Die Bamberger Studentin Jessica Schottorf (23) hat eine Petition gestartet. Mit dem emotionalen Appell "Vergesst uns Studierende nicht!" wendet sie sich an die Öffentlichkeit. Das Ziel ist es, dass Präsenzveranstaltungen an der Universität im kleinen Rahmen wieder erlaubt werden.

Ausschlaggebend für die Petition war eine E-Mail der Universität Bamberg vom vergangenen Donnerstag (20. Mai 2021), so Schottorf gegenüber inFranken.de. In dieser heißt es "Wir gehen das kommende Wintersemester 2021/22 im Prinzip so an wie das jetzige Sommersemester". Das bedeutet, ein weiteres Semester Online-Lehre mit "einigen kleinen Ausnahmen hinsichtlich Prüfungen oder Bereichen wie Musik, Sport etc.", schreibt Schottorf in der Petition.

Bamberg: Studentin startet Petition - schockiert über E-Mail der Uni 

"Ich fand diese E-Mail so krass", sagt Schottorf inFranken.de. Das Schockierende für sie sei dabei, dass der Beginn des Wintersemesters noch fünf Monate in der Zukunft liegt und jetzt schon gesagt werde, dass an der Online-Lehre festgehalten wird, wenn auch mit dem Ziel der baldigen Rückkehr zur Präsenz.

Wichtig ist ihr dabei, aber zu betonen, dass sie sich keinesfalls gegen die Uni Bamberg, "die sich wirklich darum bemüht, uns trotz aller Schließungen eine einigermaßen vernünftige Lehre bieten zu können" wenden möchte. Stattdessen ginge ihre Kritik an die Zuständigen in den bayerischen Ministerien. 

Schottorf studiert Gymnasiallehramt und möchte im kommenden Wintersemester ihr Staatsexamen machen. "Gerade die Examensvorbereitungskurse mit maximal 15 Leuten wären für mich etwas, wo ich sage, dass es in Präsenz deutlich besser wäre als online", sagt Schottorf. Das Zwischenmenschliche fehle und auch die Bildung von Lerngruppen wäre in Präsenz leichter.

"Seminar vorbei, Laptop zu": Studentin vermisst soziale Kontakte stark 

Doch auch auf das soziale Leben hat die Online-Lehre Auswirkungen. Neue Leute habe sie seit dem Beginn nicht mehr kennengelernt, obwohl sie immer wieder mit gleichen Personen Seminare besucht. "Man kann nicht mehr sagen 'Du bist mir sympathisch, wir gehen einen Kaffee trinken und reden über das Seminar', sondern jetzt ist es so, Seminar vorbei, Laptop zu", bedauert Schottorf.

Mit einer Freundin habe sie über die Situation geredet und sich anschließend schlau gemacht, ob es schon eine Petition in dieser Richtung gibt. "Dann habe ich gesehen, dass es anscheinend gar nicht so schwer ist, selbst eine zu starten und dann habe ich das gemacht", sagt sie. Die Website gibt an, bei Erreichen von 24.000 Unterschriften eine Stellungnahme von den zuständigen Entscheidungstragenden einzufordern. Auch wenn weniger Personen unterschrieben, werde die Petition eingereicht und behandelt.

"Dass es so schnell doch recht groß wird, hat mich überrascht", sagt die Studentin. Gerechnet habe sie mit einigen Unterschriften von Studierenden aus Bamberg, doch mittlerweile gibt es auch Unterschriften aus anderen Städten wie Berlin oder München. Die Reaktion auf ihre Petition seien durchweg positiv. "Das ist auch dieses 'oh, voll cool, dass endlich jemand was gemacht hat'. Es hat sich wohl jeder gedacht, aber bisher hat es eben niemand in die Wege geleitet", sagt Schottorf. Noch zwei Monate haben Unterstützer die Möglichkeit, die Petition hier zu unterschreiben. 

Die Infektionslage im Raum Bamberg entwickelt sich währenddessen weiterhin positiv. Nun liegt auch im Landkreis die Sieben-Tage-Inzidenz unter 50. Ab Donnerstag (27. Mai 2021) gelten neue Lockerungen.