Gesellenvater Adolph Kolping (1813-1865) hätte sicher seine Freude an der großen Gemeinschaft, die sich in diesen Tagen auf den Weg durch den Gottesgarten am Obermain macht. Besuchte er doch in den Jahren 1856 und 1858 die Region und Bamberg. War es doch gerade dieser Sozialreformer, der seinen Schützlingen immer wieder Mut zum Bekenntnis in Wort und Tat machte. Die 48. Internationale Kolping-Friedenswanderung mit fast 300 Teilnehmern aus zehn europäischen Nationen vom heutigen Donnerstag bis Sonntag, 2. August, ist so ein Ausdruck des Willens, sich für den Frieden und die Freiheit in der Welt einzusetzen.

Keine Geringere als die Mutter aller Kolpingsfamilien im Erzbistum Bamberg lädt zum Pilgern ein. Nämlich die Kolpingsfamilie Bamberg, die aus dem 1855 gegründeten ersten katholischen Gesellenverein in der Stadt entstanden ist. "Wir wollen unseren 160.
Geburtstag aber nicht eigens feiern, sondern haben dafür die Organisation der Friedenswanderung übernommen", erklären Wolfgang Burgis, Vorsitzender der Kolpingsfamilie, und seine Ehefrau Regina, die Mitglied im Vorstand ist.

Immerhin hätten 170 Bamberger Kolpinger im Alter von vier bis neunzig Jahren in ihrem Kolpinghaus am Mittleren Kaulberg ein zünftiges Fest hinlegen können. Zumal auch Geselligkeit in diesem familienhaften Verband groß geschrieben wird. Doch es soll gewandert, gesungen, gebetet werden unter dem Leitwort "Frieden braucht Mut", und zwar von Vierzehnheiligen aus erst zur ehemaligen Benediktinerabtei Banz und dann zum sagenumwobenen Staffelberg. Natürlich gehört ein feierlicher Eröffnungsgottesdienst in der Basilika Vierzehnheiligen zum Programm, zu dem Erzbischof Ludwig Schick heute um 17 Uhr kommt. Konzelebranten sind unter anderen Pfarrer Heinz Oberle, Präses der Kolpingsfamilie Bamberg, und Diözesanpräses Wilfried Wittmann. Den Abschlussgottesdienst am Samstag, 18 Uhr, feiert Generalpräses Ottmar Dillenburg.

Die beiden eingefleischten Kolpinger Wolfgang und Regina Burgis - "einmal Kolping, immer Kolping!" - freuen sich darauf, dass die internationalen Gäste auch mit den typischen Kolping-Bannern vertreten sein werden. "Unsere Farben sind orange und schwarz", so der Vorsitzende. Orange stehe für Lebensfreude, schwarz für Lebensernst. Aus dem farblichen Rahmen fällt jedoch die Kolpings-Friedensfahne, die von Land zu Land weitergereicht wird, also jeweils zum Ausrichter der nächsten Friedenswanderung. So war zum Beispiel Litauen im vergangenen Jahr an der Reihe, 2016 wird es Tschechien sein.

Das Ehepaar Burgis blickt zurück auf die seit nunmehr 48 Jahren ununterbrochen gelebte Tradition der Kolping-Friedenswanderung, "die älteste regelmäßig durchgeführte Veranstaltung des Kolpingwerkes in Europa". Die erste Wanderung fand 1968 in der Schweiz im Gedenken an den großen Friedensstifter Niklaus von Flüe statt: "Wer einmal dabei war, wartet schon auf die nächste Wanderung", wissen die Burgis'.

Dass sich die Kolpingsfamilien den brennenden Nöten unserer Zeit nicht verschließen, beweist die Bestimmung der Kollekten in Vierzehnheiligen: Sie sollen dem Kolpingverband Ukraine zugute kommen, der sich in verschiedenen Projekten um Flüchtlinge aus der Ostukraine kümmert, besonders um Familien mit kleinen Kindern. Wolfgang Burgis: "Als katholischer Sozialverband fördert das Kolpingwerk solidarisches Handeln."
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Foto: Marion Krüger-Hundrup
2. Und 3.