Ein Lebenstraum in Schutt und Asche. Im Flur fließt rußschwarze Brühe. Im Vorgarten liegen die zerschlagenen Dachziegeln und in der Garage des Einfamilienhauses steht ein verglühter Schrotthaufen. Bis gestern Morgen war der Karmann Ghia wohl der große Stolz des Hausherren. Ein trauriger Anblick, das Haus in der Uhlandstraße. Ein Feuer hat hier gewütet. Die Feuerwehren mit gut 100 Einsatzkräften aus der Region und benachbarten Landkreisen haben ihr Bestes gegeben und das Übergreifen der Flammen auf weitere Häuser vermieden.



Von Anfang an vor Ort dabei Thomas Brehm. Der Chef des gleichnamigen Elektrobetriebs hat dort nach der Alarmierung alles liegen und stehen lassen. Auch drei seiner fünf Mitarbeiter (der Azubi hat Schule) hat er gleich mit zum Einsatz genommen. Die sind auch in der Schlüselfelder Wehr. Ganz selbstverständlich ist das für Brehm. Nicht nur, weil es sich jetzt um das Haus eines Nachbarn handelt, sondern weil ihm als Feuerwehrmann der Einsatz für den Nächsten am Herzen liegt.

Als er die Einsatzleitung an Kreisbrandinspektor (KBI) Friedrich Riemer abgibt, wechselt er umgehend in die Funktion des Atemschutzgeräteträgers. Denn die werden bei diesem Einsatz ganz besonders gebraucht. Gut 30 Grad im Schatten, wer weiß was für eine Temperatur im Haus und dann noch über 16 Kilo auf dem Rücken. Ein Wahnsinns-Job. Zwar wurde Brehm im Haus vom Wasserstrahl getroffen, aber Abkühlung ist das im dicken Schutzanzug keine.

Der Hausbesitzer hatten den Fahrzeugbrand in der Garage bemerkt und versucht, ihn mit dem Gartenschlauch zu löschen. Doch das Feuer breitete sich rasend schnell aus - übers Carport Richtung Dachstuhl des Wohnhauses.

Brehm kommt von der Erkundungstour aus dem Haus zurück, berichtet den Kollegen von der Situation drinnen. Das Material unter den Dachziegeln macht Probleme und widerlichen Geruch. Kreisbrandinspektor Reinhold Schumm gibt die Anweisung weiter, dass Kinder, die in der Nachbarschaft Trampolin springen, das wegen des beißenden Rauchs möglichst unterlassen.

Trupp um Trupp greifen Atemschutzgeräteträger Flammen und Glutnester an: Von innen und über die Drehleiter. Sanitäter sind gefordert, denn die Rahmenbedingungen für die Aktiven mit Atemschutz sind mehr als erschwert, wie KBI Riemer anklingen lässt. Souverän managt er die Ressourcen der Wehren.

Schweiß fließt in Strömen
"Sie wissen gar nicht, wie schön Sie's haben," erklärt Rüdiger Heusinger vom Katastrophenschutz des Landkreises den Presseleuten. Denn die scheinen im Gegensatz zu den Feuerwehrleuten äußerst spärlich bekleidet. Bei den Aktiven der Feuerwehren fließt der Schweiß in Strömen.Und doch: kein Murren, kein Maulen. Bestenfalls die eher lapidare Feststellung, dass es wohl ganz schön heiß sei. Und die Ermahnung der Führungskräfte an die Aktiven, zu trinken...

Von weitem hat Bürgermeister Georg Zipfel die Rauchwolke gesehen. Wo kommt die Familie unter, werden die Kinder abgefangen", das sind die Fragen, die das Stadtoberhaupt zu klären hat. Die betroffene Familie hatte früher in seiner Nachbarschaft gewohnt, bevor sie ihr neues Eigenheim errichtete. Der Lebenstraum.
Das weiß auch Thomas Brehm, der fordert einmal mehr: Es müssten einfach noch mehr Firmen ihre Mitarbeiter für die Feuerwehr freistellen. So wie er es tut. Selbstverständlich. "Helfen ist weit wichtiger als Geld," sagt er noch keuchend. So ein Einsatz verlangt auch den Fittesten das Äußerste ab.

Lange hält es ihn nicht auf der Bank. Der Mann von den Bayernwerken taucht auf, fragt nach Strom und Gas. Brehm geht mit ihm ins Haus. Wohl das einstige Traumhaus. "Ein Drama für die Familie", fühlt Riemer mit. Doch viel Zeit für Emotionen bleibt nicht, der Einsatz will geleitet werden. Thomas Brehm und wie die heutigen Helfer alle heißen, sind zu koordinieren...

Im Bericht der Polizei heißt es am Ende, dass die Wehren rasch eingegriffen haben, das Feuer einen Großteils des Hauses zerstörte und es unbewohnbar wurde. Der Sachschaden wird auf etwa 300 000 Euro geschätzt.