An seinem ersten Tag in Freiheit kauft sich Florian N. (Name geändert) eine täuschend echt aussehende Softair-Pistole und überfällt damit die Raiffeisenbank in Burgwindheim. Es ist der 31. August 2012 und N. hat gerade eine mehr als vierjährige Jugendstrafe in der Justizvollzugsanstalt Ebrach verbüßt. Keine 24 Stunden nach der Haftentlassung begeht er gleich das nächste Verbrechen, das den Bankangestellten wohl noch lange im Gedächtnis bleibt. Und dessen Folgen ihn selbst bis ans Lebensende gezeichnet haben.

Aus brennendem Auto gezogen

Denn auf der waghalsigen Flucht vor der Polizei verursacht der damals 23-Jährige einen schweren Unfall. Auf der Bundesstraße 505 bei Pommersfelden rast N. mit mehr als 100 Sachen in einen Lastwagen. Der zuvor vom Entlassungsgeld erworbene Renault Twingo ist nur noch ein brennender Haufen Schrott. Und hätte nicht ein Bauarbeiter N. aus den Trümmern gezogen, hätte dieser den Banküberfall wohl mit dem Leben bezahlt.

"Jeden Tag bereue ich die Tat", sagt der Bankräuber fast ein Jahr später in seinem Schlusswort vor Gericht. Das Urteil vom 21. August 2013 bedeutet für ihn eine weitere fünfjährige Haftstrafe. Schwerer wiegen freilich die großflächigen Verbrennungen am ganzen Körper, lange Klinikaufenthalte und Operationen, unerträgliche Hautspannung und Schmerzen, die ihn nicht schlafen lassen.

Weil er infolge seiner Verletzungen große Probleme beim Sprechen hat, wird N.s Lebensweg verlesen. Das Jugendamt nahm ihn mit drei Jahren aus der Familie eines gewalttätigen Vaters, in einer Pflegefamilie konnte er so wenig Fuß fassen wie in einer Wohngruppe. Früh beging er erste Diebstähle, wurde immer wieder straffällig und landete schließlich im Jugendknast. "Auch wenn die Unfallfolgen selbst verschuldet waren, kommt man nicht umhin, ein gewisses Mitleid zu fühlen", stellt Vorsitzender Richter Manfred Schmidt in seiner Urteilsbegründung fest.

Der Vorbestrafte wird wegen schwerer räuberischer Erpressung und einer vorsätzlichen Gefährdung des Straßenverkehrs verurteilt. Dass der Bankräuber zuvor auch Kennzeichen gestohlen und an sein Auto geschraubt hat, fällt da kaum noch zusätzlich ins Gewicht.

Neben seinen erheblichen Verletzungen wirkt sich auch N.s Geständnis strafmildernd aus - aber wie hätte er angesichts der schweren Verbrennungen die Tat auch leugnen können. "Der hat seine Strafe schon", zitiert damals FT-Gerichtsreporterin Jutta Behr-Groh eine Zuschauerin.

Verfolgungsjagd mit der Polizei

Wie die Bankangestellten (zwei damals 49 und 53 Jahre alte Frauen und ein 22-jähriger Mann) im Zeugenstand angeben, sei ihnen der Atem gestockt, als der vermummte Mann mit gezogener Waffe Geld gefordert hat. "Ich bin auf den Tod erschrocken", erklärt eine der Frauen vor Gericht.

Die Beute bleibt indes gering, N. flüchtet mit 800 Euro, dem Inhalt des ersten geöffneten Geldfachs. Die Bank hatte zur Tatzeit zwar rund 60 000 Euro vorrätig, aber für mehr fehlt dem Räuber die Geduld. Weil er mitten vor der Bank geparkt hat, können die Mitarbeiter die (gestohlenen) Kennzeichen notieren, auf seiner Flucht über die A 3 und später die B 505 folgt ihm schon ab der Autobahn-Raststätte Steigerwald die Polizei.

Als er auf seiner "Harakiri-Fahrt" (O-Ton des Vorsitzenden Richters Schmidt) die Kontrolle über sein Auto verliert, kollidiert er mit dem Sattelzug. Dessen Fahrer kommt mit einem Schleudertrauma davon. Beute und Waffe werden später im ausgebrannten Fluchtfahrzeug gefunden.

Selten habe er es mit solchen Extremen zu tun gehabt, sagt der Vorsitzende Richter am zweiten und letzten Prozesstag: mit einem Angeklagten, der scheinbar unbeeindruckt von allen Vorstrafen am Tag nach der letzten Haftentlassung eine Bank überfällt. Und mit Tatfolgen, die ihn sein Leben lang beeinträchtigen werden.