Die Direktorin der drei städtischen Museen Sammlung Ludwig, Villa Dessauer und Historisches Museum ist für ihren trockenen Humor bekannt. Gern zitiert Regina Hanemann in diesen denkwürdigen Zeiten einen Witz: "Wenn du Angst vor Corona hast, gehe ins Museum." Also dorthin, wo sich nicht gerade Menschenmassen tummeln.

Nun dürfen im Teil-Lockdown nicht einmal wenige Leute in die Kultureinrichtungen: Trotz ausgefeilter Hygienekonzepte müssen ihre Pforten geschlossen bleiben. "Die Besucher fehlen uns bitter!", betont Museumschefin Hanemann. "Die Politik hat uns vergessen", fügt sie hinzu. Es sei nicht einsichtig, dass "Karstadt offen ist, die Museen aber nicht".

Wirtschaftliche Auswirkungen aufgrund ausbleibender Einnahmen sind eine Folge der Pandemie. Hanemann rechnet 2020 mit 40 Prozent weniger Besuchern und damit Eintrittsgeldern bei bleibenden Kosten für Personal, Instandhaltung der Gebäude, Heizung, Strom, Wasser, Wachgesellschaft und mehr.

Ähnliches berichtet Birgit Kastner, Leiterin der Hauptabteilung Kunst und Kultur im Erzbischöflichen Ordinariat, aus dem Diözesanmuseum: Im November 2019 lag der Besucherstand des ganzen Jahres bei 22 805, im November 2020 - bedingt durch die Lockdowns - bei gerade mal 7835.

Auch Matthias Mäuser, Leiter des Naturkundemuseums, beklagt eingebrochene Besucherzahlen: In normalen Jahren kommen etwa 25 000 Interessierte, heuer sind es 14 000. "Wir hatten nach dem ersten Lockdown extra Leute eingestellt, um die Hygieneauflagen umsetzen zu können", erklärt Mäuser. Jetzt erschwere die erneute Schließung jegliche Planungen für 2021.

Bisher seien die Monate Januar und Februar die besucherstärksten gewesen. Niemand könne voraussehen, wann die Häuser wieder geöffnet werden dürften. Er hoffe aber, so Matthias Mäuser, dass die anvisierten Sonderausstellungen 2021 auch gezeigt werden können. Ironischerweise soll eine dieser Präsentationen "Fisch ahoi!" titeln. Ob es freie Fahrt für diesen lustigen Bilderbogen über Fische von A bis Z gibt, bleibt ungewiss.

Alle genannten Kulturtempel leiden schon jetzt besonders darunter, dass die mit viel Aufwand, Kosten und Herzblut erstellten Sonderausstellungen nun ohne Betrachter bleiben müssen. Das betrifft zum Beispiel die aktuelle Jubiläumsausstellung "Ludwig unter der Lupe - 25 Jahre Sammlung Ludwig in Bamberg" sowie die kulturhistorische und umweltpolitische Ausstellung "Tüte um Tüte", die bis zum 10. Januar 2021 im Historischen Museum in der Alten Hofhaltung zu sehen gewesen wäre.

Deshalb hat sich Museumsdirektorin Hanemann entschlossen, diese beiden Sonderschauen nun bis in den Herbst 2021 hinein zu verlängern. Der Neustart für die "Tüten" ist zu Saisonbeginn nach der obligatorischen Winterpause des Historischen Museums am 27. März 2021 geplant. Die schon traditionelle Krippen- beziehungsweise Weihnachtsausstellung entfällt jedoch 2020 komplett.

Abgesagt werden muss auch die Verleihung des Volker-Hinniger-Preises 2020 an die gebürtige Bambergerin Stefanie Brehm und die damit verbundene Ausstellungseröffnung in der Stadtgalerie Bamberg - Villa Dessauer, die für den 13. Dezember geplant war. Ob und wann das Ereignis nachgeholt werden kann, ist noch unklar.

Hart getroffen ist auch das Diözesanmuseum mit seiner spektakulären Sonderausstellung zur Erforschung der Kaisermäntel, die erst einmal bis zum 31. März verlängert wurde. Allerdings sei noch fraglich, so Birgit Kastner, ob alle Leihgaben dann noch dabei sein können. Die Hauptabteilungsleiterin wünscht sich aber auch so: "Den Bambergern muss bewusst werden, dass sie mit den Kaisergewändern eine Mona Lisa in der Stadt haben!"

Obendrein genießt das Diözesanmuseum mit seinem selbst jetzt geöffneten Museumsshop ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb der Bamberger Museumslandschaft (Montag bis Freitag 11 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 17 Uhr). "Der Shop gilt als Einzelhandel", sagt Kastner und freut sich, dass das gesamte Museumspersonal den Verkauf von Geschenkartikeln, Kerzen, Tees, Büchern, Postkarten oder Devotionalien stemmt: "Wir mussten niemanden nach Hause oder in Kurzarbeit schicken." Dabei verdiene das Haus nicht gerade an den Artikeln, denn zumindest der Erlös der Klosterwaren gehe in die Missionsländer Peru und Indien.

Fantasie in diesen Zeiten beweist auch die Kuratorin des Diözesanmuseums, Ludmila Kvapilová-Klüsener: Sie hat die geplante Weihnachtsausstellung 2020 von 22 oberfränkischen Krippen kurzerhand in die Schaufenster der umliegenden Altstadtgeschäfte verlegt. "Kultur und Wirtschaft unterstützen sich, wir halten zusammen", zeigt sie sich begeistert über das große Entgegenkommen der beteiligten Geschäftsleute bis zum 10. Januar 2021.

Bei unserem Blick hinter die Kulissen der verschlossenen Museumstüren wird deutlich, dass diese Häuser ähnlich funktionieren wie ein Theater. Die Besucher sehen nur das, was auf der Bühne der Ausstellung präsentiert wird. Was im Hintergrund passiert, spielt sich eher im Verborgenen ab.

Regina Hanemann nennt die offizielle Aufgabe eines Museums: "Sammeln, Bewahren, Forschen und Dokumentieren, Ausstellen und Vermitteln." Darüber hinaus sind alle Museumsleiter auch in der Wissenschaft unterwegs: Das Schreiben von Aufsätzen für Fachpublikationen gehört für sie dazu. So kann etwa Birgit Kastner der Corona-Krise nicht nur Leid anlasten, sondern im Museumsfall auch die Chance, "intensiver hinter den Kulissen zu wirken".

Denn die besucherlose Zeit werde dazu genutzt, Restaurierungen an Exponaten vorzunehmen, die Depots zu ordnen oder die Vitrinen von innen zu putzen - "und die Holzböden zu wachsen, das geht wegen des Geruchs nicht bei offenem Haus!", lacht Kastner.