Die Sonne strahlte mit den Ehrengästen um die Wette, die Mädchen und Buben aus dem Kindergarten - verstärkt durch Erstklässler - sangen mit Inbrunst "Heut' ist ein Tag, an dem ich froh sein kann", die Politiker lobten sich und vor allem andere. Das war für den Nüdlinger Ortsteil kein Tag wie jeder andere: Das neu gestaltete Zentrum wurde feierlich seiner Bestimmung übergeben.

Eine tragende Rolle spielten dabei die kleinen Haarder, die mit Bobbycar, Drei- und Zweiräder den Berthold-Hehn-Platz eroberten, nachdem sie einige Lieder gesungen hatten.

Landrat Thomas Bold und Bürgermeister Günter Kiesel (beide CSU) sagten, es sei ein Freudentag für den Nüdlinger Ortsteil. Die neue, 1225 Meter lange und "wunderbar gestaltete Ortsdurchfahrt" samt Kirchvorplatz erhöhe die Lebensqualität im Ort. Sie sei eine deutliche Verschönerung und eine erhebliche Verbesserung für alle Verkehrsteilnehmer, so Bold. Sein Urteil: "Die Gemeinde Nüdlingen kann stolz darauf sein."


Lücke geschlossen

Die relativ lange Bauzeit habe Schmutz und Lärm verursacht, sie habe für die Bewohner Einschränkungen mit sich gebracht. Gewerbetreibende und Anlieger hätten dafür jedoch viel Verständnis aufgebracht. Um die Belästigungen in Grenzen zu halten, sei die rund 2,05 Millionen Euro teure Maßnahme in vier Abschnitte unter Vollsperrung aufgeteilt worden.

Besonders lobte Bold Polier Robert Zeitz: Durch dessen vorausschauendes Denken sei es möglich gewesen, einen raschen Baufortschritt zu gewährleisten. Alle Arbeiten durch das Bauunternehmen aus Untererthal seien "zur vollsten Zufriedenheit" ausgeführt worden.

Bürgermeister Kiesel attestierte dessen Inhaber, er könne stolz auf seine Mitarbeiter sein.


"Es hat sich gelohnt"

Während der Landkreis für die Neugestaltung der Kreisstraße in Haard zuständig war, kümmerte sich die Gemeinde um den "Rest". Der Kreisel und abgeflachte Kurven trügen zur Verkehrssicherheit bei. Ein zentrales Bauvorhaben sei abgeschlossen. Kiesel: "Es hat sich gelohnt, das Projekt anzugehen."

Er schwärmte von den breiten Gehwegen, den neuen Einfassungen, der modernen, hellen Beleuchtung, vom umgestalteteten Berthold-Hehn-Platz mit Brunnen und dem gut begehbaren Pflaster. Auch Teile der Ver- und Entsorgungsleitungen seien erneuert worden. Beifall bekam Kiesel, als er das Bauunternehmen lobte: Dessen zügige Arbeit sei "großartig" gewesen.

Die Bewohner, die einen Teil der Kosten für die Gehwege tragen müssen, vergaß Kiesel nicht. Sie hätten "viel Verständnis und Geduld" bewiesen. Zu den Diskussionen im Vorfeld der Maßnahme sagte der Bürgermeister rückblickend, sie seien zwar wichtig gewesen, "hätten aber auf einer sachlichen Ebene stattfinden müssen".

Der Ausbau der Ortsdurchfahrt aus den Jahren 1969/ 70 verbessere und verschönere Haard, sagte Kiesel. Er trage auch dazu bei, ein Ausbluten der Ortskerne zu verhindern.

Geschichte 2007 wurde der Ausbau der Ortsdurchfahrt beschlossen. Im selben Jahr wurde das Büro Hahn und Kollegen mit der Planung beauftragt, 2011 kam Hoßfeld & Fischer (beide Bad Kissingen) für die Kanalarbeiten hinzu. 2011 wurden die staatlichen Zuwendungen beantragt, der Wirtschafts- und Umweltausschuss des Kreistags beauftragte das Bauunternehmen Stolz mit dem Vorhaben. Am 27. Februar 2012 begannen die Arbeiten. Erschwert wurden sie durch einen nicht tragfähigen Untergrund. Kälte und Schnee ließen ein Aufbringen der Asphaltdecke zunächst nicht zu. Sicherungsmaßnahmen waren notwendig. Erfreulich: Es haben sich keine Unfälle ereignet.

Umfang Der ausgebaute Teil der Ortsdurchfahrt ist 1225 Meter lang. Die Kreuzung Nüdlinger- und Gartenstraße wurde zu einem Kreisel umgestaltet. Hier können die Schulbusse gefahrlos wenden. Vom Ortsende bis zur Abzweigung nach Burghausen wurde ein Geh- und Radweg angelegt. Damit wurde eine weitere Lücke geschlossen. Schadhafte Gehwege wurden umgestaltet und verbreitert. Die Bushaltestellen sind jetzt behindertengerecht. Der Berthold-Hehn-Platz wurde aufgewertet. Alte Kanalstränge wurden ausgewechselt.

Gemeinschaftswerk Beteiligt waren der Landkreis Bad Kissingen (Kreisstraße KG 17). Die Gemeinde Nüdlingen zeichnet verantwortlich für die Gehwege, Randbereiche, Beleuchtung, Grünflächen und Kanalarbeiten. Die Stadtwerke Bad Kissingen verlegten Gasleitungen. Die Bauleitung hatte Steffen Kiesel von der Tiefbauverwaltung im Landratsamt.

Kosten Das Projekt verschlang ingesamt 2,05 Millionen Euro. Der Landkreis trägt davon 1,18 Millionen Euro, auch für Grunderwerb, Vermessung und Verwaltung. Die Fahrbahn erforderte 981 000 Euro. Die Gemeinde Nüdlingen muss 841 000 Euro aufbringen, 372 000 Euro davon alleine für den Kanalbau. Die Verlegung der Gasleitung kostete weitere 30 000 Euro. Der Staat fördert mit insgesamt 490 000 Euro.