Himmlische Geduld beweist Renate Krug Tag für Tag: Vier bis acht Stunden lang bastelt die 83-jährige Bambergerin für einen guten Zweck. "Meine Finger und Augen sind in Ordnung, und Talent habe ich auch, da muss ich doch etwas tun!", sagt die agile Seniorin nachdrücklich.

Umso trauriger ist Renate Krug, dass ein kleines Virus jetzt ihr großes Vorhaben ausbremst. Zum zehnten Mal wollte sie am traditionellen Heinrichsfest ihre selbstgefertigten Schmuckstücke zugunsten des Vereins "Dumelang - Freunde des Missionars Alois Ganserer" verkaufen. Zwischen 700 und 800 Euro nahm sie sonst ein. Geld, dass der Bamberger Diözesanpriester Ganserer in seine Projekte für Straßenkinder, Kindergärten und Schulen im südafrikanischen Bloemfontein steckt.

Doch Großveranstaltungen mit Tausenden Menschen dürfen in diesen Corona-Zeiten nicht stattfinden. So mussten die Planer im Ordinariat auch das bunte Rahmenprogramm des Heinrichsfestes 2020 ad acta legen. Der Bamberger Bistumsgründer und Patron Kaiser Heinrich II. muss nun ohne majestätische Entourage in Gestalt von Bühnenshows, Budenstadt der kirchlichen Vereine und Verbände, Motorradflotte, Bier und Bratwürsten sowie vielfältigen Aktionen für Jung und Alt auskommen. "Dass Friede werde" sollte ursprünglich als Motto über dem Heinrichsfest an diesem Wochenende stehen. Erzbischof Ludwig Schick wird es in seiner Festpredigt zum Thema "Missionarisch Kirche sein" aufgreifen.

"Für Alois Ganserer"

Viele Ehrenamtliche, die wie Renate Krug monatelang auf das Diözesanfest hin fiebern, sind natürlich enttäuscht. Die vitale Dame hat schließlich in akribischer Handarbeit beeindruckende Kunstwerke geschaffen: Ketten, Armbänder, Ohrringe aus Glas-, Keramik-, Lava- oder Knochenperlen, die auf Käufer warten. "Nächstes Jahr klappt es vielleicht wieder", hofft Renate Krug und stellt in Aussicht, dass sie schon vorher bei erlaubten Veranstaltungen ihre Objekte zum Verkauf anbieten könnte. "Für Alois Ganserer", wie sie ergänzt. Die gebürtige Wunderburgerin kennt den Priester gut aus einer Kaplanszeit in der Gemeinde Maria-Hilf. Ihn zu unterstützen in seinem unermüdlichen Kampf für Menschen am Rande der Gesellschaft ist Renate Krug ein Herzensanliegen.

Überhaupt hat sie sich Jahrzehnte lang ehrenamtlich für Menschen in Not engagiert. So unterstützte die Mutter von fünf Kindern etwa 33 Jahre die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen des Bamberger Frauenhauses. Renate Krug leistete Rufbereitschaft und organisierte die Freizeitgruppe, die unter ihrer fachkundigen Anleitung Freude am Nähen, Töpfern, Malen, Schmuckanfertigen fand. Renate Krug selbst bekam im vergangenen Jahr als Anerkennung von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder das Ehrenzeichen für Verdienste im Ehrenamt verliehen. "Das hatte ich nicht erwartet, aber ich habe mich darüber gefreut!", bekennt sie.

Übertragung via Livestream

Freuen werden sich auch diejenigen, die den Heiligen Heinrich zumindest im Gottesdienst ehren können: Am Sonntag, 12. Juli, wird Erzbischof Schick um 9.30 Uhr das Pontifikalamt im Dom feiern. Zusätzliche Sitzplätze sind auf dem Domplatz vorhanden, auf den die Messe im Ton übertragen wird. Für die musikalische Gestaltung sorgt die Mädchenkantorei unter der Leitung von Domkapellmeister Werner Pees. Gesungen wird die Messe von Josef Rheinberger. Um 17 Uhr wird mit dem Erzbischof und der Domkantorei die Pontifikalvesper gefeiert, allerdings ohne weitere Sitzplätze auf dem Domplatz. Gottesdienst und Vesper werden via Livestream auf http://www.youtube.com/erzbistumbamberg übertragen.

"Zum Zeitpunkt der Planungen des Heinrichsfestes war die Zahl der Teilnehmer von Freiluftgottesdiensten noch auf 50 beschränkt, es war nicht absehbar, wieweit die Regelung bis Mitte Juli gelockert wird", sagt Bistumssprecher Harry Luck auf unsere Anfrage, warum der Festgottesdienst nicht komplett auf dem Domplatz gefeiert werde. Luck weiter: "Der logistische Aufwand für Bühnenaufbau und so weiter braucht einen gewissen zeitlichen Vorlauf."