Schon in den Tagen vor Allerheiligen herrschte auf dem Hauptfriedhof an der Hallstadter Straße reges Leben: Mit Gartenwerkzeug, Pflanzenschalen und Blumensträußen hatte sich gefühlt halb Bamberg auf den Weg gemacht, um für den kommenden Feiertag die Gräber herzurichten. Also das Letzte zu tun, was irdisch für die Verstorbenen getan werden kann.

Und am Allerheiligen-Sonntag selbst, früh um sieben Uhr in der Morgendämmerung, empfing den Friedhofsbesucher ein Lichtermeer: Licht im Dunkel der Trauer um liebe Angehörige oder Freunde! Eine Trauer, die in diesem Corona-Jahr noch schmerzlicher empfunden wird, wenn ein Abschied, eine Beerdigung, nicht so geschehen konnte, dass es für die Hinterbliebenen hilfreich gewesen wäre.

Bamberg vergisst seine Toten nicht. Im Laufe des Sonntags wuchs das Lichtermeer immer weiter. Kerzen brannten an den Ehrengräbern. An der Gedenkstätte "Herzensangelegenheiten" für verstorbene Kinder. Selbst auf Grünflächen aufgelöster Gräber. An den meisten bestehenden Gräbern - gleich ob Erd- oder Urnengrab - der vielen Unbekannten, deren Namen in die Grabsteine eingemeißelt sind - und in den Herzen der Familien.

Namen, die Gott kennt, wie Christen glauben. Daran erinnerte Dompfarrer Markus Kohmann, der auf dem kleinen Stadtteilfriedhof in Wildensorg eine Andacht feierte. Etwa hundert Verstorbene ruhen dort im Schatten der Kirche St. Josef der Arbeiter. Ruhig und gefasst standen die Angehörigen an den jeweiligen Gräbern. Gedämpft durch die Mund-Nasen-Bedeckungen drangen die Lieder gen Himmel, die Organist Werner Eichner auf einem Harmonium anstimmte: "Wir sind nur Gast auf Erden...". Und ein Österliches "Preis den Todesüberwinder...".

In den Kyrie-Rufen, der Schriftlesung - Lektor war Kirchenpfleger Erich Sperlein -, den Gebeten und Fürbitten leuchtete auf, was Trost und Hoffnung gibt: "Christus, unsere Zuversicht, du bist Licht und Leben...". Und: "Die Liebe Gottes ist stärker als der Tod." Allerdings ist auch das Virus stark. Und so verzichtete Dompfarrer Kohmann darauf, zu jedem einzelnen Grab zu gehen und es mit Weihwasser zu segnen. Von der Aussegnungshalle aus nahm er diesen Ritus für alle Gräber vor. Auch das Schwenken des Weihrauchfasses gehörte dazu. Alles, "um die Menschen, die wir lieben, und die in unseren Herzen sind, zu ehren", wie Kohmann sagte.

Auf den Stadtteilfriedhöfen von Bug und Gaustadt kamen die Menschen zu Andachten mit Pfarrer Matthias Bambynek und Pater Sunny John O.Carm. zusammen. Nachdem es in diesem Jahr keinen Friedhofsgang mit Gräbersegnung auf dem Hauptfriedhof geben konnte, zogen die Gläubigen zur zentralen Feier in die St. Otto-Kirche. Pastoralreferent Hubertus Lieberth und Pfarrerin Doris Schirmer-Henzler gestalteten eine ökumenische Trauerandacht unter dem Titel "Wie ein Blatt im Wind".