Nach umstrittenem Facebook-Post: Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) äußert sich im Bamberger Wirtschaftsclub zu seinem möglichen Parteiausschluss. Der Oberbürgermeister der Stadt Tübingen, Boris Palmer war am Dienstag, dem 11.05.2021, zu Gast als Interviewpartner in einer öffentlichen Zoom-Konferenz des Bamberger Wirtschaftsclubs.

Hier äußerte sich Palmer überraschend detailliert zu seinem drohenden Parteiausschluss bei den Grünen, sprach über positive Erfahrungen mit Corona-Lockerungen - und erklärte, dass er Brose in Tübingen zu einer Solaranlage auf dem Dach verpflichten würde. 

Boris Palmer in "Bamberger Runde": "Nachher ist man immer klüger"

Palmer wurde zu Beginn nach seiner Einschätzung des Parteiausschlussverfahrens gefragt. Der Tübinger Oberbürgermeister erklärte, der umstrittene Facebook-Post über den Fußballer Dennis Aogo sei "in einer Art Wirtshausschlägerei mit einem jungen Grünen aus Trier" entstanden, der seit Jahren versuche ihm Rassismus vorzuwerfen. Er sehe sich selbst keinesfalls als Rassist, sondern habe sich provoziert gefühlt. "Warum sollte sich ein Rassist dafür einsetzen, dass Dennis Aogo weiter über Fußball sprechen darf?"

Dass der Post "ganz Deutschland beschäftigt", habe er nicht gedacht, so Palmer. Stattdessen habe der Oberbürgermeister von seinem Diskussionspartner "erwartet, er liest das und gibt sich damit zufrieden". Der 48-Jährige gab auf Nachfrage zu, dass es "der Sachpolitik schadet, was ich mache". Palmer bezeichnete sich selbst als "ungehobelten Bauernsohn", dem "diese bürgerlichen Sitten nichts sagen". Boris Palmer fällt regelmäßig mit polarisierenden Aussagen medial und politisch auf, in der Vergangenheit unter anderem zur Flüchtlingskrise, zu eigenen Parteikollegen und zur Corona-Krise. Kritiker werfen ihm vor, sich bewusst zu inszenieren.

In dem Facebook-Post hatte er das N-Wort benutzt und einen Fake-Post Aogos über dessen Geschlechtsteil als Tatsache zitiert. Palmer selbst verstehe den Beitrag als "Satire" und sagte, er sehe sich als Opfer von "einer kleinen Minderheit meiner Partei, von selbstgerechten Lifestyle-Linken". Doch er empfinde sich weiter als "grasgrün"., so Palmer zum drohenden Parteiausschluss. Nochmal posten würde er den Beitrag aber keinesfalls, so Palmer: "Das war ein Riesenblödsinn, nachher ist man immer klüger."

Palmer zu Brose-Erweiterung in Bamberg: "Wäre in Tübingen nicht möglich"

Boris Palmer berichtete auch über die Erfahrungen der Stadt Tübingen mit dem von ihm initiierten Lockerungsmodell. "Wir hatten an der Teststation viele Menschen, die sonst keinen Test gemacht hätten." Auch hätte man auf diesem Weg immer wieder Tübinger gefunden, die nicht gewusst hätten, dass sie das Virus in sich tragen. "Es war der richtige Weg in der dritten Welle. Wir wären ohne weitere Lockdowns, die ökonomisch schaden, durchgekommen", so Palmer, der sich selbst in der aktuellen Öffnungsstrategie mit Test-Pflicht bestätigt sieht. 

Mit Blick auf die guten Umfragewerte der Grünen sagte Palmer im Wirtschaftsclub Bamberg, Wirtschaft und Klimapolitik ließen sich gut miteinander verbinden. "Wir haben in Tübingen während meiner Amtszeit mehr als 30 Prozent sozialversicherungspflichtig Beschäftigte hinzugewonnen." Die deutsche Autoindustrie baue "entweder umweltfreundliche Autos oder keine."

Umweltfeindliche Technik werde aus seiner Sicht "mehr Arbeitsplätze kosten" als der Naturschutz selbst. Auf Nachfrage zu den Brose-Erweiterungsplänen in Bamberg, sagte Palmer, er wolle sich nicht in die Angelegenheiten anderer Städte einmischen. Doch "in Tübingen wäre so eine Ausnahme nicht möglich", sagte der 48-Jährige und spielte damit auf einen Beschluss des Bamberger Stadtrats von 2020 an, nur noch Neubauten mit solarer Energieerzeugung zuzulassen. Die Bamberger Grünen-Fraktion stellt sich gegen die Konzern-Pläne, weil Brose "es bislang abgelehnt (hat), Photovoltaik-Anlagen auf den Gebäudedächern zu installieren".