Stadtbrandrat Matthias Moyano sagt klar, was er nicht will: "Es kann nicht sein, dass wir in Zukunft einen Voraustrupp schicken müssen, der Schirme zu macht und Tische aus dem Weg schiebt." Noch sei es nicht soweit, sagt der Feuerwehrmann und betont: "Die meisten Gastronomen halten sich an die Abmachungen." Dieser eine Fall sei noch zu verschmerzen. "Aber wenn's dann zwei oder drei Schirme werden, geht das Theater los."

Worauf Moyano anspielt: Ende Mai war die Feuerwehr zu einem Zimmerbrand in der Dominikanerstraße gerufen worden. In der Sandstraße konnte das Feuerwehrauto allerdings nicht gleich durchfahren, da auf der einen Straßenseite ein Auto geparkt war, auf der anderen ein Sonnenschirm eines Gastronomiebetriebes stand.


"Der Punkt ist", so Stadt-Pressesprecherin Ulrike Siebenhaar, "dass so ein Schirm früher ein leichter Sonnenschirm war. Heute sind das oft große Metallschirme mit breiter Spannweite, die sich nicht mal eben schließen lassen. Manchmal muss man erst noch kurbeln."

Auch der Schirm auf dem in der Dominikanerstraße hat sich nicht einfach einklappen lassen, sondern "musste von der Feuerwehr entfernt werden", wie Moyano sagt. Zwar habe sich der Einsatz nur kurz verzögert. "Aber trotzdem muss erst einer aussteigen und an dem Schirm rum fummeln."

Rettungsgasse von 3,50 Meter ist Pflicht

Dabei muss die Feuerwehr eigentlich immer durchkommen. Eine Rettungsgasse von 3,50 Meter ist Pflicht, damit die großen Feuerwehrautos durchpassen. Zusätzlich gibt es links und rechts noch einen je ein Meter breiten "Seitenstreifen". Den brauchen die Rettungskräfte, wenn sie ihre Geräte ausladen oder Seitenstützen am Fahrzeug ausfahren, um die Drehleiter in Stellung bringen.

"Die Feuerwehr macht schon Zugeständnisse, indem wir im Seitenstreifen Gegenstände akzeptieren, die leicht zu transportieren sind", sagt Moyano. Das sei etwa ein einfacher Bistrostuhl aus Holz oder Metall. Aber: "Mittlerweile ist massives Mobiliar im Kommen und Schirme, die bis zu vierzig Kilo wiegen." Pressesprecherin Ulrike Siebenhaar fügt hinzu: "So langsam spürt man eine gewisse Nachlässigkeit, sich an die Vereinbarungen zu halten."

Vereinbarungen aus dem Jahr 2008, wie Markus Schäfer, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft "InteresSand", weiß. Er findet: "Die Gastronomen kennen die Konflikte. Das war jetzt ein unglücklicher Fall, man sollte die Lage nicht überdramatisieren." Laut Schäfer wollen die Gastronomen nicht alle über einen Kamm geschoren werden. "Der Großteil hält sich dran."

Seit Anfang Juni führt die Stadtverwaltung nun Gespräche mit jedem einzelnen Gastronomen im Sandgebiet, um an den Kompromiss mit Feuerwehr und Stadt zu erinnern, wie Ulrike Siebenhaar sagt. "Vielleicht sind die Vorgaben manchem nicht bewusst oder eine Bedienung stellt mal was falsch auf?"

"Sicherheit nicht diskutierbar"

Der Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes Bamberg, Volker Wrede, stellt klar: "Sicherheit geht auf jeden Fall vor. Die Durchfahrtsbreite ist nicht diskutierbar." In Bezug auf den einen Meter breiten Randstreifen sagt er allerdings: "Es gibt immer Leute, die halten sich dran. Dann gibt es welche, die halten sich nicht ganz dran. Und dann gibt's welche, die übertreiben's."

Andererseits stelle sich die Frage, ob nicht teilweise Haarspalterei betrieben werde. "Geht es darum, dass das Feuerwehrauto durchkommt? Oder von welchem Messpunkt aus genau die Durchfahrtszone fest gelegt wird?" Es sei durchaus kompliziert, was wo gemessen werde.

Grundsätzlich gebe es zwischen Feuerwehr und den Gastronomen aus dem Sand keine großen Reibungspunkte. Man sei in den aktuell laufenden Gesprächen mit der Stadt in einem guten Dialog.

Darin geht es vermutlich auch um die Anliegen zweier Gastronomen, die laut Markus Schäfer wohl in Begriff sind, etwas über's Ziel hinauszuschießen. "Die müssen wir wieder einfangen." Um was es genau geht, war weder von Schäfer noch von Wrede zu erfahren.

Stadtbrandrat Matthias Moyano jedenfalls meint: "Wir werden einen Kompromiss finden", bemerkt aber gleichzeitig, dass die aktuelle Regelung darauf basiere, dass man von leichten Schirmen und Stühlen mit einem Gewicht von maximal 25 Kilo ausgegangen sei.

Bisher habe die Feuerwehr in der Altstadt glücklicherweise relativ wenige Einsätze gehabt. "Wenn man sich die Austraße oder die Obere Brücke anschaut, ist die Sandstraße sehr gut befahrbar", meint Markus Schäfer. Den Einsatz in der Dominikanerstraße beschreibt er als "kleinen Zwischenfall". Er ist sich sicher: "Den Schirm hätte die Feuerwehr zur Not auch einfach umfahren können."