65 Jahre nach seinem Tod wird so viel über den Landschaftsmaler und überzeugten Nationalsozialisten Fritz Bayerlein geredet wie wohl nie zuvor. Seine Bilder in Sitzungssaal und Trausaal sind mittlerweile abgehängt, nun sollte es im Kultursenat um eine Umbenennung des Fritz-Bayerlein-Wegs gehen.

Weil zu diesem Thema allerdings weiterreichende Anträge eingegangen sind (unter anderem hat die SPD-Fraktion eine Kommission gefordert, die sich mit allen "belasteten" Bamberger Straßen befasst, und Anwohner haben eine "umfangreiche Protestnote" eingereicht), wurde die Entscheidung zu diesem Punkt vertagt und in den Bausenat verschoben.

Dafür gewährte Horst Gehringer, der Leiter des Stadtarchivs, einen Blick in die Geschichte. Auf eine Anfrage der CSU/BA-Fraktion dokumentierte er unter anderem akribisch, dass Fritz Bayerlein ein Nationalsozialist der ersten Stunde war und auch bis zu seinem Tod 1955 keinen Gesinnungswandel erkennen ließ. Mit seiner 69 Fußnoten umfassenden Antwort liefert er nicht nur wertvolle Ergänzungen zum großen Bayerlein-Aufsatz des Historikers Andreas Dornheim, der bereits 2017 dem Kultursenat Bericht erstattet hatte. Gehringer berichtet unter anderem auch, wie es 1966 zum Stadtratsbeschluss kam, den von der Würzburger Straße abzweigenden Weg "Fritz-Bayerlein-Weg" zu nennen.

Der CSU ging es nicht zuletzt um die Frage, welche Folgen das Abhängen der Bilder und eine mögliche Umbenennung der Straße im Zusammenhang mit dem Vermächtnis des Malers hat, der nach seinem Tod der Stadt 191 Bilder und Skizzen hinterließ.

Das wurde laut Gehringer im dritten Abschnitt eines handschriftlichen Testaments festgehalten, wobei selbst der Maler keine genaue Zahl an Bildern nennen konnte. "Es dürften über einhundert Stück sein", heißt es im Testament. Und auch, "dass diese Bilder nie veräußert werden und nicht in Büros verteilt werden dürften". Vielmehr sollten sie in einem geeigneten Raum untergebracht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, "evtl. durch Wechselausstellungen".

Auf Basis von Gehringers Bericht geht nun die Stadtverwaltung davon aus, "dass dem Verbleib der Bayerlein-Bilder im Besitz der Stadt Bamberg selbst dann nichts im Wege steht, wenn der Stadtrat mehrheitlich beschließen sollte, den Weg umzubenennen". Das Abhängen der Gemälde im Großen Sitzungssaal und im Trauungssaal sei zudem "gänzlich unabhängig vom Erbe, da in drei Fällen eine Auftragsarbeit und in einem Fall eine Schenkung vorliegt". Die Frage Stefan Kuhns (CSU), wie viele der 191 geerbten Bilder sich noch im Besitz der Stadt befinden, ist schwer zu beantworten. Laut Regina Hanemann, der Leiterin des Historischen Museums, war deren Zahl durch weitere Schenkungen und Vermächtnisse auf 241 gewachsen - von denen wiederum 15 gestohlen oder bei einem Brand vernichtet wurden. Und die genaue Zuordnung vieler verbliebener Gemälde sei nicht möglich, da sie damals nicht fotografiert und nur unzureichend inventarisiert worden waren.

Die testamentarisch geforderte öffentliche Ausstellung der Werke von Fritz Bayerlein beschäftigte nicht zum ersten Mal den Kultursenat. Seitens der Museen der Stadt Bamberg wurde vorgeschlagen, zunächst eine temporäre Sonderausstellung zum Leben und Werk von Bamberger Künstlern, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und damit auch in der Zeit des Nationalsozialismus tätig waren, einzuplanen. Vor der Ausstellung solle es ein öffentliches Kolloquium geben, dessen Ergebnisse in die Sonderausstellung mit einfließen. Könnte zeitnah mit den Vorarbeiten begonnen werden, wäre die Ausstellung dann in drei Jahren möglich.

Freilich stehen Kosten "im mittleren sechsstelligen Bereich" im Raum, was eine Verwirklichung wohl weiter in die Ferne rücken lässt.

Bürgerkonferenz zu Bayerlein

"Haben wir nichts anderes zu tun?", fragte Norbert Tscherner (BBB) nicht zum ersten Mal, worauf Stephan Kettner (BaLi) erwiderte: "Geschichte aufzuarbeiten ist ein wesentlicher Teil unserer Arbeit, unsere Vorgänger haben da was vergessen."

SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Stieringer vermutet, dass die Ausstellung ohne Geldgeber erst in vielen Jahren kommt. "Und dann befürchte ich, dass wieder einige Ausstellungsbesucher sagen werden: Das sind doch eigentlich schöne Bilder, warum hängt man die nicht mehr auf?" Kulturreferentin Ulrike Siebenhaar ist zumindest optimistisch, dass es bereits im kommenden Jahr in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule eine Art Bürgerkonferenz zu Fritz Bayerlein geben kann. Denn die Debatte habe gezeigt, dass das Interesse vieler Bamberger nach wie vor groß sei.