Über hohen Besuch freuten sich die Bamberger Grünen am Samstagnachmittag: Zur Unterstützung im Stadtratswahlkampf hatte sich Bundestagsfraktionsvorsitzender Anton "Toni" Hofreiter mit einem Vortrag zum Thema "Bahnausbau: Lärmschutz - Umweltschutz - Finanzierung" angekündigt. Und wie es sich für einen richtigen Grünen gehört, reiste er umweltschonend mit dem Zug an.

Mitglieder der GAL Bamberg Stadt und Land, darunter die Stadträte Ursula Sowa und Peter Gack, ließen es sich nicht nehmen, ihren Gast persönlich am Bahnhof abzuholen und nutzten die Gelegenheit, vor Ort einen wesentlichen Mosaikstein ihres Wahlprogramms vorzustellen: ein regionaler Omnibusbahnhof (ROB) als Teil einer Neukonzeption des Bahnhofsvorplatzes als "Mobilitätsdrehscheibe" für die gesamte Stadt.

"Ein paar Elemente hat die Stadt sogar schon verwirklicht", erläuterte Gack und verwies auf die Neugestaltung der
Bahnhof-Rückseite an der Brennerstraße. "Aber der Vorplatz in seiner jetzigen Form ist immer noch unübersichtlich und voller Pkw-Verkehr." Die Lösung: ein regionaler Omnibusbahnhof, der die verschiedenen Bushaltestellen für Stadt- und Landkreisbusse rund um den Bahnhof an einer Stelle bündelt und so nicht nur für Übersichtlichkeit sorgt, sondern auch dafür, die gesamte Palette unterschiedlicher Verkehrsmittel besser miteinander zu verknüpfen. Außerdem, so Gack, solle der gesamte Platz einladender gestaltet werden.

Ein entscheidendes Problem dabei: Der Platz, auf dem die GAL den ROB verwirklichen möchte, ist nicht in kommunalem Besitz, sondern Eigentum der Deutschen Bahn AG. Und diese weigert sich, das Grundstück zu veräußern. Es handelt sich dabei um den Parkplatz für Bahnkunden im eingezäunten Bereich neben dem Taxistand. Von Anton Hofreiter erhoffen sich die Grünen Unterstützung in dieser Sache. Zumal es bereits Förderzusagen im Rahmen des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes gebe, die aber nach 2017 wegzufallen drohten. Hofreiter zeigte sich bereit, seine Bamberger Parteifreunde zu unterstützen, dämpfte jedoch auch deren Hoffnungen auf eine schnelle Lösung: "Zuerst einmal müssen wir wissen, welcher Teilgesellschaft der DB AG genau das Grundstück gehört: Da gibt es die DB Netz, die DB Regio, die DB Fernverkehr und noch viele mehr."

Mit diesen Hausaufgaben im Gepäck ging es nach dem Ortstermin am Bahnhof ins Hotel National, wo Hofreiter schnell zum Thema Verkehrspolitik überleitete und hier konkret den Bahnausbau unter die Lupe nahm. In seinem Vortrag sowie in der anschließenden Diskussion glänzte er nicht nur mit technischem Detailwissen etwa über die Vorteile moderner Kunstharzbremsen gegenüber der noch weit verbreiteten Graugussbremsen im Güterzugverkehr, sondern wusste die lokale Diskussion über den Bahnausbau auch in einen größeren politischen Zusammenhang einzuordnen.

Festzuhalten blieb vor allem, dass - aufgrund eines de facto sinkenden Verkehrshaushalts, sinkender Gewinnerwartungen der DB AG und der Priorität für Neubaustrecken vonseiten der Deutschen Bahn - "hier wahrscheinlich kein Geld vorhanden ist für eine zeitnahe Umsetzung des Bahnausbaus vor Ort." Gleichwohl warnte Hofreiter davor, die Hände in den Schoß zu legen und abzuwarten: "Man könnte zum Beispiel für die schon jetzt schwerstbetroffenen Gebiete vorgezogene Lärmschutzmaßnahmen einfordern, die so gestaltet werden, dass sie dann auch nach dem Ausbau der Strecke Bestand haben!"

So oder so: Der Lärmschutz müsse unbedingt im Planfeststellungsbeschluss festgehalten werden, da hier auf etwaige mündliche oder schriftliche Nebenvereinbarungen kein rechtlicher Verlass sei, erläuterte er weiter. Da darüber hinaus die Prognosen zum zukünftigen Verkehrsaufkommen "absolut unzuverlässig" seien, forderte Hofreiter: "Wir brauchen eine Flexibilitätsklausel im Planfeststellungsbeschluss, so dass bei stark erhöhtem Verkehrsaufkommen ein Rechtsanspruch auf Nachbesserung beim Lärmschutz besteht!" Denn: Die Bahn arbeite bevorzugt mit hohen Prognosen, "um das Nutzen-Kosten-Verhältnis nach oben zu zaubern und so mehr Zuschüsse vom Bund einstreichen zu können."

Allerdings räumte er auch ein, dass man von der Umsetzung dieser grünen Forderung noch weit entfernt sei. Passend dazu überreichten Robert Bartsch und Stefan Kabitz von den Bürgerinitiativen "Bahnsinn Bamberg" und "Das bessere Bahnkonzept" Anton Hofreiter zum Abschluss einen gemeinsamen Brief an Bahn-Chef Rüdiger Grube, in dem die Forderungen der Initiativen - unter anderem auch die Einrichtung einer "kommunalen Bürger-Informations-Zentrale" als Ansprechstelle vor Ort - verdeutlicht werden, und stellten eine bundesweite Unterschriftenaktion für einen besseren Schutz vor Zuglärm vor.