"Wenigstens gibt's heuer keine Absperrungen und kein Gemöhr", freut sich eine Besucherin auf dem Weg über die Markusbrücke ins Sandgebiet. Zunächst sollte sie an diesem Samstag Recht behalten, denn gegen 20 Uhr hielten sich die Menschenmassen vor allem in der Oberen Sandstraße in Grenzen. Wo sonst in den vergangenen Jahren um diese Zeit Nachtschwärmer in der Schlange am Popcornstand warteten und sich in den geschmückten Passagen der Duft der Kerwa-Süßigkeit mit Steckerlfischgeruch vermischte, bietet sich in diesem Jahr ein vergleichsweise ruhiges Bild am Leinritt.


Später als bei der Kerwa geht's los

Eigentlich hätte an diesem letzten Augustwochenende Bambergs größtes Volksfest stattgefunden: die Sandkerwa. Doch fällt diese erstmals nach 66 Jahren ins Wasser. Dem Kerwa-Aus zum Trotz füllt sich das Sandgebiet auch am Samstag mit Feiernden.

Allerdings weitaus später als beim Kerwa-Betrieb: Die Markusbrücke, am Festwochenende eigentlich traditioneller Treffpunkt für das junge Publikum, scheint an diesem Augustabend noch gegen 20 Uhr wie leer gefegt.
Je später der Abend, desto mehr Zulauf bekommen die Gastronomie- und Barbetriebe jedoch. Heikle Engstellen und lange Wartezeiten, um von A nach B zu kommen, müssen Besucher an diesem Abend trotzdem nicht fürchten. Bis auf einige Ausnahmen bilden sich nur lose Menschentrauben vor den Lokalen.


Alles friedlich verlaufen

Es herrscht normaler Wochenendbetrieb, wie Georg Sennefelder die Lage am frühen Abend beurteilt. Der Chef des gleichnamigen Wach- und Sicherheitsdienstes blickt bereits auf zwei ruhige Nicht-Kerwa-Tage zurück. Trotz der Absage entschieden sich die umliegenden Gastronomiebetriebe dazu, sein Sicherheitspersonal in Anspruch zu nehmen. Bisher sei "alles friedlich" verlaufen. "Die Leute freuen sich, dass sie ausgehen können. Natürlich fehlt a weng was, es ist halt keine echte Kerwa. Aber das Bier wird genauso getrunken", so Sennefelder.

Tatsächlich bedauern einige Anwesende am Samstag, dass keine richtige Kirchweih-Stimmung aufkommt. Schließlich würden hierzu die Wimpel und Lampions an den Hauswänden, aber auch die vielen Bands fehlen, deren Musik normalerweise in den Feststraßen zu einem großen Ganzen verschmilzt. Manchen scheint sogar das traditionelle Gedränge zu fehlen: "Also am Donnerstag war mehr los, da hat's uns deutlich besser gefallen", sagt Katja Schiel. Sie und Freundin Nicola Wichel sind echte Fans des fränkischen Fests. "Wir lieben einfach die Sandkirchweih, weil man da so viele Leute trifft", schwärmt Wichel. "Wenn man jetzt so durchläuft, fehlen einem schon die Buden und der Popcorngeruch!"


Kein Karussell

Und noch etwas fehlt am Leinritt, der kulinarischen Genussmeile der Sandkirchweih: Wo sonst ein beleuchtetes Karussell Kinderaugen zum Leuchten bringt, herrscht gähnende Leere. Dafür nimmt auf der Hauptmeile des Sands der Besucherstrom immer mehr zu. Insgesamt besuchten laut Polizei knapp 6000 Partygänger an diesem Tag die "Kerwa, die es nie gab".

Ungeachtet des erhöhten Personenaufkommens entwickelte sich der Wochenendbetrieb als "ganz normal", wie die Polizeiinspektion Bamberg mitteilt. Größere Einsätze seien nicht erforderlich gewesen, wenn auch um ein Uhr nachts noch zahlreiche Partygänger der Kirchweihabsage trotzen.