Die Großbaustelle im Umfeld der Maria-Ward-Schulen ist nicht nur für die 1300 Schülerinnen und Lehrer eine Geduldsprobe. Autofahrer, Radler und Fußgänger sehen sich zu Umwegen gezwungen: Die Edelstraße ist komplett gesperrt, von der Fleischstraße zum Holzmarkt ist kein Durchkommen. Schwere Baufahrzeuge quälen sich rückwärts in die zur Baustraße umfunktionierte Edelstraße und fahren dann wieder ab über Heumarkt und Kapuzinerstraße.

Es sind aber nicht nur die beeinträchtigten Verkehrsverhältnisse, die Diözesanarchitekten Karl-Heinz Rottmann Schweißperlen auf die Stirn treiben. "Diese Baustelle ist die größte Herausforderung in meinem Berufsleben", erklärt er als Vertreter des Bauherrn, das Erzbistum Bamberg.
Es ist Träger der Maria-Ward-Schulen und Hauptfinancier dieses 15-Millionen-Euro-Projektes Erweiterungsbau.

Die Herausforderung besteht darin, bei laufendem Schulbetrieb die Sicherheit auf äußerst beengtem Raum "im Bermudadreieck Edel-, Frauenstraße und Vorderer Graben" zu gewährleisten. "Bisher verlief alles unfallfrei", freut sich Bauleiter Ottmar Schels aus dem Bamberger Architekturbüro Dietz, örtlicher Partner der ausführenden Münchner Architekten Peck und Daam.

Dank des milden Winters gab es keine Unterbrechung der Bauarbeiten, die im August 2013 mit dem Abriss des ehemaligen Internatsgebäudes und der Tagesschule an der Edelstraße 8 mit Rückgebäude an der Frauenstraße 15 begonnen hatten. "Wir bauen wie die Weltmeister und sind voll im Zeitplan", betont Rottmann. Ende Juli stehe der Rohbau, und Erzbischof Ludwig Schick könne pünktlich am 30. Juli um 11 Uhr den Grundstein segnen und das Richtfest feiern. Im September 2016 solle dann der Erweiterungsbau bezugsfertig sein. Und zwar als ein Gebäude, dass sich harmonisch ins Stadtbild einfüge: "Nichts ist höher als die umliegenden Häuser, der Bau ordnet sich unter", so der Diözesanarchitekt.

Tatsächlich liegen die beiden neuen Turnhallen mit Lichtkuppeln, Geräte- und Umkleideräumen unterirdisch. Im Erdgeschoss findet eine bislang fehlende große Aula Platz, im ersten Obergeschoss werden sechs Klassenzimmer mit Nebenräumen errichtet, im zweiten Obergeschoss drei Zimmer sowie drei Räume für die Kunsterziehung. Ein teilweise überdachter Pausenhof mit Sitzgruppen entsteht und ein Steg vom ersten Stock, der das neue Gebäude mit dem alten verbindet. Alles wird behindertengerecht und "funktionell nach Nutzung, auch was die Inneneinrichtung nach modernstem Stand betrifft".

Selbstredend, dass Energiebewusst gebaut wird: Beispielsweise ist das dreischalige Mauerwerk entsprechend gedämmt, die Heizung wird mit Fernwärme aus einem Müllheizkraftwerk befeuert. Natürlich gebe es auch optische Gestaltungselemente an der Ziegel-Fassade aus dauerhaftem Material wie Messing, erläutert Karl-Heinz Rottmann.

Alles andere als selbstverständlich ist für die Schuldirektorinnen Ingrid Käfferlein (Gymnasium) und Barbara Hauck (Realschule) die erfreuliche Tatsache, dass sie und das Kollegium eng in die Planungen eingebunden werden. Von "30 Sitzungen zusätzlich" erzählen die beiden Pädagoginnen, in denen sie ihre Wünsche und Vorstellungen darlegen konnten.

Die Lehrerinnen werden auf die guten Erfahrungen mit den Bauleuten zurückgreifen, wenn das nächste Großprojekt ab dem Schuljahr 2016/17 ansteht: nämlich die Generalsanierung der Bestandsschulen, die fünf Häuser umfassen. Diözesanarchitekt Rottmann rechnet mit "mindestens drei Jahren", die diese Sanierung dauern werde. Und mit weiteren 15 Millionen Euro, die diese "vermutlich verschlingen wird".