"Wir suchen keine Hilfssheriffs!" Das ist Polizeihauptkommissar Gerald Storath wichtig. Und tatsächlich könnte ja zunächst ein falscher Eindruck entstehen, wenn man das Wort "Sicherheitswacht" hört: Handelt es sich etwa um unterbeschäftigte ältere Damen und Herren, die jedem Falschparker aufgebracht mit der Polizei drohen und Fahrradfahrer als rücksichtslos beschimpfen?

Diese Vorstellung ist gleich in mehrfacher Hinsicht falsch: Denn erstens, so Polizeihauptkommissar Josef Kröner, "bestellen wir nur Leute zwischen 18 und 60". Das maximale Einsatzalter liege dann bei 65, ergänzt Storath. Und zweitens entspricht "Hilfssheriff" so gar nicht dem Selbstverständnis der Ehrenamtlichen, die sich bei der Sicherheitswacht engagieren: "Wir sind ein Bindeglied zwischen Bürgern und Polizei", erläutert Roswitha Wich, die schon seit 2009 dabei ist und heute zusammen mit ihrem Kollegen Klaus Steger unterwegs ist.

Es
komme darauf an, "den Dialog zu suchen", so Storath, der zusammen mit Kröner die zur Zeit neun Ehrenamtlichen der Sicherheitswacht betreut. Sein Kollege spricht vom "mündigen Bürger", davon, "Verantwortung zu übernehmen" und "nicht wegzuschauen".

Das klingt zunächst ziemlich abstrakt. Klaus Steger und Roswitha Wich erkären jedoch, was ganz konkret ihre Aufgaben sind: "Zum Schuljahresbeginn machen wir Schulüberwachungen vor den Grundschulen, achten auf die Geschwindigkeit der Autofahrer. Wir begleiten Martinszüge, Demonstrationen, helfen bei der Suche nach Vermissten, kontrollieren Brennpunkte..."

Solche Brennpunkte, so Steger, seien aktuell zum Beispiel das Weegmannufer unter der Kettenbrücke, da dort in letzter Zeit wiederholt Graffiti auftauchten. Im Sommer kommen der Maxplatz hinzu oder der Musikpavillon und die Liegewiesen und Grillplätze im Hain. "Aber", so fügt Wich hinzu, "wir werden natürlich auch oft von Touristen angesprochen und nach dem Weg gefragt."

Um die Fahrradfahrer in der Fußgängerzone kümmern sie sich natürlich auch. Aber nicht streng und mit Drohungen, sondern, wo immer möglich mit Gesprächen, in denen sie an die Einsicht der Falschfahrer appellieren. "Wir greifen nicht voll ein", erläutert Wich. "Wir halten uns eher zurück und rufen, wenn nötig, die Streife."

Und Storath ergänzt: "Die Sicherheitswacht dient hauptsächlich der Abwehr von Gefahren, nicht der Strafverfolgung." Heißt im Klartext: "Wenn ein Polizist auf Streife zum Beispiel gegen die Fahrradfahrer in der Fußgängerzone vorgeht, ist er ja im Dienst und muss das gleich als Ordnungswidrigkeit verbuchen. Die Sicherheitswacht kann dagegen erst einmal erklären, warum sich derjenige anders verhalten sollte."

Im Zweifelsfall dürfen die Ehrenamtlichen jedoch auch einen Platzverweis aussprechen. Damit es dazu aber möglichst nicht kommt, lernen die Ehrenamtlichen in ihrer Ausbildung, wie man Situationen deeskaliert, aber auch eine Einführung ins Strafrecht steht auf dem Stundenplan.

Danach ist man laut Steger "etwa 17 Stunden im Monat unterwegs, immer drei Stunden am Stück." Der Dienstgruppenleiter der Polizei bestimme dabei das Einsatzgebiet, aber einen festen Partner oder ein festes Revier habe keiner: "Das ist - in Absprache mit dem Dienstgruppenleiter - alles flexibel!"

Nachwuchs gesucht

Wer sich jetzt angesprochen fühlt, zuverlässig, körperlich fit und wetterfest ist, zwischen 18 und 60 Jahre alt ist und außerdem "einen guten Leumund hat", so Kröner, "kann sich noch bis Ende Februar bei der Polizei Bamberg in der Schildstraße bewerben." Dabei reiche es aus, seinen Personalausweis vorzulegen und seine Kontaktdaten zu hinterlassen - Kröner oder Storath laden die Interessenten dann zu einem kleinen Bewerbungsgespräch ein.

Als Belohnung für das ehrenamtliche Engagement gibt es eine Aufwandsentschädigung, während des Dienstes freie Fahrt in den Bamberger Stadtbussen - und die Anerkennung und Akzeptanz der Bevölkerung: Noch während des Interviewtermins tritt eine Autofahrerin an Steger und Wich heran, deren Ein-Euro-Münze der Parkautomat immer wieder ausspuckt. Die beiden Sicherheitswachtler können mit zwei Mal fünzig Cent aushelfen, und die Autofahrerin bedankt sich glücklich...