Kersbach/Pommersfelden
Zivilcourage

Vergewaltigung von 17-Jähriger verhindert: XY-Preis geht nach Oberfranken

Bei der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" werden jährlich Menschen geehrt, die außergewöhnliche Hilfe bei der Aufklärung von Kriminalfällen bewiesen haben. Einer der Preisträger kommt aus dem Landkreis Bamberg. Der 28-Jährige verhinderte ein schlimmes Verbrechen an einer damals 17-Jährigen in Kersbach.
 
Thomas Schmitt aus dem Landkreis Bamberg verhindert Vergewaltigung
Thomas Schmitt aus dem Landkreis Bamberg gewinnt den XY-Preis für Zivilcourage, weil er die Vergewaltigung einer damals 17-jährigen Schülerin verhinderte. Foto: Copyright ZDF/Aktenzeichen XY

Die Kriminalsendung "Aktenzeichen XY ungelöst" trägt seit 1967 zur Verbrechensbekämpfung bei. Es werden ungelöste Fälle vorgestellt und Zuschauer können dabei helfen, die Verbrechen aufzuklären. Jährlich wird außerdem an drei Menschen, die außergewöhnliche Hilfe bei der Aufklärung von Verbrechen und Zivilcourage bewiesen haben, der XY-Preis verliehen. 

Aus etwa 100 Vorschlägen, die beispielsweise von Privatpersonen und Polizeidienststellen eingereicht werden können, wählt eine Fachjury jedes Jahr drei Preisträger aus. Dieses Jahr gehört ein Franke zu den Gewinnern, des mit 10.000 Euro dotierten Preises. 

Vergewaltigung in Kersbach: Oberfranke beweist Zivilcourage

Die Jury hat dem 28-Jährigen Thomas Schmitt aus Pommersfelden-Steppach im Landkreis Bamberg den XY-Preis verliehen, weil er dank seiner besonderen Aufmerksamkeit und Hartnäckigkeit die Vergewaltigung einer 17-jährigen Schülerin verhindert hat. Zudem hat er es ermöglicht, dass der Täter, der schon mehrere Sexualstraftaten begangen hat, festgenommen wurde. 

Rückblick: In Kersbach bei Forchheim wird am 28. Mai 2016 eine 17-jährige Frau von einem 26-jährigen Serienvergewaltiger in den Graben einer Landstraße gezogen. Zu diesem Zeitpunkt fährt dort Thomas Schmitt mit seinem Auto vorbei. "Zum Glück war es an dem Tag sehr heiß, sodass ich die Fenster im Auto unten hatte. Und ich war gerade dabei, die Musik zu wechseln, sonst hätte ich die Schreie womöglich gar nicht gehört", erinnert sich Schmitt.

Weil er die Schreie nicht gleich lokalisieren kann, wendet Thomas Schmitt. Plötzlich springt ein Mann aus dem Graben und läuft an dem Auto vorbei. Die junge Frau kriecht weinend aus dem Graben. Thomas Schmitt reagiert geistesgegenwärtig: Er informiert die Polizei und kümmert sich um das Opfer, während er den Täter beobachtet. "Der Täter blieb die ganze Zeit in meinem Blickfeld. Er ist auf dem Bahnsteig des Kersbacher Bahnhofs auf und ab gelaufen", sagte Schmitt inFranken.de. 

Genaue Beobachtungen helfen der Polizei

Durch die Beobachtungen von Thomas Schmitt kann die Polizei den Mann, der bereits eine 16-Jährige vergewaltigt und außerdem versucht hatte, eine 20-Jährige zu vergewaltigen, kurz darauf festnehmen. Er wurde zu neun Jahren Haft verurteilt.

Thomas Schmitt hat dabei nicht nur sehr schnell reagiert, sondern gleichzeitig vorsichtig gehandelt, sodass weder er, noch das Opfer in weitere Gefahr gerieten. Auch das ist ein Kriterium für die Jury des XY-Preises. 

Als Auszeichnung für mutiges und couragiertes Handeln wurde der diesjährige XY-Preis aufgrund der Corona-Bedingungen erstmals im Rahmen der Live-Sendung im ZDF "Aktenzeichen XY ungelöst" am Mittwoch, 18. November 2020 vergeben. Bundesinnenminister und Schirmherr Horst Seehofer ehrte die Helden des Alltags in einer persönlichen Videobotschaft. Die Preisträgerinnen und Preisträger wurden in der Sendung zugeschaltet. Das vorbildliche Handeln der Auszuzeichnenden wurde im Gespräch mit Moderator Rudi Cerne sowie in ausführlichen Filmbeiträgen vorgestellt und gewürdigt. 

Horst Seehofer ehrte die Preisträger in einer persönlichen Videobotschaft 

Neben Thomas Schmitt wurde der XY-Preis auch an  Luca Höppner und seine Mutter Finja Klenz sowie an Alexander Kernstock verliehen. Finja Klenz und ihr Sohn Luca Höppner retteten einer Frau bei einem Stalker-Angriff das Leben. Alexander Kernstock verhinderte einen schweren Kindesmissbrauch. 

Hier können Sie nachlesen, wie Thomas Schmitt im Juni 2020 für den Preis nominiert wurde.