Ein gutes Dutzend Nachbarn sammelt sich am Dienstagmorgen in der Ökosiedlung am Cherbonhof. Sie eint der Wunsch nach mehr Sicherheit in der nahen Caspersmeyerstraße, wo eigentlich Tempo 30 gilt. "Ich bin hier auch schon überholt worden, als ich exakt die erlaubte Geschwindigkeit gefahren bin", beklagt sich Inge Buhl. Und Friederike Neundörfer beschreibt brenzlige Situationen, wenn ihre Kinder die Straße überqueren wollen: "Wenn einer mit 60 ankommt, schaffen sie es nicht mehr über die Straße, und müssen in der Mitte stehenbleiben." Ähnlich geht es Hiltrud Huhn mit ihrem 80-jährigen Mann.

Anwohner malen Plakate

Sie alle wollen sich an einem Aktionstag in der Caspersmeyerstraße beteiligen, der auf Initiative von Ralf Neundörfer am kommenden Samstag ab 10 Uhr stattfinden soll. "Wir werden mit Plakaten am Straßenrand stehen, auf denen zum Beispiel zu lesen ist: Seid fleißig, fahrt dreißig."

Das soll Autofahrer sensibilisieren. Und wer dennoch aufs Gas tritt, soll häufiger zur Kasse gebeten werden. Entsprechend fordern die Anwohner mehr Geschwindigkeitskontrollen. "Wir haben hier ein Vollzugsdefizit", sagt Christian Irmisch. Der Vorsitzende des Vereins "Bewahrt die Bergstadt" will am Aktionstag selbst Geschwindigkeitsmessungen durchführen. Er verweist unter anderem auf den nahen Kindergarten und viele hier lebende Senioren. Und er könnte sich durchaus auch einen verkehrsberuhigten Bereich in der Caspersmeyerstraße vorstellen.

Zumindest aber einen Zebrastreifen, wie ihn sich einige Anwohner zwischen Rewe-Markt und Bushaltestelle wünschen. Aber im Bürgerdialog der Stadt ist Ralf Neundörfer mit einer entsprechenden Anfrage nicht weitergekommen. "Das sei alles schwierig, hieß es. Da könne man nichts machen."

Wie Polizei und Stadt auf unsere Anfrage deutlich machen, muss man zur Einrichtung eines Fußgängerüberwegs (Zebrastreifens) die "Richtlinie für die Anlage von Fußgängerüberwegen " zu Grunde legen. "Diese fordert zum Beispiel eine gewisse Verkehrsstärke bezüglich des Fußgänger- und Autoverkehrs pro Stunde und ausreichende Beleuchtung", erläutert Ines Schellmann, die Sachbearbeiterin Verkehr bei der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt.

"In der Caspersmayerstraße gilt Tempo 30 und außerdem existiert dort in unmittelbarer Nähe der Bushaltestelle Cherbonhof bereits eine bauliche Querungshilfe", erklärt Steffen Schützwohl aus der städtischen Pressestelle. Deshalb sei ein weiterer Fußgängerüberweg nicht notwendig - und das Geld für bauliche Veränderungen sei knapp.

"Die Querungshilfe ist 200 Meter weiter unten. Wenn Senioren oder Familien aus dem Bus steigen und in den gegenüberliegenden Supermarkt wollen, laufen sie doch keinen solchen Umweg", sagt hingegen Ralf Neundörfer.

Für die Polizei gilt die Caspersmeyerstraße nicht als "unfallauffällig". Der Tempo-30-Bereich werde regelmäßig im Rahmen der kommunalen Geschwindigkeitsüberwachung und bei polizeilichen Messungen überwacht. "Wir waren zum Beispiel am 22. September dort", macht Ines Schellmann deutlich. Und laut Steffen Schützwohl finden Geschwindigkeitsmessungen im Durchschnitt alle fünf Wochen statt.

Grüne fordern mehr Blitzer

Anwohner Neundörfer kann das nicht nachvollziehen. "Aber die Caspersmayerstraße ist vielleicht drei Kilometer lang. Wenn die ganz unten blitzen, erfasst das natürlich die Situation bei uns nicht."

Für eine Ausweitung der Geschwindigkeitsmessungen im Stadtgebiet setzt sich die Fraktion Grünes Bamberg/ÖDP/Volt in ihrem Fußgängerprogramm ein.

"Da das Fahren mit zu hoher Geschwindigkeit eine häufige Unfallursache darstellt, beantragen wir zum Schutz der zu Fuß gehenden Menschen als schwächste Verkehrsteilnehmende einen Ausbau der kommunalen Geschwindigkeitsüberwachung", heißt es in einem entsprechenden Antrag vom 29. September.

"Hierzu soll sowohl das zur Verfügung stehende Stundenkontingent von derzeit 140 auf 280 Messstunden erhöht werden, als auch sollen neue Messstellen vom Mobilitätssenat beschlossen werden."

In der Caspersmeyerstraße pinseln derweil noch Erwachsene und Kinder an Plakaten, die dann am Samstag im 10-Meter-Abstand nach oben gereckt werden sollen. "Wir sind an einem sicheren Fußgängerübergang interessiert und daran, dass sich die Autofahrer an Tempo 30 halten", betont Ralf Neundörfer.

Sein ausdrückliches Lob gilt den Bamberger Stadtbusfahrern, die sich nahezu alle an die Geschwindigkeitsbegrenzung hielten und so auch die nachfolgenden Autofahrer herunterbremsten. "Aber manche überholen den fahrenden Bus einfach, was es noch einmal gefährlicher macht."