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Bamberg
Spendenaktion

Bamberger "Promis" unterstützen Kreative

Mehr oder weniger bekannte Bamberger ließen sich am Samstag für einen guten Zweck fotografieren. Damit unterstützen sie die arg gebeutelte Kulturszene.
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Reiner Dietz vom Bürgerverein Mitte lässt sich von Sonja Seufferth fotografieren. Foto: Lea Schreiber
Reiner Dietz vom Bürgerverein Mitte lässt sich von Sonja Seufferth fotografieren. Foto: Lea Schreiber
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Irgendjemand witzelte, dass Bürgermeister Wolfgang Metzner (SPD) sich doch auch beim Kopfstand fotografieren lassen sollte, um seine roten Sneakers zur Geltung zu bringen. Er nahm die Frotzelei mit Humor, verzichtete aber auf die sportliche Einlage. Dabei hätte es genügend Zuschauer gegeben am Samstag am Gabelmann, wo ein mobiles Fotostudio aufgebaut war: zwei schwarze Leinwände als Hintergrund, ein Scheinwerfer.

60 Unterstützer

Wolfgang Metzner war der erste von 60 prominenten und weniger prominenten Bambergern, die zwischen 10 und 14 Uhr Gesicht zeigten für die Kulturszene in der Stadt. "Köpfe für Kultur" lautete das Motto dieses Fotoshootings, das Bürgermeister Jonas Glüsenkamp (Grüne) initiiert hatte: "Um Solidarität zu zeigen mit den Kulturschaffenden. Die Kulturszene steht in der Corona-Krise vor großen Herausforderungen." Glüsenkamp verdeutlicht den Ernst der Lage: "Wir hatten alle Einschränkungen, einige starten wieder wie Gastronomie und Geschäfte, der Kulturbetrieb aber noch nicht."

So war es für ihn eine Selbstverständlichkeit, sich auch den beiden Stadtarchiv-Fotografen Jürgen Schraudner und Sonja Seufferth zu stellen. Und zwar wie alle Mitstreiter einmal mit Mund-Nasen-Schutz und einmal ohne. "Die Maske ist inzwischen zum Kulturgut geworden", meinte Glüsenkamp, sie sei eine "Erinnerung an die Zeit, in der wir aufeinander achten mussten, und die wie Abstand halten bis auf weiteres dazugehören wird".

Existenz ist bedroht

Auch Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) hielt seinen Kopf für die Bamberger Kulturszene hin. Mehrere Stadträte tauchten auf, Patricia Alberth vom Zentrum Weltkulturerbe kam, Martin Erzfeld als Leiter der Städtischen Musikschule oder Annemarie Renz-Sagstetter als Leiterin des Kulturamtes der Stadt. "Die Krise trifft die Kulturschaffenden enorm, besonders die Solo-Selbständigen im Bereich der kulturellen Bildung sind in ihrer Existenz bedroht", sagte Renz-Sagstetter. Kultur sei wie die Wirtschaft wichtig für die Gesellschaft, meinte sie und bedauerte, dass das "nicht so deutlich gesehen wird".

Stefan Kuhn, kulturpolitischer Sprecher der CSU-Stadtratsfraktion, war sich sicher, dass "Bamberg ohne seine freischaffenden Künstler deutlich ärmer wäre". Jetzt müssten kreative Möglichkeiten gefunden werden, in denen die Künstler dennoch vor Publikum ihrer Kunst nachgehen könnten. Jedenfalls sei es ihm wichtig, "Gesicht zu zeigen für die Kunst und Kultur". Kuhn tat es also mit zwei Porträtfotos, die künftig wie die anderen Köpfe auf einer eigens geschaffenen Website zu sehen sein werden.

Auch Kinder brauchen Kultur

Besondere Freude an der Aktion hatten der vierjährige Johannes und seine zweijährige Schwester Rieke, die mit ihrem Papa Michael Wagner zum Gabelmann gekommen waren. Auf dem väterlichen Schoß strahlten sie in die Kamera und unterstrichen damit die Worte Wagners: "Nicht nur Erwachsene brauchen Kultur, auch Kinder!" Den Kindern sei "zu viel verboten worden" in der Corona-Zeit. So wäre Kindertheater wieder schön oder Aktivitäten von Chapeau Claque.

Allmählich füllte sich die Spendenbox am Gabelmann mit kleinen und großen Euro-Scheinen. Denn mit den Fotos allein war es für die Kulturbewegten nicht getan. Jeder, der sich ablichten ließ, spendete einen Beitrag in freiwilliger Höhe, mindestens jedoch fünf Euro. Diese Spendenaktion für die Bamberger Kulturszene geht weiter. "Viele Künstler können nur mit Spenden überleben, die Unterstützung von Bund und Land kam zu spät", erklärte Bürgermeister Metzner und warb um Unterstützung für die "reichhaltige Kulturszene in Bamberg". Der Bürgerverein Bamberg-Mitte ging bereits mit gutem Beispiel voran: Aus dem Erlös des Antikmarktes 2019 stellte er 4000 Euro für Künstler zur Verfügung, weitere 4000 Euro für den Corona-Hilfsfonds der Stadt. Selbstredend, dass Vereinsvorsitzender Reiner Dietz zu denjenigen gehörte, die sich am Samstag fotografieren ließen.

Zweites Shooting geplant

Es wird einen zweiten Termin für ein Fotoshooting am Gabelmann geben. Dieser steht noch nicht fest. Wer vorher Lust hat mitzumachen, kann sich zwecks Erstellung der Fotos an Jürgen Schraudner im Stadtarchiv in Verbindung setzen.