufen, die dem Verein seitens der Marktgemeinde gemäß einem Defizitvertrag zustanden. Wiederholt habe er persönlich beim neuen Kämmerer Christian Kropfelder, vorstellig werden müssen, um die Mittel loszueisen und das Personal entlohnen zu können. Busch hatte offenbar das Ziel, die kostenrechnenden Einrichtungen - also die Aktivitäten zur Betreuung der Schüler, das Familien- und Jugendzentrum - auf die neue gGmbH zu übertragen und der Gemeinde gewissermaßen den defizitären Betrieb der Kindertagesstätte vor die Füße zu kippen. Allenfalls strebte Busch an, den Kita-Betrieb einer anderen, neuen gGmbH zu übertragen, denn auf der Basis eines gemeinnützigen Vereins könne eine solche Einrichtung weder personell, noch fiskalisch oder organisatorisch bewältigt werden, meint Busch heute.

Der im August 2014 gebildete Vorstand des Netzwerk e. V. und dessen ebenfalls neuer Aufsichtsrat wollten sich diesem Konzept, das auch eine übergreifende Geschäftsführung vorsah, nicht anschließen. Es kam zum Bruch. Der Netzwerk e. V. steht vor einem Neuanfang und die "Netzwerk soziale Dienste gGmbH" akquiriert im westlichen Landkreis, um ihre Auslastung zu verbessern.